Klaus Enderlein


05.11.1936 - 13.12.1995





Klaus Enderlein 1967 am Sachsenring (Foto oben) und am Start zum Interrennen in Horice (Foto rechts)

Nie hätte ich geglaubt, daß es so schwierig werden würde, eine Kurzbiografie über einen der zweifelsohne talentiertesten Fahrer der DDR - Rennsportgeschichte zu schreiben, nämlich Klaus Enderlein.
Da ich Klaus Enderlein nur als Fahrer, und zwar recht flotten Fahrer auf der Rennstrecke kannte und - leider - nie mit ihm ein Wort gewechselt hatte, war ich also auf Informationen von Dritten angewiesen. Erstaunlicherweise konnte oder wollte mir keine der angesprochenen Personen etwas über Klaus Enderlein berichten. So bin ich also gezwungen, mich auf nur ganz wenige Fakten zu beschränken. Der Sohn eines Försters kam, für heutige Verhältnisse, relativ spät zum Straßenrennsport.
Seine motorsportlichen Interessen lebte er anfänglich beim Skijöring aus. Doch bald hatten es ihm auch die Straßenrennen angetan. Wie üblich, diente er sich allmählich in der Ausweisklasse hoch. Als er durch glückliche Umstände 1961 eine ausgediente Werks - MZ erhielt, war es natürlich nicht verwunderlich, daß er damit die Ausweisklasse dominierte, denn über das entsprechende fahrerische Talent verfügte er ohnehin.
Gleich im ersten Jahr als Lizenzfahrer errang er auch den DDR - Meistertitel in der Viertelliterklasse. Allerdings waren "die echten Werksfahrer" von MZ nicht dabei, respektive sie beteiligten sich nur halbherzig an dieser Meisterschaft. Für MZ war natürlich eine Beteiligung auf der internationalen Bühne wichtiger, weil prestigeträchtiger. Aber auch die zahlreichen inländischen Talente mußten erst einmal besiegt werden. Ein fünfter Platz beim WM - Lauf am Sachsenring 1962 machte offensichtlich, mit Klaus Enderlein war in der Zukunft zu rechnen. Im genannten Rennen gelang Hans Fischer, auch eines der DDR - Talente, sogar ein Platz auf dem Siegerpodest, er wurde Dritter. Neben Fischer und Enderlein rechnete man für die Zukunft bei MZ noch mit den talentierten Dieter Krumpholz, Heinz Rosner (der sich wegen einer unbedachten Äußerung laut eigener Angabe für einige Zeit selbst elimimierte), Wolfgang Moses und ein paar weiteren Talenten. Es war klar, daß durch einige Privilegien (Fahrten zu internationalen Rennen in das Ausland), die dieser sogenannte "Reisekader" genoß, auch der Kampf um diese begehrten Plätze härter werden würde und möglicherweise auch das Mißtrauen untereinander gestiegen ist. So gibt Heinz Rosner auch unumwunden zu, daß er kein sonderlich gutes Verhältnis zu Dieter Krumpholz und Klaus Enderlein gehabt hat.
Eine der "besonderen Ehren für den Reisekader" bestand zum Beispiel auch darin, daß Klaus Enderlein und Werner Musiol im befreundeten Cuba Entwicklungsarbeit für den dortigen Motorsport leisten durften (Foto links). Dabei kam Werner Musiol entgegen, daß er der spanischen Sprache mächtig war, die er sich im mühseligen Studium angeeignet hatte.
Trauriger Höhepunkt des Jahres 1963 für Klaus Enderlein war ein tragischer Rennunfall im jugoslawischen Opatija. In den Sturz waren Hans Fischer, Wolfgang Moses und Klaus Enderlein verwickelt. Hans Fischer erlitt dabei eine üble Handverletzung, die praktisch das Aus seiner Rennfahrerkarriere bedeutete. Klaus Enderlein erlitt eine Kopfverletzung und er lag in einem Krankenhaus in Opatija zwei Wochen im Koma. Es brauchte zwar einige Zeit, aber Klaus Enderlein konnte seine Karriere glücklicherweise fortsetzen. Auf dem rechten Bild sehen wir ihn mit dem damaligen Suzuki - Werksfahrer Bert Schneider 1964 in Salzburg. Beim finnischen WM - Lauf belegte er damals als saisonalen Höhepunkt für ihn den fünften Platz in der Achtelliterklasse. Vor ihm konnten sich nur die drei Honda - Werksfahrer Taveri, Bryans und Redman platzieren, so wie der erwähnte Suzuki - Werksfahrer Bert Schneider. Mit einem sechsten Platz erhielt auch noch der von MZ eingesetzte Dieter Krumpholz einen WM - Zähler.
Das Jahr 1965 entwickelte sich für Klaus Enderlein zum erfolgreichsten und gleichzeitig auch traurigsten Jahr seiner Karriere. Doch der Reihe nach. Ein fünfter Platz im Frühjahr in Spanien war kein schlechter WM - Auftakt für ihn. Auch das Saisonende mit dem vierten Platz beim Grand Prix von Italien in Monza war mehr als beachtlich. Die persönliche Krönung erlebte er aber beim Ulster Grand Prix in Nordirland. Dort gelang es ihm, hinter dem "Klassenfeind" und Suzuki - Werksfahrer Ernst Degner den zweiten Platz zu belegen. Das bedeutete für ihn, daß er in der WM - Endwertung der Achtellitermaschinen 1965 einen exzellenten siebenten Platz belegt hatte. Beim Ulster GP konnte er sogar den von MZ verpflichteten Derek Woodman auf den dritten Rang verweisen.
Das erwähnte traurigste Jahr seiner Karriere war es deswegen, weil seitens MZ durchgesickert war, daß man sich bei den Rennaktivitäten, nicht zuletzt aus Kostengründen, einzuschränken gedachte und ab 1966, neben Derek Woodman, nur noch einen Werksfahrer über die gesamte Saison zu unterstützen gedachte. Zwar sollte er als "Klubfahrer" noch einige Unterstützung erhalten, aber als Werksfahrer hatte man seitens der Zschopauer an Heinz Rosner gedacht, den man inzwischen wegen seiner früheren Äußerung und vom damals verhängten Werksboykott rehabilitiert hatte. Obwohl Klaus Enderlein beim Grand Prix auf dem Sachsenring 1967 noch einmal einen hervorragenden vierten Platz in der 125 cc Klasse erreichte, das eigentliche Ende seiner erfolgversprechenden Karriere war nach 1965. Auch wenn er bis 1970 weiterhin Rennen gefahren hat, die nach 1965 erfolgte schlechte Materiallieferung und seiner Meinung nach schlechte Betreuung und Unterstützung hat er wohl nicht verdient gehabt. Seine fahrerischen Qualitäten jedenfalls wurden von allen von mir befragten Personen als sehr gut dargestellt.
1971 eröffnete Klaus Enderlein dann ein Taxigeschäft und zog sich ziemlich abrupt aus der Rennszene zurück. Leider verstarb er überraschend am 13. Dezember 1995. Daß der Name Enderlein sehr viel mit Tempo und Geschwindigkeit zu tun hatte, zeigte auch seine Schwester Ortrun, die zweifache Weltmeisterin im Rennrodeln der Damen wurde und noch dazu in dieser Disziplin einmal Gold bei Olympia gewonnen hat.
Anläßlich des 78. Geburtstages, den Klaus Enderlein am 5. November 2014 gefeiert hätte, werden sich sicher viele Rennsportfreunde seiner erinnern.
Das Copyright der Fotos liegt bei Günter Geyler, Werner Rehwagen, Frank Bischoff und Steffen Enderlein. Vielen Dank dafür. Bitte besuchen Sie auch meinen Bericht über Werner Musiol, der auch ein wenig die seinerzeitige Rennszene zu beleuchten versucht.
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