Ernst Hiller



29.11.1928 - 27.02.2008

6-facher Deutscher Meister

im Straßenrennsport

Es gibt Momente im Leben, von denen wünschte man sich, sie würden nie eintreten. Ein solcher Augenblick war der Abend des 27. Februar 2008, an dem man mir telefonisch mitteilte, Ernst Hiller sei verstorben. Ich habe den Anrufer bestimmt zwei- oder dreimal gesagt, daß das wohl ein Irrtum sein muß und dies nicht möglich sein kann. Zu frisch sind in mir noch die Erinnerungen vom Sommer 2007, als ich den vitalen Endsiebziger sowohl am Sachsenring als auch am Salzburgring die schweren Halbliterbrocken um die Strecken fahren sah. In mir hatte sich schon fest der Begriff eingeprägt: "Ernst der unzerstörbare" und dann das... Hiller Sachsenring 1957
Sofort hatte ich auch wieder das "Bild vor Augen", als vor über 50 Jahren, 1957, am Sachsenring ein junger Mann die Abfahrt am "Heiteren Blick" herunter gerollt kam und genau mir gegenüber seine Matchless abstellte. Das war mein erster bewußter Blick auf Ernst Hiller. Damals bewunderte ich wohl mehr die Ruhe und Gelassenheit dieses jungen Mannes, mit der er seinen Ausfall hingenommen hat, als den Rennfahrer Ernst Hiller, der erstmals 1957 Deutscher Meister wurde. In den beiden folgenden Jahren errang er erneut die Deutschen Meistertitel, ebenso 1962, alle auf BMW RS. Danach folgte eine längere Pause vom Renngeschehen, die bürgerliche Existenz hatte den Vorrang erhalten.
Hiller Sachsenring 1958 Auf dem rechten Bild sehen wir Ernst Hiller 1958, mit der Nummer 1 des Deutschen Meisters.
Als er 1970, nach sechsjähriger Rennabstinenz und bereits 41-jährig, ein Angebot erhielt, die neue Halblitermaschine von Kawasaki zu fahren, konnte er nicht nein sagen, mit dem Ergebnis, daß er sowohl 1970 als auch 1972 erneut Deutscher Meister der Halbliterklasse wurde - der Rennbazillus hatte erneut von ihm Besitz ergriffen.
Auf den beiden Fotos unten sehen wir Ernst Hiller mit der BMW 1959 am Sachsenring (rechts) und mit der Kawasaki 1970 (beide Fotos von Günter Geyler).

Leider reicht mir an dieser Stelle der Platz nicht aus, um alle die Verdienste und Erfolge eines untadeligen Sportmannes und exzellenten Rennfahrers zu schildern. Auch auf seinen Sohn Reinhard hatte das "Rennfieber" übergegriffen. So stellt es eine Einmaligkeit dar, daß 1973 beim Weltmeisterschaftslauf in Hockenheim beide im Halbliterrennen starteten und Vater und Sohn in den Punkterängen landeten: Ernst belegte den dritten Rang und Reinhard wurde Sechster im gleichen Rennen.
Bei den verschiedensten Oldtimer-Veranstaltungen der vergangenen Jahre waren die Hillers denn auch überall gern gesehene Gäste. Wenn wir auch Ernst bei den Oldies sehr vermissen werden, er wird ewig bei allen Rennsportfreunden weiterleben und ich hoffe, Sohn Reinhard wird die "Hillersche Tradition" im Sinne seines Vaters weiterführen.
Lieber Ernst - ruhe in Frieden
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