Wenn ein Rennfahrer, noch dazu auf zwei Rädern, die gleichen Popularitätswerte besitzt wie ein Fußballspieler, dann muß etwas Besonderes an dem Mann sein. Mit dieser kurzen Biographie möchte ich an seinen 20. Todestag erinnern. Sein Name:

Walter Zeller



Leider verstarb der Bayer am 4.Februar 1995 viel zu früh an Herzversagen. Diese wenigen Zeilen sollen sein Wirken als Rennfahrer und Mensch ins Gedächtnis der Rennsportanhänger zurückrufen.


am Ziel
Start zur TT 1957




Am 11. September 1927 wurde Walter im bayrischen Ebersberg geboren. Seine Eltern hatten gerade 3 Jahre vorher mit der Übernahme des Stahlwerks "Annahütte" in Hammerau die Lebensgrundlage, auch für seine spätere Rennkarriere geschaffen.

Nach dem Schulabschluß mit der mittleren Reife, einer Lehre im elterlichen Betrieb und dem Besuch einer Ingenieurschule in München konnte er endlich das tun was er sich sehnlichst wünschte - er wollte Rennfahrer sein. Als Ausweisfahrer schaffte er mit zahlreichen Erfolgen in den Jahren 1947 und 1948 die Lizenz. Nun konnte er sich mit den Besten messen. Natürlich war das Talent von Walter auch bei den Verantwortlichen von BMW nicht ohne Auswirkung geblieben. Man beorderte ihn ins Werksteam nach München.

Dort hatte man mit dem Schorsch (Georg Meier) einen Spitzenmann, aber dies war auch gleichzeitig Walter´s Chance. In der 1949 ins Leben gerufenen Weltmeisterschaft hatte man nämlich ein Verbot für aufgeladene Motoren erlassen, während diese in Deutschland vorerst noch erlaubt waren. So duellierte sich BMW´s Nummer 1, der Meier Georg mit der Nummer 1 von NSU, dem Fleischmann Heiner. Für BMW fuhr da auch noch der "Wiggerl" Kraus. Alle drei waren mit Kompressormaschinen unterwegs, wobei Kraus auch noch in der Seitenwagenklasse aktiv war und alle drei kannten sich auch noch aus den Vorkriegsjahren. Die Saugmotorenmaschine von BMW zu fahren war Zeller´s Aufgabe, welche er mit Bravour löste, meist mit seiner Startnummer 21. Auf dem Bild sieht man das BMW-Trio Zeller, Meier (etwas verdeckt) und Kraus.

1951 startete Walter auch mit einer Kompressor-BMW, siegte auf der Eilenriede, gewann das Feldbergrennen und auf dem Norisring und wurde beim Eifelrennen, in Schotten und auf der Avus jeweils hinter "Schorsch" Meier Zweiter. Das war dann sein erster Meistertitel. So nebenher gewann er für BMW noch eine Goldmedaille bei der 6-Tage-Fahrt in Italien. Zum Team gehörten neben ihm noch der "Schorsch", der auf seine Vorkriegserfahrung bauen konnte und Rudi Seltsam. Auf seine Beteiligung an der Sechstagefahrt angesprochen ließ er verlauten, dass er zu vieles Geländefahren schlecht für seinen Fahrstil hielt.


Als es dann darum ging, nach dem Ende des Startverbots für deutsche Fahrer in der WM, sich mit den Werksteams aus England und Italien zu messen, stellte sich bald heraus, welche Kaliber diese waren. Dazu kamen dann noch absolute Spitzenfahrer als Kontrahenten. Mit der BMW war es eben ein tolles Resultat wenn sich Walter 1953 in Assen gegen die übermächtigen Vierzylinder aus Italien als 7. platzierte. Auch die englischen Maschinen mit ihren ausgezeichneten Fahrwerken hatten gegenüber Walter noch Vorteile.

Vielleicht kann folgendes Beispiel die gegebene Situation untermauern. Der Irländer Cromie McCandless hatte 1952 auf der Isle of Man mit seiner privaten Norton einen sechsten Platz belegt. Noch im gleichen Jahr beim Ulster GP war der in der WM Führende Italiener Masetti mit der Vierzylinder Gilera erkrankt. Man bot McCandless die verwaiste Maschine für das Rennen an... und er gewann damit. Das bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.

Es dauerte dann bis 1955 für ein WM-Spitzenresultat. Auf dem Nürburgring schlug er das MV-Werksteam mit den Spitzenleuten Masetti und Bandirola. Gegen die Vierzylinder Gilera von Geoff Duke war er allerdings chancenlos. So ganz nebenbei holte er im Kampf gegen die Meute der Privatfahrer 1954 und 1955 noch den Deutschen Meistertitel.

1956 wurde dann sein erfolgreichstes Jahr. Er war der beständigste unter den Spitzenfahrern, auch wenn es leider zu keinem Grand Prix Sieg reichte. 1957 sollte dann sein letztes aktives Jahr werden. Ein Todesfall in der Familie, Bruder Kurt war verstorben, zwang ihn dann, die Leitung des elterlichen Betriebs zu übernehmen, was bis dato Kurt getan hatte. In Hockenheim fuhr Walter sein letztes Rennen. Für die Qualität von ihm spricht die Tatsache, dass die italienischen Werke (MV) an Walter interessiert waren. Doch dazu kam es aus oben genannten Grund nicht mehr. Eventuell könnte man noch erwähnen, um Zellers Leistung ins richtige Licht zu stellen, daß selbst der großartige Geoff Duke nach ein paar Rennen eine ihm anvertraute BMW zur Seite stellte und auf eine Norton zurück wechselte. Walter war eben der einzige, der die Boxer-Maschine bis zum Limit "ausquetschen" konnte.

Als Familienmensch hatte er am 15. April 1953 seine Erna geehelicht und aus dieser Heirat sind vier Kinder - Eva, Marina, Regina und Alfred hervorgegangen. Einer seiner vielen Interessen in den frühen Fünfzigern war auch seine Modelleisenbahnanlage, die zu den größten, zumindest in Bayern, gezählt wurde.

Nachdem 1975 die "Annahütte" den Besitzer gewechselt hatte, zog es Walter immer wieder zu den Zweirädern, bei denen er sich an Rennen in der Veteranenszene beteiligte und dabei viele ehemalige "Spezies" wieder getroffen hat. Ganz überraschend hörte dann am 4. Februar 1995 sein Herz auf zu schlagen. Der Motorsport war um einen seiner Besten und Symphatischsten ärmer geworden.








meine Begegnung mit dem BMW-Hero


Mit Vergnügen erinnere ich mich an meine erste und leider einzige Begegnung mit Walter Zeller. Es war im Sommer 1958. Während meiner Ferien war ich "per Anhalter" unterwegs vom Bayrischen Wald in Richtung Berchtesgaden. Es war ein heisser Sommertag und in Erinnerung hatte ich noch die Rennen am Sachsenring von 1957 und den Sieg des Österreichers Gerold Klinger mit der BMW in der Halbliterklasse. Damals hatte Walter Zeller wegen des Todes seines Bruders seine Teilnahme absagen müssen, was sehr bedauert wurde.
Plötzlich sah ich vom Auto "meines Fahrers" aus ein Ortseingangsschild "Hammerau". Mir fiel es wie Schuppen von den Augen - hier wohnt doch der Walter Zeller. Mein Fahrer war erstaunt, als ich ihn bat, doch mich hier raus zu lassen. Er wusste ja, ich wollte nach Berchtesgaden. Eine kurze Erklärung meinerseits und er hielt direkt an der Pforte von Walter Zeller´s Eisenwerk. Mit meinem kleinen Köfferchen in der Hand ging ich zur Pforte und fragte den Pförtner, ob Herr Zeller da sei. Der ältere Herr in der Pforte musterte mich einige mal von oben bis unten und war wohl unschlüssig, was er machen sollte. Schliesslich fragte er mich nach meinem Anliegen. Ich erzählte ihm, dass ich vom Sachsenring komme und dort beim Rennen Walter Zeller sehr vermisst hatte und ich den "grossen Chef" um ein Autogramm bitten wollte. Mein flehentlicher Gesichtsausdruck muss ihn dann wohl doch überzeugt haben und er telefonierte in´s Büro des Chefs. Irgendwie war mir ja etwas mulmig zu Mute. Wie im Unterbewusstsein vernahm ich dann die Worte "Herr Zeller lässt bitten". Nun gab es kein zurück mehr. Schräg gegenüber liegend war das "Chefgebäude" nicht schwer zu finden. An der Tür empfing mich eine junge hübsche Dame - die muss einfach jung und hübsch gewesen sein, denn ich war viel zu nervös um das richtig wahrzunehmen. Dann ging eine Tür auf und ein junger, sehr freundlicher Mann sagte zu mir: "Sie kommen also vom Sachsenring. Ist ja nett mich zu besuchen". Dann fragte er mich, was ich trinken möchte. "Ach ja, Sie kommen ja aus Sachsen, möchten Sie da einen Kaffee"? Irgendwie muß ich wohl genickt haben, denn ehe ich was sagen konnte, erhielt die Sekretärin den Auftrag, einen Kaffee zu machen und er bestellte sich ein Bier. Dann hörte ich noch, wie er die Sekretärin gebeten hat, eine halbe Stunde nicht gestört werden zu wollen. Er merkte mir wohl meine Nervosität an, jedenfalls fing er an mir Fragen zu stellen und im nu war ein Gespräch im Gange. Ich merkte garnicht wie die Zeit verging, als er sich entschuldigte und meinte, er müsse leider noch etwas arbeiten. Dann brachte er mich zur Tür, von wo aus der Pförtner uns sehen konnte. Er bedankte sich für den Besuch und wünschte mir noch schöne Ferientage. Ich hatte noch ganz weiche Knie, als ich beim Pförtner  "Auf Wiedersehen" sagte. Sein Gesicht drückte noch immer Erstaunen aus, denn der grosse Chef hatte höchstpersönlich den jungen Niemand empfangen.

Fotos: Günter Geyler, Werner Rehwagen, FBi, Archiv






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