Jock, Benga und der Autor des Berichts

John Robert

"Jock" Taylor


Jock zeigt Interesse an Fotos von FBi



Der am 9. März 1954 im schottischen Pencaitland geborene "Jock" Taylor begann seine Karriere 1974 als Beifahrer von Ken Andrews. Auch wenn ihn bald die Rolle des Fahrers mehr reizte, so hatte er seine Beifahrerrolle nie bereut. "Es war für mich später sehr hilfreich, den Bewegungsablauf eines Passagiers in der Praxis kennengelernt zu haben", meinte er. Natürlich interessierte ihn auch die Vorgehensweise eines Fahrers und weil ihn das noch mehr Freude machte blieb er bei seinem Pilotenjob und wurde 1977 Schottischer Meister. amSo wertvoll für ihn der Titel war, er wollte sich aber mit den Besten der Welt messen. Auch interessierten ihn die Rennen auf der Isle of Man.

Bei so viel Arbeit und Zielen könnte man bei ihm, nach heutiger Ausdrucksweise, von Vollzeitjob sprechen. Trotz seiner lockeren Art, seine Ziele Weltmeister und TT-Sieger zu werden verlor er nie aus den Augen. Beim ersten TT-Start 1978 hatte er noch Kenny Arthur als Passagier im Beiwagen und in beiden Sidecar-Rennen erreichten sie Platz zwei, respektive Platz drei. Ein Jahr danach gab es leider Ausfälle. Ab 1978 beteiligte er sich auch in der Weltmeisterschaft. Ab 1979 hatte er mit dem kleinen Schweden Bengt-Göran Johansson den zu ihm passenden Passagier gefunden. Um alles finanziell "über die Runden" zu bringen, betätigte sich der Schwede auch noch als Solofahrer (siehe Foto) in amder Achtelliterklasse - mit einigem Erfolg. Mit Dennis Trollope hatte er auch seit einiger Zeit einen Sponsor mit im "Boot", der voll hinter den Zielen des Schotten stand.

Mit "Benga" im Seitenwagen gelang Jock 1979 in der schwedischen Heimat seines Beifahrers dann auch der erste Grand - Prix Sieg. Werner Schwärzel und Rolf Biland, der Weltmeister dieses Jahres, mussten auf der Strecke von Karlskoga die Leistung des aufstrebenden Schotten anerkennen. Das britisch-schwedische Gespann konnte also hoffnungsvoll in die Saison 1980 starten. Erinnerungsstücke 8 Läufe standen im Terminkalender, und es sei hier schon vermerkt, die Hälfte davon gewann der Schotte. Drei weitere Podesplätze und nur ein Ausfall bescherten Jock, Benga und ihrem Windle-Gespann die höchste Krone des Gespannsports, den Weltmeistertitel. Zusätzlich gewannen sie noch beide Rennen zur Tourist Trophy auf der Isle of Man. Ihr dabei aufgestellter Rundenrekord sollte dabei für die nächsten sieben Jahre Bestand haben.

amEs war natürlich klar, daß sich eine solche Saison wie 1980 kaum oder nur extrem schwer wiederholen lässt. Mit einem Sieg am Salzburgring fing es zwar erfolgversprechend an, aber im weiteren Saisonverlauf gewann der Schweizer Rolf Biland mit Kurt Waltisperg immer mehr die Oberhand. Am Saisonende wurde es dann letztlich noch ein dritter WM-Schlußrang, mit zwei Ausfällen, aber garniert mit sechs weiteren Podestplätzen.

"Nur" zwei Podesplätze in den ersten fünf Rennen, damit war praktisch auch das Jahr 1982 gelaufen. Biland gewann alle Rennen - wenn er ins Ziel kam, aber er kam nicht immer ins Ziel und ein Werner Schwärzel, der durch absolute Konstanz bestach. Der Deutsche mit seinem langjährigen Beifahrer Andreas Huber beendete alle Rennen auf den Podestplätzen zwei und drei und wurde am Ende Weltmeister 1982. Doch was war mit Jock? Der Titel war außer Reichweite, aber ein vorzeigbares Endergebnis im WM-Kampf sollte es schon noch werden. Ein Schotte gibt nicht auf, so das Motto von Jock. Also ging es ins finnische Imatra, gelegen an der Grenze zur damaligen Sowjetunion. Der ohnehin schon gefährliche Kurs wurde durch starken Regen noch gefährlicher. An dritter Stelle liegend, kam Jock durch Aquaplaning ins schleutern und streifte einen Telefonmast. Sein Beifahrer Benga wurde dabei aus dem Seitenwagen geschleutert und das Gespann überschlug sich. Jock kam unter dem Gespann zu liegen. Als ihn Streckenposten aus der mißlichen Lage befreien wollten, raste ein weiteres Gespann in die Unfallstelle. Jock, der nach seinem Unfall noch am Leben war, wurde auf diese tragische Weise getötet. Nicht nur in seiner schottischen Heimat wird er unvergessen bleiben.
© Fotos: Schröder, Autor, FBi


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