Kasimir Rapczynski

erzählt von seiner Tochter Nadine


Von seinem Vater zu schreiben, wovon man einen ganzen Lebensteil nicht kennt oder nur als kleiner Stöpsel mitbekommen hat, ist gar nicht so einfach. So war meine Interviewpartnerin meine Mutter Inge, die meinem Vater ab 1973 zur Seite stand.

Am 06.11.1946 ist Kasimir Rapczynski geboren, wahrscheinlich schon mit Unmengen Benzin im Blut. Für ihn war relativ früh klar, das ein Großteil seines Lebens auf zwei Rädern stattfinden würde.

1965 ist er zu den Kreidler-Werken in Zuffenhausen als Testfahrer gegangen. Seine rennsportliche Laufbahn fing Kasimir 1969 mit den Juniorenmeisterschaften an, die er auf Anhieb gewann. Seitdem nahm er jedes Jahr an deutschen und auch an Weltmeisterschaften nicht ohne Erfolg teil.
Am 5. Oktober 1969 z.B. gewann er das ADAC-Flugplatzrennen in Niedermending mit seiner 50ccm Rennmaschine, Marke Eigenbau.

Weitere Erfolge 50ccm:

    Klassensieger ADAC-Flugplatzrennen Niedermending 05.10.1969
    2. Platz DMV Rundstreckenrennen Hessen 9./10.08.1969
    3. Platz 4. Rhh. DMV-Flugplatzrennen Mainz-Finthen 30.08.1970
    1. Platz ADAC-Eklerbergrennen 1970
    1. Platz 2. ADAC Rennen-Rund um den Contiturm 22.05.1971
    3. Platz DAC Frankenwald Bergrennen 1972
    2. Platz Int. Flugplatzrennen MSC Mainz-Finthen 1972
    1. Platz 3. DMV Risselbergrennen 1972
    5. Platz 11. Heilbronner ADAC Bergpreis1975
    3. Platz 12. Heilbronner ADAC Bergpreis 1976


1974 in Spa/Belgien


An der Maschine wurde im Keller, wo auch sonst, geschraubt, repariert, geputzt, sie wurde für das nächste Rennen auf Vordermann gebracht. Die Startnummern wurden in der Wohnung zugeschnitten und auf die Maschine verklebt. Die Probefahrten verliefen auf dem Feldweg um die Ecke. Dann war es wieder soweit, das nächste Rennwochenende stand vor der Tür.



Sieger beim Risselbergrennen 1972 (beide Fotos oben)


Die Rennmaschine wurde in das Auto gepackt (damals ein roter Opel Kadett), an der Rennstrecke wurde das Zelt aufgestellt, ohne das große Geld mußte man sich eben etwas mit der Komfortausstattung zurückhalten, aus Liebe zum Rennsport, wohl herrliche Zeiten. Die Startgelder, die Anfahrten zu den Rennwochenenden, das Material für die Rennmaschine waren für einen Rennfahrer als Privatier nicht gerade die günstigste Angelegenheit. Ab 1973 wurde das ganze etwas gemütlicher, die zukünftige Frau hat sich in das Zelt dazu gekuschelt. 1978 kam das erste Kind zur Welt und so wurde die Reiseaustattung durch einen Wohnwagen etwas luxuriöser gestaltet.




Im Jahr darauf hat es Kasimir bei den Deutschen Meisterschaften nach Klein, dem Sieger und Waibel, Zweitplatzierter, auf den 3. Platz geschafft. Ebenso hatte er ´79 Erfolge auf dem
    DM-Lauf-Rund um das Bayerkreuz Nürburgring – ADAC Nordrhein – 4. Platz
    ADAC Flugplatzrennen Speyer AC Schriesheim – 6. Platz
1981 gelang ihm die Fahrt auf den 6. Platz beim GP auf dem Hockenheimring.

Das zweite Kind kam auf die Welt, so ging die Rennfahrerlaufbahn ab sofort mit der Unterstützung von 3 Frauen weiter. Kasimir mit seinem letzten Motorrad Weitere WM-Läufe absolvierte er in Deutschland, Frankreich, Italien (San Marino), Holland (Assen), Tschechien (Brno), Belgien (Spa).
1982 gewann er den Motorrad-Preis in Sankt Wendel
1983 hat sich die 50ccm-Klasse aus dem Rennsport verabschiedet und Kasimir ist auf die 80ccm-Klasse umgestiegen, weiter mit der Rennmaschine Marke Eigenbau.

In der größeren Klasse blieben die Erfolge leider oft aus, er konnte nicht mithalten. Für gutes und besseres Material seiner Maschine fehlte das Geld. Aus Leidenschaft ist er dem Rennsport treu geblieben, ich denke, am Fahrer hat es nicht gelegen das die Erfolge fern geblieben sind.(Im Bild mit der Nummer 17 auf seinem letzten Motorrad)

Erfolge 80ccm:

3. Platz DM-Lauf Hockenheim 12./13.08.1983
Insgesamt erhielt er 5 Ehrenpreise.
Die 80ccm-Klasse wurde dann 1989 von der FIM gestrichen. Kasimir hat in dieser Zeit beschlossen mit dem aktiven Rennsport aufzuhören.

Am 01.01.1994 verstarb Kasimir.
Mit seiner Person, seiner Rennfahrerzeit, mit seinem lebensfrohen Dasein hat er das Leben seiner „3 Mädels“ mit viel Liebe und Glück bereichert.
Leider durfte er nicht mehr erleben, dass er seit dem 16. Februar 2008 Opa von Lena geworden ist.

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