Hans Pesl

Deutschland


Deutscher Meister im Motorrad-Straßenrennsport 1960 der Klasse bis 350 ccm



Der Münchner Hans Pesl - 4. Platz 1959 in Schleiz in der 125 ccm Klasse,
hinter Ernst Degner und Luigi Taveri im toten Rennen, sowie Dietmar Zimpel (alle Werks-MZ)
© Fotos: der Autor, Hans Ritter (Schleiz) oben rechts

Können sie sich vorstellen über eine Persönlichkeit zum 70. Geburtstag zu schreiben, den man leider nie persönlich kennengelernt hat und wo man sich nicht sicher ist was bei ihm überwog: sein sportliches Talent oder sein unbändiger Wille.

Fakt ist, als Hans Pesl am 17. Oktober 2008 seinen 70. Geburtstag beging, wozu ihm die Rennsportgemeinde ganz herzlich gratuliert hatte, konnte er voller Stolz auf ein kämpferisches Leben zurück blicken.

Begonnen hat er seine Rennsportkarriere mit 17 Jahren. In heutiger Zeit eigentlich nicht ungewöhnlich, aber in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo Rennsport erst mit 18 Jahren erlaubt war, bedurfte es dazu schon einer Sondergenehmigung. Hinter ihm stand sein rennsportbegeisterter Vater, der das Talent von "Hansi", wie er gerufen wurde, nach besten Wissen und Gewissen unterstützte. Weniger Freude bereitete der draufgängerische junge Mann seiner Mutter, welche die Gefahren des Motorsports bei "Hansi´s" zahlreichen Starts wohl richtig einzuschätzen wusste. Als dritte wichtige Bezugsperson für den jungen Münchner kam dann ab 1960 seine Freundin Trudl dazu. Sie lebte zwar ebenso wie "Hansi´s" Mutter in ewiger Angst um ihren damaligen Freund, aber "wo die Liebe hinfällt" hat Sie ihren Hans, trotz aller Widrigkeiten, bis zum heutigen Tag die Treue gehalten.

Nach zahlreichen exzellenten Rennen in der Achtelliterklasse mit MV-Agusta und Ducati, bei denen sich der Draufgänger einen guten Ruf als "Kämpfer" erworben hatte und sich mit den damaligen Größen wie z.B. dem jungen Hailwood oder Routinier Willi Scheidhauer duellierte, wurden ihm diese Achtellitermaschinen zu langsam. Er bereitete 1959 durch den Kauf einer Norton den Einstieg in die 350 ccm Klasse vor. Wie richtig seine Entscheidung war zeigte sich bereits ein Jahr später: er wurde 1960 Deutscher Meister in der 350 ccm Klasse. Verständlich, daß er sich nun gänzlich von der Achtelliterklasse verabschiedete und sich als zweites Motorrad eine Halbliter-Norton zulegte. Der Einstieg in die internationale Szene konnte beginnen, zumal er, im Gegensatz zu manchen seiner Kollegen, über einen gewissen materiellen Hintergrund verfügte.

Die Saison 1961 mit dem Weltmeisterschaftsauftakt in Hockenheim konnte also kommen. Und für "Hansi" begann die Veranstaltung in Hockenheim recht erfolgreich. Im WM-Rennen der 350 ccm Klasse belegte er gleich einen exzellenten fünften Platz und dabei distanzierte er sogar den Engländer Frank Perris, der damals als einer der besten Privatiers galt und der später sogar im Suzuki-Werksrennstall auftauchte. Mit einer gewissen Zuversicht reiste nun das "Pesl-Team" zum eine Woche nach Hockenheim stattfindenden Frankreich Grand Prix in Clermont-Ferrand. Hier geschah nun das Unfassbare: Hans Pesl stürzte im Rennen der 500 ccm Klasse und wurde in ein Krankenhaus transportiert. Nach einer unendlich scheinenden Zeit kam die Meldung aus dem Krankenhaus: neben vielen heilbaren Verletzungen hatte er eine Querschnittslähmung erlitten. Die Karriere eines der größten deutschen Rennfahrertalente hatte damit ein abruptes Ende gefunden.

Nun zeigte der Münchner, welcher Kämpfer er ist. Er gründete, vom Rollstuhl aus, einen erfolgreichen Autohandel und wurde dabei u.a. vom legendären Georg Meier tatkräftig unterstützt. Da in seinen Adern noch immer Rennfahrerblut floss, beschloss er, trotz seiner Behinderung, zum Autorennsport zu wechseln. Seine Fahrzeuge wurden allesamt auf Handbetrieb umgebaut und damit setzte er sich bei vielen Rennen gegen seine unbehinderten Konkurrenten durch, wobei so nach und nach die Zahl der Pokale von den Autorennen sogar die Zahl seiner Motorradpokale übertraf. So ganz nebenher engagierte er sich auch noch im Automobilklub München. Als ob das Leben nicht schon grausam genug zu ihm war, musste er im Mai 2002 nach einer Hirnblutung erneut einen Krankenhausaufenthalt auf sich nehmen. Das Kämpferherz Pesl überwand auch diesen Rückschlag und immer ihm treu zur Seite stehend seine Trudl - so eine Kämpfernatur und solche Liebe verdient nicht nur meine Hochachtung, sondern auch die aller Motorsportfreunde!!!


Leider ist am 12. Dezember 2012 Hans Pesl, der große Kämpfer, friedlich, für immer eingeschlafen. Bei seinem letzten Kampf war er chancenlos.
 

Für die vielen Infos zu Hans Pesl´s Karriere möchte ich mich ganz herzlich bei seinem früheren Rennfahrerkollegen Horst Burkhardt aus Hechingen bedanken. Mein Dank gilt Herrn Bangert aus Hechingen, sowie Jürgen Müller aus Schleiz, welche mich ebenfalls unterstützt haben.
der Autor Rolf Eggersdorfer

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