Werner Musiol

09.06.1930 - 15.10.1982


Einer der talentiertesten Fahrer im MZ - Rennteam der fünfziger und sechziger Jahre war Werner Musiol. Es ist schwierig, über diese Fahrer vom MZ - Team zu berichten, denn oft, all zu oft, wurden ihre Start- und damit Vergleichsmöglichkeiten mit der internationalen Konkurrenz durch die damaligen politischen und finanziellen Umstände eingebremst.

Begonnen hatte Werner Musiol bereits 1949 mit dem Rennsport. Er beteiligte sich, wie üblich, bei Musiol
als Sieger am Sachsenring 1959 Rennen in der Ausweisklasse. Unter welchen Bedingungen damals Rennsport betrieben wurde kann wohl nur der ermessen, der damals aktiv dabei war. In jener Zeit startete auch ein gewisser Walter Kaaden in der 125 cc Klasse. Eben jener Walter Kaaden, unter dessen Regie später die Zweitakter aus Zschopau zur Weltspitze reiften.
Werner Musiol gelang dann 1956 der Aufstieg in die Lizenzklasse, was den eigentlichen Beginn seiner Rennfahrerkarriere darstellte. Walter Kaaden, dem man einen Blick für Talente nachsagte, war durch die gemeinsamen Auftritte in der Ausweisklasse das Talent von Werner Musiol auch nicht entgangen. Nachdem sich dann die Rennabteilung in Zschopau etabliert hatte und Walter Kaaden dort seine Tätigkeit ausübte, erinnerte sich er auch jenes jungen Mannes, der so gefühlvoll mit dem Zweitakter umzugehen wusste und zudem noch sehr schnell damit war - eben Werner Musiol.
Er erhielt gelegentlich Werksmaterial zur Verfügung gestellt, mit dem er innerhalb der damaligen DDR zu glänzen wusste. Seine gemachten Erfahrungen flossen natürlich auch in das Werksteam von MZ ein und trugen mit dazu bei, dass MZ sich immer mehr in Richtung Weltspitze bewegte.
So beteiligte sich das Team "in großer Besetzung" am WM - Lauf 1958 am Nürburgring und belegte dort die Plätze drei bis sieben (Degner, Fügner, Brehme, Musiol und Zimpel). Der Durchbruch von MZ zur Weltspitze war endlich gelungen und für Werner Musiol bedeutete das seinen ersten WM - Punkt. Im Jahr darauf, 1959 am Sachsenring, gelang Werner Musiol sogar ein Start- Ziel- Sieg über den in der Weltspitze "angekommenen" Ernst Degner. Das war sicher einer seiner größten Erfolge (alle Fotos oben). Musiol
mit dem MZ - Team 1961Auf dem Foto unten sehen wir das MZ - Team des Jahres 1961 mit Werner Musiol, Alan Shepherd, Horst Fügner als Teamchef und Ernst Degner. Das Problem bei MZ in jenen Tagen war vermutlich deren chronischer Mangel an Devisen und die Schwierigkeiten bei den Reisen in das kapitalistische Ausland. Die Leistungsfähigkeit der Zschopauer Zweitakter war jedenfalls scheinbar vorhanden, wie der Vizeweltmeistertitel von Horst Fügner 1958 und die GP - Siege, auch unter ausländischen Fahrern, aufzeigten. Wenn man zudem den einheimischen Fahrern mehr Gelegenheit geboten hätte, sich im westlichen Ausland mit der Weltspitze zu messen, dann hätte es auch da noch Steigerungspotential gegeben, denn alle Talente hier, wie zum Beispiel auch Werner Musiol, waren samt und sonders ausgesprochene Zweitaktspezialisten.

Auf den Bildern oben sehen wir Werner Musiol beim Rennen der Viertelliterklasse 1962, als er einen glänzenden dritten Platz hinter den Weltstars Redman und Hailwood eingefahren hatte. An dieser Stelle möchte ich auch seinen dritten Platz in der Achtelliterklasse beim WM - Rennen 1959 in Schweden erwähnen. Dort unterlag er nur den beiden italienischen Starpiloten Ubbiali und Provini. Im gleichen Atemzug distanzierte er aber in Schweden Mike Hailwood und Ken Kavanagh auf ihren Ducatis. Das spricht wohl eindeutig für meine These, daß bei mehr Startmöglichkeiten gegen die internationale Klasse auch noch mehr internationale Erfolge möglich gewesen wären.
An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, daß viele der Feinabstimmungen bei den Starts von Mike Hailwood auf der MZ auf Grund der Aussagen von Werner Musiol vorgenommen wurden. Seine immense Zweitakterfahrung spielte auch da mit hinein.

Die Besucher meiner Seite mögen mir verzeihen, wenn ich nur in relativ wenigen Worten der Leistung eines Mannes Gedenke, der am 15. Oktober 1982 nach langer, schwerer Krankheit verstorben war. Die Rennsportfreunde in Ost und West werden ihn nicht vergessen.
Heute betreibt Sohn Peter die von Werner Musiol aufgebaute MZ - Werkstatt.

Fotos: Günter Geyler zurück