Als ich heute eine Nachricht per E-mail erhielt, war mein erster Gedanke, da muß doch ein Fluch über der Seitenwagenklasse des Jahres 2007 liegen: am Neujahrstag war der Österreicher Herbert Prügl verstorben, dann folgte Wolfgang Kalauch. Diese Woche ging zuerst der Australier Bob Mitchell von uns und nun

Georg Auerbacher

(auf dem Foto sehen wir ihn links, zusammen mit Heinz Luthringshauser, beim Grand Prix 1971 in Brno).
Begonnen hatte der am 27. Dezember 1934 in Bad Wörishofen - die Kur- und Kneippstadt - geborene Georg Auerbacher seine Rennsportkarriere in der Halbliter-Soloklasse 1957. Sehr bald tat er aber kund, dass die BMW für Solorennen ihm als völlig ungeeignet erschien. Dafür bewunderte er um so mehr Walter Zeller, der dieses für Soloeinsätze "total unbrauchbare Motorrad" auf der Isle of Man 1956 auf einen bewundernswerten vierten Platz ins Ziel gebracht hatte.
Nachdem der gelernte Möbel- und Kunsttischler drei Jahre zwischen Solo- und Sidecarrennen hin und her schwankte, entschied er sich ab 1961 komplett für die Seitenwagenklasse. Für sein ungewöhnliches Talent spricht die Tatsache, daß er bereits bei seiner ersten TT auf der Isle of Man 1962 einen hervorragenden sechsten Platz belegte. Der Bad Wörishofener war seiner bayrischen Heimat so sehr verbunden, daß er immer davon träumte, der erste bayrische Weltmeister auf einem bayrischen Fabrikat zu werden. Das Talent dazu hatte er, leider aber offenbar nicht die notwendige Unterstützung der Herren in der Münchner BMW-Zentrale. Eine unschätzbare bayrische Hilfe erhielt Georg Auerbacher trotzdem in Form eines exzellenten Mechanikers, Josef Ried, der nicht weit weg von Bad Wörishofen beheimatet war und dessen Dienste für Georg Auerbacher von unschätzbaren Wert waren. Es war dann 1967, als er in Barcelona seinen ersten GP-Sieg einfuhr - gleich zum Saisonauftakt - und als ernster Anwärter für den WM-Titel gehandelt wurde. Leider machte ihm auf der Isle of Man ein gebrochener Rahmen einen Strich durch seine Rechnung. Zu dem Zeitpunkt hatte er die schnellste Rennrunde erzielt und lag 30 Sekunden vor Siegfried Schauzu, dem späteren TT-Sieger. Weltmeister wurde übrigens in dem Jahr Klaus Enders, der den ersten seiner gesamt sechs WM-Titel erreichte. Für Georg Auerbacher reichte es am Saisonende zum Vizeweltmeister, wie auch 1968 und 1970.
Obgleich er die Eau Rouge Kurve im belgischen Spa-Francorchamps für die interessanteste aller Kurven hielt, als Strecke hatte es ihm die TT auf der Isle of Man besonders angetan. 1971 erreichte er dort auch eines seiner angestrebten Ziele, den Gewinn eines TT-Rennens. Allerdings geschah dies in der nicht zur Weltmeisterschaft zählenden 750 cc Klasse, nach dem er in dem Halbliterrennen sich als Zweiter ebenfalls achtbar geschlagen hatte, hinter Siegfried Schauzu, dem "König der TT-Rennen".
Leider wurde Georg Auerbacher seine Liebe zur TT - er erreichte 10 Replicas und 2 Trophäen für die schnellste Rennrunde - auch zu seinem Verhängnis. Beim Training 1972 blockierte am "13th Milestone" die Vorderbremse. Er konnte das schlingernde Gespann nicht mehr abfangen und wurde kopfüber abgeworfen. Während sein Passagier Peter Rutherford relativ glimpflich davon kam, erlitt Georg Auerbacher schwere Kopfverletzungen, von denen er sich nie komplett erholte und die das Ende seiner 15-jährigen Rennfahrerlaufbahn bedeuteten.
Durch einen tragischen Unfall endete am 14.03.2007 das Leben eines der größten Talente der Seitenwagenszene. In den Herzen aller Rennsportfreunde hat er für ewig seinen Platz gefunden.

Alle Fotos: Günter Geyler, 1971 beim GP in Brno mit Beifahrer Hermann Hahn

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