Viel wird in der heutigen Rennsportszene von den Bradls, Corteses, Heidolfs u. a. gesprochen. Manchmal erinnert man sich auch noch an die Helden der siebziger, sechziger oder gar fünfziger Jahre. Doch wer erinnert sich noch an die Stars der Vor- und Nachkriegszeit, die weltweit - durch ihre sportlichen Erfolge - hohe Achtung genossen und so gar nicht Star im heutigen Sinne waren. Einer aus dieser Kategorie war der legendäre

Heiner Fleischmann

Am 2. Februar 1914 in Amberg geboren, kam Heiner Fleischmann, nach Absolvierung einer Mechanikerlehre, durch seinen älteren Bruder Toni zum Rennsport. Toni war in jenen Tagen selbst ein relativ bekannter Rennfahrer und arbeitete in den Nürnberger Triumph-Werken. Nach Heiners Lehrabschluss holte Toni ihn zu sich zu Triumph. Nach einem Jahr erhielt Toni ein Angebot aus Neckarsulm von NSU, welches er annahm. Auch dorthin nahm er seinen kleinen Bruder mit.
Heiner, dessen Interesse an Rennmotorrädern schon seit seiner Kindheit bestand und natürlich durch Bruder Toni unterstützt wurde, bekam bei NSU bald Kontakt zu den schnellen Zweirädern. Auf der Einfahrbahn machte er praktisch seine ersten Rennversuche. Das beeindruckte Bruder Toni so sehr, dass beide gemeinsam beschlossen, eine 350 cc Maschine für Heiner fertig zu machen.
Zuvor hatte er so nebenher noch eine Goldmedaille bei der 2000 Kilometer Fahrt durch Deutschland errungen.
Mit der inzwischen fertig gestellten 350 cc Rennmaschine hatt Heiner erstmals für das am letzten Sonntag im September stattfindende Hamburger Stadtparkrennen genannt. Dabei tat er dieses sein erstes Rennen in der Ausweisklasse nicht nur gewinnen, sondern er fuhr auch noch einen grossen Vorsprung heraus.

Ganz schick mit Hut und Anzug
hier mit Bruder Toni


In der Ruhe liegt die Kraft
Freude und Entspannung beim Fischen
NSU wurde seinerzeit von Fritz von Falkenhayn geführt, der dem Sport sehr zugetan war. Dadurch war ihm auch gleich Heiner Fleischmann´s Talent für die schnellen Maschinen aufgefallen und er bot dem jungen Fleischmann einen Fabrikvertrag an.
Mit der Saison 1936 begann dann der unaufhaltsame Aufstieg des Ambergers. Er gewann die Deutsche Meisterschaft in der Klasse bis 350 ccm und erreichte noch einige Achtungserfolge in der Halbliterklasse. Im darauf folgenden Jahr 1937 verteidigte er seinen Meistertitel in der 350 ccm Klasse mit Erfolg. Bei zehn grossen deutschen Rennen fuhr er bei den 350ern acht Siege ein und noch zwei weitere Siege in der Halbliterklasse. Damit galt er als erfolgreichster Fahrer des Jahres.
1938 setzte NSU eine völlige Neukonstruktion ein, die während der gesamten Saison unter "Kinderkrankheiten" litt. Somit langte es für Fleischmann in dem Jahr "nur" zum "Deutschen Vizemeister" in der 350er Klasse. Deutscher Meister wurde Walfried Winkler auf einer DKW. Von der Zuverlässigkeit und Schnelligkeit der Zschopauer Maschine war Fleischmann derart beeindruckt, dass er 1939 bei DKW "anheuerte". Eine richtige Entscheidung, wie sich nach der Saison erweisen sollte.

Um es gleich vorweg zu nehmen,

1939 wurde das erfolgreichste Jahr in Heiner Fleischmann´s Karriere.

Sein Hauptinteresse galt in erster Linie der Europameisterschaftin der 350 ccm Klasse. Das entsprach praktisch der heutigen Weltmeisterschaft. Durch Siege bei den Grossen Preisen von Frankreich und Schweden, sowie dritten Plätzen bei den Grossen Preisen von Europa und Holland, sowie der TT auf der Isle of Man, war Fleischmann punktgleich mit dem Engländer Ted Mellors auf einer Velocette zum letzten Rennen nach Irland gereist. Dort fand der Ulster Grand Prix statt, der die Entscheidung über den Europameistertitel bringen sollte. Anfänglich sah es nicht gut aus, denn Mellors führte überlegen das Rennen an, vor dessen Markengefährten Stanley Woods. Beide gestarteten DKWs unter Fleischmann und Wünsche hatten etwas den Anschluss verpasst. Durch einen kürzeren Tankaufenthalt ging Woods dann an Mellors vorbei. Das war für den Titelkampf allerdings unbedeutend, denn Mellors reichte eine Platzierung vor Fleischmann zum Titelgewinn. Als jedoch Mellors in der letzten Runde ausfiel, war der Weg für Fleischmann frei. Er erreichte im Rennen noch den zweiten Rang, der ihm letztlich den Europameistertitel mit 4 Punkten Vorsprung sicherte - da es in jenen Tagen noch keine Weltmeisterschaft gab, entsprach dies in etwa dem heutigen Weltmeistertitel. Auf dem Foto von links: Walfried Winkler, Walter Hamelehle, Heiner Fleischmann, Bernhard Petruschke und Ewald Kluge.
So ganz nebenher erreichte er auch noch seinen dritten deutschen Meistertitel. Durch den zweiten Weltkrieg wurde seine so erfolgreiche Karriere leider unterbrochen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gab es zunächst andere Sorgen als an Motorsport zu denken. Man war froh, den unsäglich Krieg überhaupt einigermassen heil überstanden zu haben. Doch lange hielt diese Phase nicht an. Die alten Kämpen um "Schorsch" Meier, "Sissy" Wünsche, "HP" Müller, Ewald Kluge, "Wiggerl" Kraus, Kurt Mansfeld, um nur einige zu nennen, und natürlich auch Heiner Fleischmann, stöberten in allen Ecken und Winkeln herum, um aus den gefundenen Teilen sich halbwegs brauchbare Rennuntersätze zu basteln. Die Zuschauerzahlen an den Rennstrecken zeigten, trotz aller Probleme der Bevölkerung, Rennsport war wieder gefragt.
Leider war deutschen Fahrern als Folge des Krieges von der FIM der Zugang zu internationalen Veranstaltungen bis 1951 verwehrt und ausländische Fahrer durften auch nicht bei deutschen Veranstaltungen starten. Zusätzlich gab es noch unterschiedliche Regularien. Während man international Kompressormaschinen, respektive aufgeladene Motoren verboten hatte, waren diese in Deutschland noch erlaubt.




1948 (Foto oben)

Heiner Fleischmann

1950 (Foto unten)




Wie schon oben erwähnt, gehörte auch Heiner Fleischmann zu den alten Kämpen, welche relativ bald in den Nachkriegsjahren ihr Herz für den geliebten Rennsport wieder neu entdeckt hatten. 1950 errang er auf einer 350 ccm NSU seinen vierten deutschen Meistertitel. Ältere Sachsenringbesucher erinnern sich noch gerne an die Veranstaltung 1950. Erstens gab es in dem Jahr den absoluten Zuschauerrekord auf diesem Kurs, zweitens fand dort - trotz schon vorhandener unterschiedlicher politischer Machtstrukturen, ein gesamtdeutscher Meisterschaftslauf statt und drittens waren praktisch alle deutschen Stars jener Tage zu bewundern.
Heiner Fleischmann startete in den Klassen bis 350 und 500 ccm.In der 350 ccm Klasse konnte er bei einem Sieg die Führung in der deutschen Meisterschaft übernehmen, die bis dato Rudi Knees, der gebürtige Ostpreuße, inne hatte. Das Unternehmen "Deutsche Meisterschaft" endete für Fleischmann mit einem Sieg vor "Sissy" Wünsche und praktisch seinen vierten Titelgewinn. Mit Spannung wurde in der Halbliterklasse der Zweikampf BMW gegen NSU; sprich "Schorsch" Meier gegen Fleischmann erwartet. Während der Münchner Meier wohl mehr an seinen Meistertitel dachte und einen sicheren zweiten Platz vor "Wiggerl" Kraus und dem jungen Walter Zeller, nach Hause brachte, fuhr der Amberger Fleischmann mit der übergewichtigen NSU wie entfesselt und landete als klarer Sieger auf dem Podest. Sein dabei aufgestellter Rundenrekord wurde erst 5 Jahre später vom Hammerauer Walter Zeller mit einer Saugmotoren-BMW verbessert.
Leider brachte die Entwicklung neuer, dem internationalen Reglement angepasster Motoren von NSU in den schweren Klassen nicht den erhofften Erfolg. So konzentrierte man sich in Neckarsulm mehr auf die kleineren Hubraumklassen. Der Erfolg mit vier WM-Titeln in den Jahren 1953 und 1954 gab ihnen recht.
Für Fleischmann bedeutete das das Ende seiner Karriere.
So schnell wie des Ambergers Karriere begann, so plötzlich und frühzeitig endete leider auch sein Leben. Heiner Fleischmann verstarb am 1.Weihnachtsfeiertag 1963, nur reichlich einen Monat vor seinem 50. Geburtstag, an einem Kehlkopfleiden.
Seinen Platz in den deutschen und internationalen Rennsportgeschichtsbüchern hat sich der Mensch und Rennfahrer Heiner Fleischmann redlich verdient.

Fleischmann´s frühere bürgerliche Existenz Friedrich Hillebrand zurück