Guido Paci
17.Dezember 1949 - 10.April 1983

Der rechts abgebildete Pokal, den Guido Paci für seinen dritten Platz bei der italienischen Juniormeisterschaft am 12. Juni 1977 in Monza erhalten hat, nimmt in meiner Wohnung einen Ehrenplatz ein und hält in mir immer die Erinnerung wach an einen exzellenten Rennfahrer und Sportler, sowie einen großartigen Menschen, dem leider am 10. April 1983 in Imola das Rennfahrerschicksal ereilte.

Dieser kleine Bericht möge dazu dienen, die Erinnerung an den Rennfahrer, den Piloten, den Bobsportler, kurzum, den Menschen Guido Paci für immer wach zu halten.

Leider hatte ich nie das Vergnügen, diesen großartigen Sportsmann und Menschen persönlich kennen zu lernen.
Es bereitete aber ihm und ganz besonders mir viel Vergnügen, als ich Guido vor etwas mehr als 22 Jahren erstmals in seiner Mailänder Wohnung angerufen hatte. Da ich die italienische Sprache nicht kann, versuchte ich es mit meinem mehr als spartanischen Englisch. Unter diesen Umständen konnte natürlich kein sehr tiefgreifendes Gespräch stattfinden. Sein herzhaftes Lachen zeigte mir aber, das Telefonat hat nicht nur mir, sondern auch ihm offenbar Freude bereitet.
Für 1983 hatte er eine Teilnahme an Rennen zur Europameisterschaft geplant. Natürlich war bei mir die Freude groß das zu hören. Dadurch war ja die Möglichkeit gegeben, dass wir uns im tschechischen Brno kennen lernen konnten. Die oben geschilderten sprachlichen Probleme wären auch kein Thema gewesen. Zum einen hatte ich mir fest vorgenommen, mein Englisch zu verbessern und zum anderen hatte seine Frau ja die Absicht gehabt, mit nach Brno zu kommen. Dazu muss man wissen, Guido hatte eine Deutsche aus Erding geheiratet.
Doch dann kam dieser schreckliche 10. April 1983....


Guido Paci kannte von Anfang an die Leiden, sprich finanziellen Schwierigkeiten der Privatfahrer. Kein reiches Elterhaus konnte ihm den Einstieg in den geliebten Rennsport erleichtern. Doch trotz aller finanziellen Schwierigkeiten gelang es ihm, 1979 die italienische Juniorenmeisterschaft in der 500 cc Klasse zu erringen. Guido und Helene Paci Dabei schlug er keinen Geringeren als den späteren Spitzenfahrer Loris Reggiani. Bei seinem Ehrgeiz war es natürlich klar, dass er sich nach seinen Erfolgen im Inland auch einmal mit den Besten der Welt messen wollte. Natürlich war ihm klar, dass er ohne entsprechenden finanziellen Hintergrund keine Chancen gegen die Werksfahrer haben würde. Sein Ziel konnte also nur lauten, jeweils unter den Privatfahrern der Beste zu werden. So bestritt er also 1981 und 1982 jeweils eine komplette Weltmeisterschaftssaison. Und seine Resultate konnten sich wirklich sehen lassen. Bei den vielen Werksfahrern in jenen Jahren waren Plätze in den "Top Ten", also unter den ersten zehn Fahrern, schon ein grosser Erfolg für einen Privatier wie er einer war. Immerhin gelangen ihm in seiner leider sehr kurzen WM-Karriere 8 dieser "Top-Ten" Plätze, was für ihn bedeutete, sehr oft sein Ziel, als bester Privatfahrer anzukommen, erreicht zu haben. Auf dem linken Bild sehen wir Guido und seine hübsche Frau Hélene.


Was seine Fahrerkollegen von Guido Paci gehalten haben, verdeutlicht ein Ausspruch des Amerikaners Kenny Roberts,sen., der sagte: "Wollen wir hoffen, dass Guido immer arm bleibt, denn sonst haben wir einen sehr ernsthaften Konkurrenten mehr".
Auch im Bobsport war Guido sehr erfolgreich, was ein dritter Platz bei der Europameisterschaft im Zweierbob belegt.
Wie geachtet Guido unter seinen Berufskollegen den Piloten war beweist die Tatsache, dass sogar ein Flugplatz in Italien den Namen "Airfield Guido Paci" trägt.
Die bekannte italienische Zeitung "Gazetta dello Sport" reservierte nach seinem Unfall zwei Seiten, um in Wort und Bild des erfolgreichen Sportsmannes und geachteten Menschen Guido Paci zu gedenken.
Die Todesmesse fand in seiner Geburtstadt Servigliano, in den Marche, statt, wo sich nahezu alle Größen des Motorradrennsports, zusammen mit der Bevölkerung, eingefunden hatten.
Für die Wertschätzung von Guido Paci spricht auch eine Veranstaltung des Motoklub Imola, welche anläßlich seines 20. Todestages am 24. Mai stattgefunden hat. Neben dem Bürgermeister von Imola waren auch die Piloten vom Flughafen Cameri - wo Guido stationiert war - gekommen. Auch gekommen war der frühere Weltmeister Mario Lega, nebenbei bemerkt, ein sehr sympathischer Mensch, wie mir Hélene, Guido´s Witwe, am Telefon bestätigte. Für Sie war dieser Tag zwar mit viel Wehmut verbunden, aber auch mit Stolz, ob dieser Ehrung.


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