WappenWer sich ein wenig mit der Geschichte des Motorradrennsports beschäftigt, dem wird sicherlich aufgefallen sein, daß es gewisse Regionen gibt, in denen man gehäuft Rennfahrer, ehemalige und heutige, vorfindet. Als eine solche Region kann man durchaus das Gebiet rund um die Burg Hohenzollern betrachten, mit dem Zentrum Hechingen. Von einen der Rennfahrer dieser Region möchte ich in wenigen Worten berichten, da sich sein Todestag am 13. Juni zum 45sten mal jährt und als Deutscher Meister des Jahres 1952 durchaus als erfolgreich bezeichnet werden darf. Es geht hier um

Otto Daiker

der am 17. September 1911 in der rund 1300-Seelen Gemeinde Boll (Wappen oben) geboren wurde, welche seit 1972 zur Stadt Hechingen gehört.

Otto Daiker´s Vater betrieb in Boll einen Viehhandel, was aber nicht so recht den Interessen seines Filius entsprach. Statt für Vieh interessierte sich der aufgeweckte Junior eher für Technik und Mechanik und alles, was man damit in Zusammenhang bringen konnte. So begann Otto nach der Schule bei einer ortsansässigen Firma eine Mechanikerlehre, welche er aber erstmal nicht abschließen konnte - sein Lehrbetrieb war Pleite gegangen. Otto

Jetzt erhielt Otto Hilfe von Christian Burkhardt. Wer das ist werden Sie fragen? Herr Burkhardt war der Obermeister der damaligen Mechanikerinnung in Hechingen. Hier konnte Otto Daiker dann seine Lehre beenden. Indirekt kommt es auch zu einer Verbindung zum Rennsport. Herr Burkhardt war der Vater von Horst Burkhardt, dem späteren Vizeweltmeister, mit Fritz Scheidegger, in der Seitenwagenklasse.

Seine beruflichen Kenntnisse nutzte er dann bei seinem Einstieg zum Zweiradsport. 1935 wurde er Dritter beim Freiburger Bergrekord und nach bereits 3 Rennen bekam er seine Rennlizenz. Er maß sich fortan mit den rennerprobten "alten Hasen" und mußte bald feststellen, mit seiner alten Rudge das wird nix. Da half alles Draufgängertum nichts. Für 1938 beschaffte er sich eine DKW, mit der er auch gleich Sieger in Wachenburg und beim Dreifaltigkeitsrennen wurde. Höheren orts hatte er nun das Interesse auf sich gezogen und aus dem kleinen Otto wurde zu dieser Zeit einer der besten Privatfahrer. Doch dann kam der Krieg... OttoKaum war der Krieg vorbei, zog es ihn wieder auf die Rennpisten. Daiker - Stuttgart, er war noch vor dem Krieg in die Landeshaupstadt gezogen, wurde zu einem Begriff an allen Rennpisten und es gab viele davon in jenen Tagen. So siegte er 1949 in Aachen, Karlsruhe und auf der Solitude. Ein Jahr später kamen dann zweite Plätze beim Eifel-Pokal-Rennen, auf der Eilenriede in Hannover, in Hamburg und auf dem Norisring hinzu. Nicht ganz unerwartet wurde er für 1951 in das NSU-Werksteam aufgenommen. Nachdem er die Fahrten mit einer Rennlambretta abgelehnt hatte ("...das ist kein richtiges Rennmotorrad"...), NSU-Teamwurde ihm eine "richtige" Rennfox offeriert.

Neben Siegen auf dem Norisring und dem Grenzlandring gab es noch zweite Plätze in Hockenheim und auf der Solitude. Das brachte ihm den Vizetitel in der Deutschen Meisterschaft. Nicht schlecht für einen damals bereits 40-jährigen. Doch ein Jahr danach sollte es noch besser für den "Oldie" kommen. Er gewann am Feldberg und in Schotten. Zusätzliche zweite Plätze beim Eifelrenen und auf der Eilenriede in Hannover brachten Otto die Krone in der Deutschen Meisterschaft der Achtelliterklasse. Ein zweiter Platz in der Endwertung der Viertelliterklasse rundete das exzellente Gesamtbild im Jahr 1952 ab.

OttoIn seinem letzten aktiven Jahr belegte er mit der "Fox" noch einen dritten Platz in Hockenheim. Auf der Solitude gewinnt er noch das Rennen der 250er und wird Zweiter mit der "Fox". Allerdings fand er auch, daß es langsam an der Zeit ist, sein Leder an den berühmten "Nagel" zu hängen, was er am Jahresende dann auch tat. Jüngere Piloten wie die legendären Werner Haas und Rupert Hollaus prägten fortan das Bild von NSU.

Nach seiner erfolgreichen Laufbahn war er dann bei BV Aral in verschiedenen Positionen bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1968 angestellt. Als am 13. Juni dann sein Herz aufgehört hat zu schlagen, hatte der Rennsport in Deutschland einen der Besten verloren. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in seiner Heimatstadt Hechingen beerdigt. Seine Grabstätte ist allerdings heute nicht mehr vorhanden.


Zum Schluß noch eine kleine Episode aus einer interessanten Karriere:
Selbstmord aus Symphatie
Am letzten Trainingstag beim Rennen "Rund um Neuwied" im Jahr 1949 kreiste eine junge Dame im Fahrerlager ständig um den mit seinem Motorrad beschäftigten Otto Daiker. Sie versuchte den Stuttgarter mit ihrer ganzen Schönheit zu beeinflussen. Dieser hatte aber mehr Gedanken für die noch nicht funktionierende Technik übrig als für irgend welche amourösen Abenteuer. Da halfen alle Symphatiebekundungen der Dame nichts. Die so verschmähte gab letztlich den Aweisenden zu verstehen, daß sie sich vor lauter Enttäuschung zum Renntag wohl vor seine Maschine werfen werde. Daiker, der mehr mit Kerzenbildern denn mit dem schönen Antlitz dieser jungen Frau beschäftigt war, ignorierte einfach diese "Drohung dieser Dame".
Die Berichte vom Renntag besagten dann, daß dieser ohne Zwischenfälle verlaufen ist.
Quelle: u.A. Rennfahrer und Rennmaschinen, Müller&Co, München 1953 zurück