5.1.1923 - 3.8.1987

Am 3.August 2013 ist der 26. Todestag von Karl Hoppe. Aus diesem Anlass ein paar ...

... Erinnerungen an einen großen deutschen
Motorrad - Rennfahrer

Es war 1967 am Sachsenring, als zwei Freunde von mir und ich das Vergnügen hatten, einen der damals besten deutschen Rennfahrer ein wenig näher kennen zu lernen.
Es war seine  zurückhaltende und freundliche Art, die uns Fans sofort  imponierte. Obwohl "Teamchef", Fahrer und Mechaniker in einer Person und damit eigentlich voll ausgelastet, fand er immer ein paar Minuten für ein kleines "Gespräch am Rande". Auch so mancher Fahrerkollege erschien bei ihm und wir merkten bald, seine Hinweise und Ratschläge waren gefragt. Angesprochen auf seine "Auskunftsfreude" gegenüber seinen Konkurrenten, meinte er nur sachlich knapp: "Warum sollte ich nicht helfen? Fahren muss ja doch ein jeder selbst".

Brno/CZ 1968 - am Start zu seinen ersten WM-Punkten
v.l. der Autor, Karl Hoppe, Otto Sensburg

Karl Hoppe war nicht der typische Rennfahrer der damaligen und schon gar nicht der heutigen Zeit. Er "tingelte" nicht, wie viele seiner ausländischen Rennfahrerkollegen, von Rennen zu Rennen, sondern "verdiente seine Brötchen" als Betriebsrat bei Blaupunkt / Bosch und war zusätzlich noch ehrenamtlich für seine Gemeinde Diekholzen tätig, so dass ihm die einschlägige Boulevard-Presse gerne als
"schnellster Bürgermeister von Deutschland"
bezeichnete. Wie sich am Samstag Abend - vor dem oben angesprochenen Sachsenring-GP - beim gemeinsamen Abendbrot und einem Glas Bier heraus stellte, interessierten ihn die alltäglichen Dinge des Lebens mindestens genau so wie das Geschehen an den Rennpisten. Es imponierte uns, wie er sich nicht nur erfolgreich gegen seine Konkurrenten auf der Rennstrecke in Szene setzte, sondern auch, wie er sich für das Leben seiner - damals von der Außenwelt abgeschotteten - "Fans" im östlichen Teil von Deutschland interessierte.
Übrigens wurde er im Rennen der 350 cc Klasse Siebenter und damit zweitbester deutscher Fahrer. Bester Deutscher war Heinz Rosner mit der Zschopauer Werks-MZ auf dem vierten Rang.

Ein Jahr später - 1968 - belegte er erneut den siebenten Rang in der Klasse bis 350 cc und war damit wiederum zweitbester deutscher Fahrer geworden. Auch da war es Heinz Rosner auf der Werks-MZ, der best platzierter Deutscher war und diesmal sogar auf Rang zwei einkam.

Irgendwie war dieser 68er Jahrgang am Sachsenring von einem günstigen Stern begleitet. Einer meiner eingangs erwähnten Freunde hatte gerade seine Wehrpflicht bei der damaligen "Nationalen Volksarmee" abzuleisten und es war ihm tatsächlich gelungen, gerade am Rennwochenende Wochenendurlaub zu bekommen, was in jener Zeit gar nicht so selbstverständlich war. Natürlich hatte er nicht die Zeit, sich erst seiner Armeeuniform zu entledigen. Mit viel Geschick gelang es ihm, das Eingangstor zum Fahrerlager zu passieren und schnell hatte er auch Karl Hoppe und mich in dessen Zelt gefunden. Oh je, in Uniform der "Nationalen Volksarmee" im Zelt des "Klassenfeindes" - das konnte nicht gut gehen. So war es denn auch. Innerhalb weniger Minuten wurde er von der allgegenwärtigen Staatssicherheit zum mitkommen aufgefordert. Mir, der ich um das System wusste, fuhr der Schreck in alle Glieder, der "Klassenfeind" hingegen konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Um so grösser war dann nach etwa 20 Minuten die Erleichterung, als der "Soldat des Volkes" wieder vor uns stand. Man hatte es bei einer ausführlichen Aufklärung über den "Klassenfeind" und bei der Aufforderung zum Verlassen des Fahrerlagers  bewenden lassen. Kurz danach war er wieder da - in Zivilkleidung, versteht sich und natürlich ohne "Zivilerlaubnis". Die Staatssicherheit erkannte ihn nun nicht mehr, oder wollte ihn nicht erkennen. Es gab es also doch, das "menschliche Antlitz des Sozialismus", denn es war auch nie eine Meldung an die entsprechende Armeeeinheit erfolgt.
Mechaniker und Fahrer in Personalunion...
...auch schon 10 Jahre vorher


Auf geht´s - Sachsenring 1970
Schon lange vor dem Sachsenring-GP war meinerseits für 1968 ein Besuch des GP in Brno geplant. Die Strecke hatte 1965 WM-Status erhalten und war für uns die einzige Möglichkeit, einen zweiten GP im Jahr zu sehen. Natürlich war die Freude vollkommen, als Karl Hoppe offerierte, dass er ebenfalls eine Woche nach dem Rennen am  Sachsenring in Brno an den Start gehen werde. Zwei GPs hintereinander und wiederum in Gesellschaft von Karl Hoppe - meine Freude war unbeschreiblich. Es wurde dann auch das erhoffte grossartige Wochenende.
Als Höhepunkt war natürlich der fünfte Rang in der 350 cc Klasse zu werten, diesmal vor seinem "Dauerrivalen", dem Engländer Billie Nelson. Für diese tolle Fahrt gab es
für Karl Hoppe die ersten WM-Punkte seiner Karriere.
Dazu muss gesagt werden, dass bis 1968 nur die jeweils ersten Sechs eines Rennens mit WM-Punkten belohnt wurden.


Er beherrschte selbst die schwierig zu fahrende URS


Sachsenring 1970 - in der Queckenbergkurve

Im darauffolgenden Jahr 1969 konnte Karl Hoppe leider nicht am Sachsenring starten, aber er hatte in dem Jahr beim GP auf dem Hockenheimring für Furore gesorgt, als er mit der schwierig zu fahrenden URS beim 500er Rennen das beste WM-Ergebnis seiner Laufbahn erzielte - er wurde hinter Agostini mit der Werks-MV  toller Zweiter.
Beim jeweils am besten besetzten GP eines Jahres, der "Dutch-TT" in Assen, erzielte er dann auch noch in seiner "Lieblingsklasse", den 350ern, einen grossartigen vierten Platz.
Nach seiner Abstinenz beim Sachsenring 1969 war natürlich bei seinem Erscheinen 1970 die Wiedersehensfreude gross. Es wurden neuerlich für uns die tollen Renntage und keiner von uns ahnte bei der Verabschiedung, dass es das letzte mal für uns war, diesen grossartigen Fahrer und Menschen begegnet zu sein. Zuvor waren wir aber noch Augenzeuge eines tollen Zweikampfes über die gesamte Renndistanz mit dem Australier Jack Findlay. Nach der Zieldurchfahrt beglückwünschten sich die beiden und umarmten sich. Der inzwischen 35-jährige Haudegen Findlay hatte mit einer halben Motorradlänge Vorsprung gerade den sechsten Platz erreicht vor dem "jugendlichen 47-jährigen Hoppe" - das war Sport in Reinkultur!

Es fällt mir schwer, über die Person Karl Hoppe ein abschliessendes Wort zu finden. Waren es seine sieben deutschen Meistertitel, die ihn so unvergesslich machen oder waren es seine sieben Platzierungen in den Punkterängen der Motorradweltmeisterschaft oder waren es seine menschlichen Qualitäten - letztlich bin ich überzeugt, es war von allem etwas.
So manche "möchte-gern-Persönlichkeit" der heutigen Zeit sollte sich einmal die Biografie Hoppe vor Augen halten. Dann wüsste jener Personenkreis, was eine wirkliche Persönlichkeit ist.

Karl - die Freunde vom Sachsenring werden sich immer an Dich erinnern!



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