Hermann Böhm

Text: Günter Geyler
Fotos: Archiv Geyler


Der am 14. Mai 1916 in Nürnberg geborene Hermann Böhm begann seine Rennfahrerlaufbahn 1934 als Beifahrer von Europameister Hans Schumann im NSU-Gespann. Seit 1936 saß er nicht mehr im Beiwagen, sondern lenkte selbst die Seitenwagenmaschine. Vor dem Zweiten Weltkrieg siegte Hermann Böhm mit seinem NSU-Gespann 1936 beim Wartberg-Rennen, 1937 gewann er in Schleiz und Schotten und holte mehrere zweite Plätze. Als 1938 der Seitenwagen-Rennsport aufgrund schlimmer Unfälle verboten wurde, fuhr der Bayer Solo-Rennen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – es gab wieder Seitenwagenrennen – fuhr er vorerst auf der Sandbahn. 1947 und 1948 erkämpfte Hermann Böhm die Deutsche Meisterschaft (1947 in der Gespannklasse bis 600 und 1200 ccm, 1948 in der Gespannklasse bis 600 ccm. 1950 war das Nürnberger Gespann Hermann Böhm mit Karl Fuchs, der schon 1947 im Beiwagen turnte, auf der Kompressor-NSU bei den Motorrädern mit Seitenwagen in der Klasse bis 600 ccm haushoher Favorit. Die gewichtigen Männer in ihren himmelblauen Overalls fuhren sechs Siege ein: Sie gewannen auf der Eilenriede bei Hannover, in Hockenheim, auf der Nordschleife des Nürburgrings, auf dem Schleizer Dreieck, in Hohenstein-Ernstthal und im Hamburger Stadtpark. Nur beim Rennen Rund um Schotten wurden sie von ihren BMW-Rivalen Klankermeier – Wolz auf den zweiten Platz verwiesen, und im Nürnberger DM-Endlauf mussten sie ihre heimatlichen Anhänger enttäuschen, als sie infolge Getriebeschadens den Lauf vorzeitig beendeten.

Ein Jahr später fuhr Hermann Böhm mit Beifahrer Höller auf der neuen 500er Saugmotor-Maschine von NSU, die aber leider zu viele „Kinderkrankheiten“ zeigte. (NSU musste sich ab 1951 dem internationalen Saugmotor-Reglement anpassen). Es gab wiederholt Ausfälle mit dem Vierzylinder-Apparat. Lediglich in Hannover holten die beiden einen zweiten Platz. Ende Oktober 1951 fuhr Böhm auf der Autobahn bei München mit dem NSU-Gespann mit Kompressormotor (bei Rekordfahrten durften weiterhin aufgeladene Triebwerke eingesetzt werden) in der Klasse bis 500 ccm mit 248 km/h über einen Kilometer mit fliegendem Start einen absoluten Weltrekord und war damit für einige Jahre der schnellste Seitenwagenfahrer der Welt. 14 Weltrekorde gingen insgesamt auf sein Konto. Diese Rekorde fuhr er ohne Beifahrer, sondern nur mit Bleiplatten, die das Gewicht des „Schmiermaxen“ ausglichen. Ab 1952 widmete sich NSU werksseitig nur noch den Soloklassen bis 125 und 250 ccm. Hermann Böhm ging daraufhin mit seinem früheren Beifahrer Karl Fuchs auf einem Norton-Gespann an den Start. Mit einem Sieg im Eifelrennen auf dem Nürburgring und einigen weiteren vorderen Plätzen belegten die Nürnberger hinter dem BMW-Gespann Eberlein - Sauer den zweiten Rang in der Deutschen Meisterschaft 1952. Beinahe hätte es noch zu einem weiteren Titel gereicht, doch leider gab die Norton beim Endlauf auf dem Hamburger Stadtpark-Kurs ihren Geist auf.

Am Ende der Saison 1952 trat der erfolgreiche und beliebte Motorsportler vom aktiven Rennsport zurück. Für seine Verdienste als Rennfahrer erhielt er vom Bundespräsidenten die höchste Sportauszeichnung, das „Silberne Lorbeerblatt“. In seiner Heimatstadt Nürnberg verstarb Hermann Böhm am 22. Februar 1983 im Alter von 66 Jahren.

Alle Bilder zeigen Hermann Böhm mit Beifahrer Karl Fuchs, beide Deutschland

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