Bob McIntyre 1953 TT

Bob McIntyre 1958 Isle of Man

Bob Mac mit Freund Alan Shepherd

mit Bianchi 1961 auf Podiumskurs

Auch mit Honda erfolgreich
Es war im Jahr 1957 als ein Fahrer Rennsportgeschichte geschrieben hat. Der geschichtsträchtige Schauplatz war die Isle of Man. In jenen Tagen war ein Sieg auf der Insel so etwas wie der Aufstieg in den Olymp der Motorradrennfahrer. Ewiger Ruhm war dem Sieger gewiss. Sein Teil der Rennsportgeschichte bestand darin, daß er als erster Fahrer die "Inselrunde" mit mehr als 100 Meilen / Stunde umrundete. Sein Gefährt war eine Vierzylindrige von der italienischen Firma Gilera.

Neben seinem außergewöhnlichen Können verfügte dieser Fahrer noch über eine gehörige Portion Stolz. Obwohl in allen Programmheften auf dem Kontinent als Fahrerland Großbritannien angegeben war, fühlte er sich geehrt, wenn einige Veranstalter ihn so in die Programme eintrugen wie er sich fühlte: als Schotte von Geburt, respektive aus Schottland kommend. Die Rede ist von

Bob McIntyre

Großbritannien / Schottland

Bob Mac, wie er von Bekannten liebevoll genannt wurde, erblickte am 28. November 1928 in einem Glasgower Vorort das Licht der Welt. Wie viele Fahrer begann er im "zarten" Alter von 20 Jahren seine motorsportliche Karriere im Moto-Cross auf einer Ariel Red Hunter. Doch nur wenige Saisons später begann seine typisch britische Karriere auf der Isle of Man: Start bei der Clubmans TT, danach Manx GP und wiederum danach folgten die Starts bei den "Großen". Bei der Clubmans war er auf einer BSA im Junior-Rennen (Klasse bis 350 cc) Zweiter geworden. Später in dem Jahr, er war inzwischen auf eine AJS 7R umgestiegen, gewann er die Junior Klasse beim Manx Grand Prix und mit der gleichen Maschine wurde er in der Senior Klasse (bis 500 cc) noch Zweiter. Man kann sagen, seine Karriere hatte jetzt richtig begonnen. Einigen Siegen bei den in England beliebten Kurzstreckenrennen folgte sein erster internationaler Sieg: er gewann das Junior-Rennen, erneut mit der AJS 7R, bei den legendären North-West 200 in Irland.

In den Führungsetagen der Motorradhersteller war man natürlich auf die Leistungen des Schotten aufmerksam geworden und man bot ihm einen Platz im Werksteam an. So fuhr er 1953 als Werksfahrer für AJS in der Weltmeisterschaft. Er gewann in Pau / Frankreich und wurde Dritter beim Ulster GP. Nachdem sich AJS vom Rennsport verabschiedete startete er 1955 auf einer vom schottischen Händler Joe Potts genannten Norton. Auf der Isle of Man rechnete sich Bob gute Chancen für einen Sieg aus und fast wäre es auch so gekommen. Beim Junior-Rennen führte er 4 von 7 Runden das Rennen an. Mechanische Probleme zwangen ihn dazu, ein wenig "sorgsamer" mit der Maschine umzugehen, so dass er noch vom Guzzi - Werksfahrer überholt wurde. In der Senior-Klasse bis 500 cc wurde es für Bob Mac ein fünfter Rang. Keine schlechten Ergebnisse für einen Privatier. Dies empfand wohl auch Guzzi - Rennchef Giulio Carcano. Er bot dem Schotten einen Werkvertrag an, doch dieser lehnte ab. 1956 gab es auf der für die Briten wichtigen TT zwar Ausfälle, aber dafür jagte Bob Mac seine Joe Potts Norton´s zu zahlreichen Plätzen bei anderen Veranstaltungen auf´s Podest.

1957 dann sein sportlich größter Erfolg, indem er den Mountain - Kurs auf der Isle of Man mit mehr als 100 Meilen/Stunde umrundete (siehe oben). Das geschah auf einer Werksgilera. Diese wiederum hatte er auf Empfehlung von Geoff Duke erhalten, der verletzungsbedingt nicht starten konnte. Auf dem Weg zum WM - Titel hatte Bob Mac leider selber einen Unfall, so dass der Italiener Libero Liberati, der Teamgefährte bei Gilera, den Titel gewann.

Nachdem sich die großen italienischen Werke nach der Saison 1957 - mit Ausnahme von MV-Agusta - allesamt vom WM-Geschehen zurückzogen, war der Schotte wieder der Privatier, als der er seine Karriere begonnen hatte. Von dieser Zeit ist auch eine nette Episode bekannt geworden, erzählt von seinem Freund Joe Potts. Bob Mac, der als "großer Schweiger" galt, war mit Joe Potts auf dem Weg von Schottland in den Süden von England. Während der langen Strecke brachte es Bob Mac tatsächlich fertig, nicht mehr als 5 Worte mit seinem Partner zu sprechen. Viel zu sehr beschäftigte ihn sein über alles geliebter Rennsport.

1961 kam dann ein anstrengendes Jahr, er startete in drei Klassen bei der Weltmeisterschaft - erfolgreich dazu. Honda hatte ihm angeboten, ihre Viertellitermaschine zu pilotieren. Für den italienischen Hersteller Bianchi fuhr er in der 350 cc Klasse deren Fabrikat und dann war ja noch die Norton in der Halblierklasse, die er für seinen schottischen Freund Joe Potts fuhr. Eine stramme Aufgabe, die McIntyre aber mit Bravour meisterte. Immerhin 7 Podestplätze sprangen am Jahresende für ihn heraus. Dabei war mit der Honda in der Viertelliterklasse sogar ein Sieg beim Ulster Grand Prix dabei.

Im darauf folgenden Jahr 1962 hatte er sich bei Honda fest etabliert. Als, wie man das heutzutage so modern nennt, "backup" für Jim Redman, sicherte er dessen Siege in der 250 cc Klasse prächtig ab um dann da zu sein, wenn es bei Redman nicht lief. So gewann er auch den belgischen Grand Prix in Spa/Francorchamps. Es sollte sein letzter Sieg gewesen sein. Dazu muß man wissen, daß für den Schotte ein Wochenende ohne Rennen ein verlorenes Wochenende gewesen ist. So startete er auch zwischen den Grand Prix Rennen bei vielen kleineren Veranstaltungen, unter anderem auch im August 1962 im englischen Oulton Park. Nachdem er das Rennen der Viertelliterklasse für sich entschieden hatte, schob er seine private Norton Manx an den Start zum Rennen in der 500 cc Kategorie. Bei schlechten Wetterbedingungen und auch noch einem schlechten Start mußte sich Bob Mac erst mühsam durch das Feld "pflügen", um an die Spitze zu gelangen. Dann kam für den Schotten ein verhängnisvoller Sturz und er wurde sofort in ein Krankenhaus eingeliefert. Alle ärztliche Kunst war leider vergeblich. Nach 9 Tagen Krankenhausaufenthalt hörte sein Kämpferherz auf zu schlagen. Bob McIntyre hatte alles für seinen geliebten Rennsport gegeben, am Ende sogar sein Leben...

© Bilder: Keith Bryen, Cromie McCandless, Günter Geyler, Werksfoto Gilera, Autor



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