Adalbert "Bert" Schneider

Text: Frank Bischoff - Bilder: FBi, Eggersdorfer, Archiv-Schneider, van Veluw
Adalbert Schneider wurde am 28. August 1936 geboren. Der Rennvirus packte ihn 1954, als er in Baden bei Wien sein erstes Motorradrennen besuchte. Dort faszinierte ihn insbesondere der Ungar György Kurucz, mit dem ihn dann eine lebenslange Freundschaft verband. Der Österreicher war nie ein Mensch des Zauderns, und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Mit einer nicht mehr neuen Velocette begann er 1955, Rennen zu fahren; ein Jahr später erwarb er dann eine AJS „Boy Racer“.

Österreich wurde ihm bald zu „eng“, und so war er schon ab 1956 mehr außerhalb als innerhalb der heimatlichen Landesgrenzen unterwegs. Budapest sowie Brünn waren u.a. seine Wirkungsfelder, und 1957 fuhr er auch schon auf „WM-Parkett“ bei der Dutch TT in Assen. Am Wochenende des 18. August gab es dann ersten Kontakt mit einer seiner späteren Lieblingsstrecken, dem Sachsenring. Die Privatfahrer mussten wirklich eng kalkulieren, und so befanden sich in seinem Transporter damals eine 250 ccm-NSU-„Sportmax“ sowie eine 350 ccm-Norton-Manx. Das Start- und Preisgeld war zwar nicht üppig, deckte aber in der Regel zumindest die Kosten. Weltoffen und freundlich wie er war, wurde aus Adalbert bald Bert Schneider. Wo in den Fahrerlägern gelacht wurde, war er zumeist dabei. Für die Österreicher war er der „Bertl“, für seine anderen Freunde im „Continental Circus“ – und davon gab es sehr viele - war er „Bertie“. Neben seinem sprichwörtlichen Humor hatte er auch immer einen gesunden praktischen Sinn, und so erkannte er schnell, dass die unmittelbare Verbindung die effektivste ist. England wurde zeitweise zu seiner zweiten Heimat, und bei Norton in Birmingham sorgte er dafür, dass es ihm nie an Teilen für seine Maschinen mangelte.

Nun in England fast „zu Hause“, übte die Insel Man eine noch größere Anziehungskraft aus. 1959 debütierte er dort als 48. in der Junior TT, die besten Platzierungen waren Rang 4 in der Senior 1962 auf Norton und 5 in der Ultralightweight 1963 auf Suzuki. Er selbst empfand den 500 ccm-WM-Lauf auf dem Sachsenring 1962 als sein größtes Rennen. Wer dieses erlebt hat (der Autor und Freund Rolf waren damals Berts Helfer) wird nicht vergessen, wie er den gewiss nicht schlechten Frantisek Stastny und Paddy Driver nach großem Kampf den dritten Podestplatz wegschnappte. Damit wiederholte er den Erfolg von 1961.

Bert gehörte damals eindeutig zur Elite der Privatfahrer. Dass Suzuki ihn 1963 unter Vertrag nahm, war eine logische Konsequenz. Mit Hugh Anderson, Ernst Degner, Frank Perris sowie den Japanern Mitsuo Itoh und Isao Morishita bildete er ein dominierendes Team in der 50 ccm- und in der Achtelliterklasse. In besagtem Jahr gewann er auch als erster Österreicher nach Rupert Hollaus einen WM-Lauf, den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps. Dieser Sieg, ein 2. Platz in Ulster und ein 3. auf dem Sachsenring – dort verhinderte nur ein leerer Tank seiner Suzuki eine noch bessere Platzierung – brachten am Ende den fünften WM-Gesamt rang. 1962 war er Vierter der 500 ccm-WM, 1964 belegte er den gleichen Schlussrang in der 125 ccm-Klasse. Leider litt die weit besser auf seinen Typ zutreffende 250 ccm-RZ64 unter starken technischen Problemen, und so war ein dritter Platz in Clermont-Ferrand 1964 die einzige echte Ausbeute. Bei allem Rennstress vergaß Bert aber nie, dass das Leben mehrere Facetten hat. So war er auch aktiver Wasserballspieler und nahm an der Schwimm-Europameisterschaft 1962 als Besucher in Leipzig teil. Um seine Lockerheit sicher von vielen beneidet, hinderte diese ihn aber eventuell auch an noch größeren Erfolgen. 1964 beendete er seine Rennfahrer-Laufbahn, ganz sicher viel zu zeitig. Erst neun Jahre später traf ich ihn als FIM-Delegierten in Brünn wieder. Viele Jahre hatte er sich dann aus der „Szene“ zurückgezogen. Es vergingen weitere 13 Jahre, bis wir uns zum „Abschied“ des alten Masaryk-Ringes neuerlich begegneten. Danach hatten wir erstmals im Vorfeld der „Centennial Classic TT“ von Assen 1998 wieder Kontakt, der nun nicht mehr abbrach. In seiner Frau Anabella – Kosename Belli – hatte er eine verständnis- und liebevolle Partnerin. Mit ihr und Sohn Michael nahm er 2007 als Ehrengast an den Feiern zu „80 Jahre Sachsenring“ teil. Im Oktober des gleichen Jahres trafen wir uns nochmals in seinem Haus in Wien, nicht ahnend, dass es das letzte Mal sein sollte. Wiederum zurückgekehrt aus dem schon traditionellen asiatischen Winterquartier, teilte Bert mir im April seine Absicht mit, einige erinnerungswerte Plätze seiner Rennzeit wieder einmal zu besuchen, so auch Spa und den Sachsenring. Letztendlich reduzierte er es darauf, zur TT-Zeit nochmals auf die Insel Man, wo er vor 50 Jahren erstmals startete, zu reisen. Dieser Besuch kam leider nicht mehr zustande. "Bertl" verstarb überraschend am 2. Juli 2009. Wir werden Bert Schneider immer in guter Erinnerung behalten.

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