In dieser kleinen Biographie möchte ich einen Fahrer der Spitzenklasse vorstellen, dessen internationale Karriere zwar durch die Zweitaktspezialisten aus dem sächsischen Zschopau Fahrt aufnahm, der aber seine größten Erfolge in der gleichen Zeit als Privatfahrer feierte - er wurde während seiner Zugehörigkeit zum MZ-Werksteam zweimal Vizeweltmeister in der Halbliterklasse mit einer Matchless G50.

Alan Shepherd

*28.09.1935 - †16.07.2007

war dieser außergewöhnliche Fahrer von dem hier die Rede ist.

Wenn in jenen Tagen ein Fahrer die Freundschaft eines Bob McIntyre genießen konnte, dann mußte dieser Pilot schon über ungewöhnliche fahrerische und menschliche Qualitäten verfügen.
Eine interessante Geschichte trug sich beim Ulster GP 1960 in der 350cc Klasse zu. Eine sehr lange Zeit hielt sich Alan AJS im Windschatten von John Surtees und dessen MV auf. Power kontra Handling war die Devise und die Boxencrew des MV-Teams wurde schon leicht nervös. Wieso schaffte es dieser Shepherd immer wieder so nahe an Surtees dranzubleiben? Das Problem löste sich dann von selbst. Bei Alan´s AJS brach die Kette. Surtees gewann selbstverständlich, aber das MV Team beruhigte sich aus unverständlichen Gründen nicht. Man verlangte eine Überprüfung des Hubraums der AJS. Ergebnis: alles korrekt. Zwar war die Aufforderung auf dem Werbeplakat im linken Bild,"fahrt MZ", vermutlich für Straßenmaschinen in der DDR gedacht (es gab ja auch kaum andere), so deckte sich diese Aufforderung auch gleichzeitig mit dem Wunsch von MZ an Shepherd, als Pilot in ihr Werksteam einzusteigen. Dass die Leistung der Maschinen vorhanden war war bekannt. Bekannt war MZ aber auch für stetig klamme Kassen, was sich nicht vorteilhaft auf die weitere Entwicklung des Rennteams auswirkte. Auch in Kenntnis dieser Sachlage unterzeichnete Alan Shepherd den Werksvertrag. Immerhin hatte er damit ein mehr oder weniger gesichertes Einkommen, zumal man ihm gestattete, weiterhin seine Matchless G50 als Privatier einzusetzen und damit sein "Taschengeld", sprich Werksfahrersalär aufzubessern. Aus Sicht der DDR-Oberen "leider", mußten sie 1962 selber in die "Taschengeldschatulle" greifen, denn ihr Vertragspartner hatte gerade als Privatier einen sauberen zweiten Platz belegt, womit sie kostenpflichtig wurden. Weniger störte die Veranstalter, daß Alan sein Taschengeld auch auf anderen Strecken aufbessern konnte, darunter sogar ein Sieg im finnischen Tampere und ein zweiter Gesamtrang in der WM.
Eine besondere Leistung gelang Alan 1963 am Sachsenring. Dort gelangen ihm 3 Podestplätze. Zweimal konnte er die Männer aus Zschopau durch zweite Plätze zufrieden stellen und für sein Privatfahrerimage tat er Gutes, indem er seine G50 als Dritter über die Ziellinie brachte, vor ihm nur die unschlagbare MV und die von Geoff Duke "wiederbelebte" Vier-Zylinder Gilera mit Derek Minter im Sattel. Einziger Wermutstropfen an dem Wochenende, als "Gastfahrer" für MZ landete in der Viertelliterklasse Mike Hailwood vor ihm. Das spricht allerdings nicht gegen Shepherd sondern wohl eher für die Sonderklasse eines Mike Hailwood. Immerhin verwies Alan den späteren Weltmeister 1963 und Honda-Werksfahrer Jim Redman auf Rang 3. Auch wenn manche Zeitgenossen es etas anders sehen, sein Sieg beim WM-Rennen 1964 verdient höchsten Respekt. Durch den Mauerbau hatten die NATO-Staaten eine Einreisesperre für Ostdeutsche verhängt, wie das eben in einer Demokratie so ist. Also war Alan gezwungen, die eventuell notwendigen Einstellarbeiten per Telefonleitung (ob seinerzeit die CIA bereits abgehört hat ist mir nicht bekannt) mit Unterstützung von Technikchef Walter Kaaden vorzunehmen. Kurz und gut - es klappte. Dies war sein einziger Grand Prix Sieg mit der MZ. Der Rest der Karriere von Alan ist schnell erzählt. Den Honda Bossen waren natürlich Alan Shepherd´s Leistungen in der Rennszene nicht entgangen. Man lud Alan zu Testfahrten nach Japan ein. Was sich als große Chance darstellte, beendete leider seine Karriere. Bei den ersten Tests stürzte er und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, was die Fortsezung seiner Rennfahrerlaufbahn unmöglich machte.
Seine Frau Ann und seine Kinder Tim und Angela können stolz auf ihn sein.
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