Als ich dieser Tage im Internet las, wie sich viele Motorsportfreunde um einen eigenen Rundkurs für Rennen bemühen, konnte ich sehr viel Verständnis dafür aufbringen. Zum einen, weil es vor vielen Jahren (bis 1954) schon einen solchen, international anerkannten, Kurs mit der Rennstrecke im Berner Bremgartenwald gegeben hat und zum anderen, weil es auch Schweizer Rennfahrer waren, die den guten Ruf des Landes in alle Welt getragen haben. Auch die für ihre Tradition und Demokratie bekannte Schweiz sollte es fertig bringen, ein vor über 50 Jahren - aus seinerzeit sicherlich teilweise verständlichen Gründen - zu revidieren. An einen dieser Motorsportler, die den guten Ruf der Schweizer in alle Welt getragen haben soll hier in einer kurzen Biografie erinnert werden.

Werner Pfirter

Es ist schon ungewöhnlich wenn ein Motorradrennfahrer eigentlich garnichts mit Motorradrennen "am Hut hat". Rennen interessierten den Prattelner schon, aber Autorennen. Aber das war schlicht und einfach zu teuer. So mußte der Zufall ein wenig nachhelfen. Ein Freund von ihm ließ sich mit einer kleiner Gilera von der Polizei wegen Fahrens ohne Führerschein erwischen. Werner hatte einen Führerschein, aber nur ein Moped. Kurz und gut - die Zweiräder wechselten einfach den Besitzer. Irgendwie fand Werner gefallen an den zweirädrigen Gefährt und er nahm sich vor, es einmal bei einem Rennen zu versuchen. Man kann also sagen, seine Rennfahrerlaufbahn startete durch einen Zufall. Werner Relativ zeitig nach seinem Einstieg in den Rennsport nahm seine Karriere auch internationale Formen an. Als Newcomer stand er 1973 neben dem großen AGO auf dem "Stockerl", wie die Österreicher sagen. Er war nämlich beim Großen Preis von Österreich auf dem Salzburgring in der Klasse bis 350 ccm Zweiter geworden. Weitere gute Ergebnisse folgten und auch der Saisonabschluß in Spanien, als er Dritter geworden war, konnte sich sehen lassen.

In die Saison gegangen war Werner mit zwei Maschinen von Yamaha, eine für die 250 ccm Klasse und eine für die Dreihundertfünfziger. Wenn man gleich in der ersten internationalen Saison einen 6. WM-Schlußrang erreicht, dann darf man sicherlich zufrieden sein. Vieles sprach also für seine fahrerrischen Qualitäten. Es waren aber auch leider viele, zu viele, Ausfälle zu verzeichnen gewesen.

Besonders im darauf folgenden Jahr hatte er mit weniger als der Hälfte Zieleinläufe an den Rennen keine sonderlich gute Bilanz aufzuweisen. Auch drei schwerere Stürze gehörten zu der Kategorie der Ausfälle. Bei allem Fahrtalent und vieler Hilfe und Unterstützung von Freunden, wenn die Technik nicht wie gewünscht mitspielt nützt alles Fahrkönnen nichts. Hier war ein wunder Punkt in Werner's Karriere. Auf die Stürze und Ausfälle angesprochen meinte er nur: ich war wohl einfach zu schnell. Dies schien aber nur die halbe Wahrheit gewesen zu sein. Auch in der damaligen Zeit war eine gute Wartung Werner der Maschinen vonnöten. Wenn es aber, trotz aller Begeisterung seiner Helfer, an den nötigen Grundkenntnissen fehlt hilft aller fahrerischer Einsatz nicht.

Mit viel Optimismus startete Werner in die Saison 1973. Leider wurde es mit den Ausfällen nicht besser. Auf alle Fälle, um seine fahrerischen Qualitäten noch einmal zu unterstreichen, langte es, wenn er die Zielflagge sah, immer zu einen Platz unter den ersten zehn des jeweiligen Rennens. Bei seinem letzten Rennen in Spanien schrammte er mit einem vierten Platz knapp am Podest vorbei.

Dann geschah das Unfassbare. Auf der Rückfahrt vom spanischen Grand Prix wurde er unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt und verlor dabei sein Leben. Er wird den vielen Rennsportfreunden, die ihn an den Rennstrecken der Welt bewundern durften, für immer in Erinnerung bleiben. Dieses Jahr, am 19. Dezember 2014, wäre der Schweizer 68 geworden - es sollte ihm leider nicht vergönnt sein...

Werner Pfirter's WM - Resultate





Quelle: Motorrad GP Guide, Sil Sports Book, Zürich

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