Bedauerlicherweise ist unsere Zeit ziemlich "vergesslich" geworden. Als sich 2005 der Todestag eines der besten Schweizer im Sidecar-Rennsport zum zehnten mal gejährt hatte, nahm die schnelllebige Zeitgeschichte keine Notiz davon.

Edgar Strub

aus Starrkirch / Olten in der Schweiz ist leider längst vergessen.
Mit Freude erinnere ich mich an das Jahr 1993, als ich das Vergnügen hatte, Edgar Strub und seine nette Frau in ihrer spanischen Wahlheimat nahe Alicante zu treffen. Wir unterhielten uns einen ganzen Tag lang über den Rennsport, seine Karriere und viele weiteren Dinge des Lebens.
Irgendwie fühlte ich mich geehrt, denn es schien mir eine Art Lebensbeichte des gesundheitlich angeschlagenen (er musste sich Insulin spritzen) zu sein. Dabei stellte ich fest, dass der für seine extremen Ansichten bekannte Oltener oftmals garnicht "weit weg war" von meiner Meinung und wir waren immerhin in zwei verschiedenen Welten aufgewachsen und auch vom Alter her klaffte eine Differenz von nahezu 26 Jahren zwischen uns.
Kurz und gut, Edgar Strub war, und das ist nicht nur meine Meinung, eine echte Persönlichkeit und kein "Angepasster", wie man sie heute massenweise antrifft. Seine Qualitäten als Fahrer waren dabei ohnehin - wie frühere Kollegen bestätigen - über jeden Zweifel erhaben.
Begonnen hatte er seine Straßenrennkarriere im "betagten" Alter von über 30 Jahren als Solofahrer in der 125 cc Klasse. Doch alsbald faszinierte ihn die Gespannszene, zumal es ja in der kleinen Schweiz sehr viele Vorbilder bei den "Dreirädrigen" gegeben hat. Namen wie Hans Haldemann, Hans Stärkle, Ferdinand Aubert, Hans Taveri (der Bruder von Luigi), Roland Benz, etc. waren auch ausserhalb des Landes als erstklassige Sidecarracer bekannt.
Keine Frage, mit denen wollte er sich messen. Was dabei allerdings verblüffte: viele der genannten waren gleichaltrig mit Strub oder nur relativ wenig älter als er. Während diese Kollegen allerdings langsam an das Ende der Karriere dachten, schickte sich der Mann aus Olten an, seine internationale Laufbahn zu starten. Es reizte ihn einfach, sich mit den Besten der Welt zu messen. Dazu zählten in jener Zeit die Engländer um Eric Oliver und Cyril Smith, die Deutschen mit Wilhelm Noll (er wird übrigens in wenigen Wochen 80), Friedrich Hillebrand, Willi Faust und Walter Schneider. Dann waren noch die Italiener um Ernesto Merlo und Albino Milani aus der "Milani-Dynastie" und zusätzlich tauchten auch noch einige Schweizer wie Florian Camathias und Fritz Scheidegger auf, die Seitenwagenszene "aufzumischen".
Eigentlich erstaunlich, wenn ein Mann um die 40 noch solchen Ehrgeiz entwickelt. Die Feststellung sei aber an dieser Stelle erlaubt: was war nicht ungewöhnlich an Edgar Strub´s Karriere? Auf meine Frage, warum er so viele Beifahrer hatte, antwortete er mir mit einer "entwaffnenden" Ehrlichkeit: "ich war einfach zu geizig und mir sind alle weggelaufen". Es klang aber trotzdem ein wenig Stolz mit in seiner Stimme wenn er meinte: "aus allen Beifahrern, die ihre Karriere bei mir begonnen haben, waren erfolgreiche Co-Piloten geworden". Namen wie Hilmar Cecco oder Horst Burkhardt bestätigen diese seine Aussage. Auch Claude Lambert, später selber als erfolgreicher Seitenwagenfahrer (6.WM-Rang 1962) unterwegs, hatte seine "Grundausbildung" im Seitenwagen von Edgar Strub - Foto oben im belgischen Mettet 1955.

...vor dem Start 1957 in Assen mit Mick Woollett (GB)... und beim erfolgreichen Rennen...
Wie das "WHO is WHO" des Rennsport schaut sich eine Liste der Beifahrer von Edgar Strub an, wie die beiden obigen Bilder zeigen. Da sehen wir oben links im Beiwagen Jo Siffert, der sich später einen Namen als Formel-1 Pilot gemacht hat. Oben rechts ist der bekannte australische Solofahrer Bob Brown im Beiwagen von Edgar Strub zu sehen, da wieder einmal ein geplanter Co-Pilot nicht angereist war. Beide drehten nur ein paar "Startgeldrunden". Ob sich das für den Australier "gelohnt" hat ist nicht verbrieft... Im Foto darüber sehen wir Strub mit dem Engländer Mick Woollett im Seitenwagen. Mit Woollett erreichte Strub seine ersten WM-Punkte mit einem vierten Platz in Assen. Der Schweizer schwelgte in den höchsten Tönen von Woollett: "ein sehr guter Co-Pilot und wohl der fähigste Journalist der mir begegnet ist". Aus Strub´s Mund war das wie die Verleihung des MBE (Member British Empire) an Mick Woollett - nur eben auf schweizer Art.
Als 1962 der charismatische Schweizer seine internationale Laufbahn beendete, konnte er sich immerhin über 13 Resultate bei Grand-Prix Rennen innerhalb der Punktewertung freuen, dabei 5 davon auf dem Podest. Nicht schlecht für einen "Spätstarter", wobei man dabei auch sehen muß, dass die Zahl der jährlichen WM-Rennen nicht so groß war wie in späteren Jahren.
Immerhin, ein 4.WM-Gesamtrang 1959, an dem Jo Siffert und der Deutsche Roland Föll beteiligt waren, sowie gar ein 3.WM-Schlußrang 1961, unter erneuter Beteiligung von Roland Föll und dazu vom Schweizer Kurt Huber - das kann sich doch wohl sehen lassen, wobei er mit Kurt Huber im Seitenwagen bei der Dutch-TT in Assen mit dem zweiten Platz sein bestes Einzelergebnis bei einem WM-Lauf erzielte.
Vielleicht tragen ja diese wenigen Zeilen dazu bei die Erinnerung wach zu halten an eine Persönlichkeit der Schweizer Rennsportgeschichte, der den Rennsport und seine Schweizer Heimat über alles liebte. In einem Brief an mich vom 4.1.1990 schrieb er mir:"...Die Liegenschaft habe ich in der Schweiz inseriert. Sie wissen ja, ich möchte wieder zurück, da ich hier (in Spanien) nie glücklich werde.... Mein Körper ist ausgebrannt + ich möchte in der Heimat sterben...(dem war leider letztlich nicht so)"
mein Dank geht an Claude Lambert für die Bereitstellung einiger toller Bilder

Edgar Strub´s WM-Resultate 24.01.2006 zurück