Wie sagt man doch so oft:"...für den Erfolg im Leben muss man eben manchmal im richtigen Moment an der richtigen Stelle sein. Diese alte "Volksweisheit" hat für den am 30.Mai 1927 in Augsburg geborenen dreifachen Motorradweltmeister

Werner Haas

eine ganz besondere Bedeutung, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn, wie Sie im Verlauf dieser kurzen Biografie noch lesen werden.

Nach dem Wille seines Großvaters, welcher in Augsburg eine Bäckerei betrieb, sollte Werner eigentlich das ehrsame Handwerk eines Bäckers erlernen. Allerdings hatte "Klein-Werner" diesbezüglich keinerlei Ambitionen. Anstatt sich um die Pflege des Sauerteigs zu kümmern, interessierten ihn technische Dinge weitaus mehr. Als logische Konsequenz Werner Haas machte er nach dem Ende seiner Schulzeit eine Autowerkstatt "unsicher", wo er neben seinen Pflichten auch seinen Neigungen nachgehen konnte. Seine erste Neigung war ein motorradähnliches Gefährt, wofür er sein gesamtes Vermögen in Höhe von 5 Reichsmark investieren musste. So wie andere Jugendliche in dem Alter ihre Hobbys wechselten, zum Beispiel vom Briefmarken sammeln über Zierfische züchten bis zum Fußball spielen, wechselte der Augsburger nur seine fahrbaren Untersätze, blieb aber bei den Zweirädrigen. Eingeweihte erinnern sich, dass die Zahl von 15 unterschiedlichen fahrbaren Untersätzen für den Augsburger nicht zu hoch gegriffen ist. Alle diese Gefährte hatten aber einen Nachteil: sie waren schlicht und einfach zu langsam.
1949 war es dann so weit. Er hatte sich eine Halbliter NSU SS besorgt, die er entsprechend seinen Möglichkeiten auf Vordermann brachte und sich mit dieser Maschine als Ausweisfahrer beim Rundstreckenrennen in München-Riem  als Starter eintrug. Als er dann das Rennen sogar als Dritter beenden konnte, war er "unheilbar" vom Rennbazillus infiziert. Er startete bei vielen der in dieser Zeit in Bayern stattfindenden Rennen, sei es in Ingolstadt, Schweinfurt, Penzberg oder Traunstein, um nur einige der damaligen "Rennstrecken" zu nennen, die eigentlich nur abgesperrte und notdürftig gesicherten Straßen waren. Wegen seiner bei diesen Rennen errungenen Siege und Platzierungen erhielt er für 1952 die Fahrerlizenz und durfte sich fortan auf "richtigen" Rennstrecken, wie zum Beispiel in Dieburg oder auf dem Nürburgring, sowie in Schotten, mit den damaligen Größen der Zunft messen.

Als dann erstmals nach dem Krieg auf der Solitude in Stuttgart ein Weltmeisterschaftslauf ausgetragen wurde, kam die große Stunde des Werner Haas. Jetzt kam die eingangs getroffene Feststellung zum Tragen, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein ist oftmals die Grundlage für den Erfolg. Werner Haas am Start
NSU, welche sich werksseitig an der Weltmeisterschaft beteiligten, hatten sich natürlich besonders für den Heim - Grand - Prix viel vorgenommen und waren mit einem Großaufgebot an Fahrern und Maschinen erschienen. Keine Frage, die nach oben zeigende Tendenz in den Klassen bis 125 cc und 250 cc sollte bestätigt,  und wenn möglich, vor heimischen Publikum mit guten Plätzen realisiert werden. Das Vorhaben war schwierig genug, hatten doch die in der WM führenden italienischen Werke von Mondial mit Vorjahresweltmeister Carlo Ubbiali, MV-Agusta mit dem aktuellen WM-Führenden Cecil Sandford und Morini mit Luigi Zinzani ihr bestes Personal zur Solitude geschickt. Dieser Konkurrenz sollte, nein musste sich NSU in der 125er Klasse stellen. Doch welch ein Schreck für die NSU-Verantwortlichen, als der Streckensprecher kurz nach Trainingsbeginn vermeldete: Wilhelm Hofmann und der für die Neckarsulmer startende Italiener Roberto Colombo sind beide gestürzt und können nicht am Rennen teilnehmen. Große Aufregung herrschte nun im NSU-Rennteam. Dann machte plötzlich eine Empfehlung die Runde: Eugen K. Schwarz, ein bekannter Motorsport - Journalist hatte die Idee, den aufstrebenden und auf einer privaten Puch genannten Werner Haas zu fragen, ob er eventuell eine der Werksmaschinen fahren möchte. Selbstverständlich wollte der Augsburger, denn wann bekommt man schon einmal ein Angebot für eine Werksmaschine. Natürlich war erst einmal alles fremd für Haas. Doch schon nach relativ kurzer Eingewöhnung konnten die NSU-Männer sein außergewöhnliches Talent erkennen. Die Situation war zumindest vorerst einmal gerettet, auch wenn mit vorderen Plätzen für das Rennen wohl nicht zu rechnen war. ¨ber die Einmaligkeit seiner Chance war sich wohl auch Werner Haas bewusst, denn was er dann, zur Freude der NSU-Bosse und natürlich zu seiner eigenen Freude, am Renntag geboten hat versetzte die zahlreichen Zuschauer in Entzücken und veranlasste sie zu wahren Begeisterungsstürmen.
Den Vorjahresweltmeister Ubbiali distanzierte er im Ziel um 0,7 Sekunden und der in der WM Führende und Sieger der beiden voran gegangenen WM-Rennen auf der Isle of Man und in Assen, der Engländer Cecil Sandford, lag im Ziel gar über 13 Sekunden hinter Haas. Wie sagt man so schön: ein Star war geboren. Keine Frage, der Augsburger erhielt natürlich einen Werksvertrag und durfte im nächsten WM-Rennen, für das NSU genannt hatte, in der Höhle des Löwen im italienischen Monza sogar in der 250er Klasse für die Neckarsulmer antreten. Dabei unterlag er bei Zeitgleichheit nur durch Fotofinish dem italienischen Moto-Guzzi Werksfahrer Enrico Lorenzetti, der sich damit auch den Weltmeistertitel für das Jahr 1952 sicherte.

Über das Renngeschehen der Jahre 1953 und 1954, als der Augsburger Doppelweltmeister (1953) und im darauf folgenden Jahr erneut Weltmeister in der 250er Klasse wurde, ist in vielen Publikationen bereits ausführlich berichtet worden und ich möchte deshalb hier nicht näher darauf eingehen. Vielleicht sollte ich den Besuchern meiner Seite dazu das interessante Buch: NSU, der Weg zur Motorrad - Weltmeisterschaft, von Jürgen Nöll und Wolfgang Schneider, nahe legen.
Fakt ist und bleibt: Werner Haas war der erste deutsche Motorradweltmeister und mit 3 WM-Titeln und 11 Grand Prix Siegen einer der erfolgreichsten deutschen Motorradrennfahrer in der WM-Geschichte. Sein Name ist auch untrennbar mit der Marke NSU wie auch mit der Stadt Augsburg verbunden, die ihm zu Ehren einer Straße seinen Name gab. Auch ein Augsburger Autohaus, geführt von seinem Neffe Elmar Haas, führt den Name von Werner Haas in der offiziellen Geschäftsbezeichnung.

Fotos: AW Herzog, Augsburg

Als NSU nach Ablauf der Saison 1954 seinen Rückzug vom Rennsport bekannt gab, endete auch die Rennfahrerkarriere von Werner Haas. Leider ist es mir nicht gelungen heraus zu finden, warum er nicht, wie zum Beispiel HP Müller, seine Karriere als Privatier fortgesetzt hat. Immerhin wurde HP Müller 1955 als Privatier noch Weltmeister, auf einer der als für Privatiers käuflichen NSU-Sportmax.
Ein regelrechter Schock erfasste dann alle deutschen Rennsportfreunde, als am 13. November 1956 in allen Medien die traurige Nachricht verbreitet wurde: der dreifache Motorradweltmeister Werner Haas ist in der Nähe von Neuburg/Donau beim Absturz mit einem Sportflugzeug ums Leben gekommen. Die Maschine des Typs "Jodel Bebe" war das erste in Deutschland gebaute und zugelassene Motorflugzeug und hatte das Kennzeichen D-EBOG. Der Erbauer war Karl Heinz Nietzsche aus Eggweil, auch bekannt unter "der Jodel Pabst". Jetzt greift leider die eingangs zitierte "alte Volksweisheit" in ihrem negativen Sinn: Werner Haas war für diesmal zur falschen Zeit am falschen Ort.
Werner Haas - alle echten deutschen Motorsportfreunde werden Dich für immer in Erinnerung behalten.

zurück 30.10.2009