Walter Schneider - Hans Strauß...

... die zweimaligen Gespann-Weltmeister kurz vorgestellt

Text und Fotos: Günter Geyler


Sachsenring Im Jahr 1958 lief das Sachsenringrennen erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg als „Großer Preis der DDR“. Die jeweiligen Sieger wurden mit der entsprechenden Landeshymne geehrt. So erklang für Ernst Degner (125 ccm) und Horst Fügner (250 ccm) das „Auferstanden aus Ruinen“, für Luigi Taveri (350 ccm) die schweizer Hymne und für Dickie Dale (500 ccm) „God save the Queen“. Im Rennen der Gespanne deklassierten die neuen Seitenwagen-Weltmeister Walter Schneider und Hans Strauß auf ihrer Siegesfahrt geradezu ihre Konkurrenten. Bereits 1957 gewannen sie das Sachsenringrennen vor Friedrich Hillebrand / Manfred Grunwald. Mit ihrem BMW-Gespann, das 65 PS leistete, drehten sie 1958 ständig neue Rekordrunden und demonstrierten vor allem in den Kurven ihre fahrerische Überlegenheit. Ihr Fahrstil erinnerte an die Driftkunst der 1955er Weltmeister Faust / Remmert. Hinter Schneider / Strauß fuhren der Schweizer Florian Camathias mit Hilmar Cecco aus Deutschland vor dem deutschen Paar Loni Neußner / Dieter Hess und einem weiteren Schweizer, Fritz Scheidegger, mit dem deutschen Co-Piloten Horst Burkhardt.
schneider_strauß Eng zusammenliegend boten diese drei BMW - Gespanne einen fesselnden Kampf. Im Ziel lagen dann die Eidgenossen Camathias und Scheidegger auf den Plätzen zwei und drei vor Neußner und weiteren vier BMW-Gespannen. Unbeschreiblicher Jubel galt den Siegern Schneider / Strauß. Im Gegensatz dazu musste die linientreue rote Rennleitung ein fürchterliches Pfeifkonzert über sich ergehen lassen, da sie bei diesem „Großen Preis“ für die Gewinner des Seitenwagen-Laufes anstelle der weltbekannten Melodie von Joseph Haydn nur so einen „ Fabrikarbeiter-Mambo“ abspielen ließ.

Im Gegensatz zum empörten Sachsenring-Publikum werden sich die beiden Dreirad-Akrobaten aus Weidenau und Nürnberg nicht allzu sehr über den russischen Sportlermarsch geärgert haben, denn bei den 1958er Läufen zur WM auf der Englischen Tourist Trophy, in Spa Franchorchamps (Belgien) und auf dem Nürburgring konnten sie als Sieger die richtigen Klänge hören. In Assen (Holland) belegten sie den zweiten Platz und traten das Erbe ihrer Marken-Kollegen Hillebrand / Grunwald an, die 1957 die Weltmeisterschaft erkämpften. Leider verunglückten die 1957er Titelträger am Ende der Saison bei einem nicht zur WM zählenden Rennen in Bilbao (Spanien) im Training, bei dem Friedrich Hillebrand tödliche Verletzungen erlitt.

schneider_strauß Im Jahr 1958 holte sich das Gespann Schneider / Strauß die WM-Krone vor Camathias / Cecco und Fath / Rudolph. Zusätzlich gewannen die Weltmeister noch in St.Wendel, Hockenheim und auf dem Nürburgring, wurden somit auch Deutsche Meister.

Als 1959 dem Weltmeisterpaar Schneider / Strauß in Hohenstein-Ernstthal im Rennen eine Verkleidungsstrebe am BMW-Gespann brach und die Lenkbarkeit der Maschine beeinträchtigte, war zur Freude der Rennleitung an einen weiteren Sachsenring-Sieg der Westdeutschen nicht zu denken.

Zuvor gewannen die beiden die WM-Läufe in England und Belgien, belegten hinter ihren stärksten Konkurrenten Camathias / Cecco in Frankreich, Deutschland (Hockenheim) und Holland jeweils den zweiten Platz und konnten somit den WM-Titel ganz knapp vor Camathias / Cecco verteidigen. Weniger erfolgreich waren die Weltmeister in der Deutschen Meisterschaft 1959: Lediglich in Hockenheim erreichten sie als bestes deutsches Gespann die volle Punktzahl. Auf dem Nürburgring verursachte Florian Camathias durch ein fahrerisches Wagnis bei einem Überholvorgang eine Kollision mit Walter Schneider, der zum Ausfall der Deutschen führte. Hans Strauß erlitt dabei einige Rippenbrüche. Diese vermeidbare Aktion des Schweizers kostete letztlich dem Paar Schneider / Strauß die Deutsche Meisterschaft. Nach der Saison 1959 nahmen die zweimaligen Weltmeister Abschied vom aktiven Rennsport.

Begonnen hatte der (15.01.1927-27.03.2010) in Weidenau geborene Walter Schneider im Jahr 1949 als Beifahrer des Berliners Kurt Bäch. Ab 1950 fuhr der gelernte Autoschlosser selbst mit einer zusammengebastelten BMW R 66. Sein Beifahrer hieß Manfred Wahl. schneider_strauß In Dieburg, Lorsch und Recklinghausen gewannen die beiden als Ausweisfahrer. 1951 siegte Walter Schneider wieder in Dieburg, doch neuerdings als Lizenzfahrer. Danach wollte es nicht mehr so richtig laufen. Zwei Jahre später fuhr er ein Norton-Gespann. Mit Beifahrer Walter Nüssen gelang der Vorstoß in die Spitzengruppe der deutschen Privatfahrer. 1954 stand dem Weidenauer endlich eine BMW RS 54 zur Verfügung. Im Beiwagen turnte der Nürnberger Hans Strauß, der vorher bei dem erfolgreichen Draufgänger Ernst Ebersberger als „Schmiermaxe“ fungierte. Auf der neuen BMW und mit dem 1924 geborenen Kraftfahrzeugschlosser Strauß wurde der Aufstieg zur Weltspitze erreicht. In der WM-Wertung belegten die beiden 1954 Platz vier. Ein Jahr danach erreichten sie in der WM-Tabelle hinter den BMW-Werksfahrern Willy Faust / Karl Remmert und Wilhelm Noll / Fitz Cron den dritten Rang. Dabei erkämpften sie als Privatfahrer einen überragenden Sieg beim schwersten Motorradrennen der Welt: der Englischen Tourist Trophy. Auch 1956 führte das Paar Schneider / Strauß, inzwischen BMW-Werksfahrer, auf der britischen Insel Man. Doch bei diesem WM-Lauf streikte der Motor. Bei weiteren Rennen in der Saison gab es wiederholt Ärger mit dem Triebwerk. Erst 1957 lief es wieder: Zweite Plätze bei den WM-Läufen in Deutschland (Hockenheim) und England, dazu ein Sieg in Belgien brachte den zweiten WM-Rang hinter den Markengefährten Friedrich Hillebrand / Manfred Grunwald.

Ab 1958 lachte den beiden dann so richtig die Sonne… Natürlich waren diese Akrobaten auf drei Rädern auch auf den Rennstrecken der früheren DDR gern gesehen und erfolgreich.


zurück