Cromie McCandless

Irland

16.01.1921 - 17.01.1992

Der Belfaster begann seine Rennsportkarriere bei Grasbahn- und Kurzstreckenrennen in den Jahren vor dem Krieg. Doch bald merkte er, dass seine Zukunft wohl mehr bei Straßenrennen lag. So startete er 1947 (Bild rechts) beim Manx GP, wo er allerdings ebenso wenig die Zielflagge sah wie 1948. Erst ein Jahr danach, 1949, gelang ihm der sportliche Durchbruch. Er gewann auf der Isle of Man bei den "Amateuren" das Junior-Rennen (Klasse bis 350 cc - Bild unten), wo er keinen Geringeren als den aufstrebenden Geoff Duke besiegte und belegte im Senior-Rennen (Klasse bis 500 cc) den zweiten Rang, diesmal hinter eben jenen Geoff Duke.
Im gleichen Jahr hatte schon sein älterer Bruder Rex McCandless beim WM-Rennen auf der Insel Man in der Halbliterklasse den undankbaren, weil 1949 noch punktelosen sechsten Platz belegt.

Beide Brüder hatten neben ihren Fahrkönnen noch ein exzellentes Technik-Verständnis. So lag es nahe, dass sie sich bald die Frage stellten, wie man mit den motorisch unterlegenen Nortonmaschinen trotz allem in der Weltmeisterschaft mit den italienischen "Mehrzylindermaschinen" mithalten kann. Da sie beide Männer der Praxis waren, stand für sie fest: was nützt die größte Motorleistung, wenn man sie nicht auf der Straße wegen "Unfahrbarkeit" umsetzen kann. Die glänzende Idee und relativ schnell auch die praktische Umsetzung der "Federbett-Norton" war geboren, wobei besonders Rex den technischen Part vorantrieb.

Von der "Federbett-Norton" profitierte der gesamte Norton Rennstall jener Tage. Besonders "Manxman" Geoff Duke, der Valentino Rossi der fünfziger Jahre, erreichte trotz motorischer Unterlegenheit, aber mit seinem exzellenten Fahrkönnen und der perfekten  Straßenlage eben jener "McCandless-" respektive "Federbett-Norton" drei seiner sechs WM-Titel auf der Norton. Danach engagierte ihn Gilera als Werksfahrer.
Aber auch Cromie McCandless gelang mit seinem "Eigenfabrikat" bei der Senior-TT 1951 (rechtes Bild) ein großartiger dritter Platz. Er mußte nur Geoff Duke und den AJS-Werksfahrer Bill Doran den Vortritt lassen.
Wegen seines fahrerischen Könnens und natürlich auch seiner für die Achtelliterklasse prädestinierten körperlichen Eigenschaften hatte Mondial Cromie McCandless für 1951 eine ihrer schnellen Werksrenner anvertraut. Der Dubliner rechtfertigte dabei bei der TT das in ihm gesetzte Vertrauen und schlug die beiden Italiener Carlo Ubbiali und Gianni Leoni, die am Jahresende die WM-Ränge 1 und 2 belegten. Auch im Jahr darauf, 1952, erhielt Cromie McCandless auf der Isle of Man erneut eine Werks-Mondial und bildete zusammen mit dem Engländer Len Parry und natürlich Carlo Ubbiali (oberes Bild, von links) das Werksteam. Das Rennen gewann aber diesmal der MV-Agusta Werksfahrer Cecil Sandford. Die Mondial-Truppe belegten in der Reihenfolge Ubbiali, Parry und McCandless die Plätze Zwei bis Vier.

Den Höhepunkt seiner Karriere hatte dann Cromie McCandless 1952 bei seinem heimatlichen Ulster-GP vor den Toren von Belfast. Im italienischen Gilera-Werksteam war kurzfristig der damalige Nr. 1 Fahrer Alfredo Milani ausgefallen und so wurde Cromie vom Rennleiter des Gilera-Teams Piero Taruffi gefragt, ob er nicht die Maschine von Milani fahren möchte. Keine Frage: er wollte. Einige Trainingsrunden sollten ihm reichen, um sich mit der Urgewalt des Vierzylinder-Renners vertraut zu machen. Das Thema Streckenkenntnis war für ihn kein eigentliches Thema, denn er kannte jeden Baum, jeden Strauch und jedes Haus seiner Hausstrecke. Einem schlechten Start beim Rennen über die mehr als 300 Kilometer lange Renndistanz folgte ein sehr gleichmäßiges Rennen, bei dem er Fahrer um Fahrer passierte und am Ende, unter den Jubel seiner Landsleute, als Erster die schwarz/weiß karierte Zielflagge sah.

Das war gleichzeitig auch das letzte Rennen des Cromie McCandless. Was für ein großartiger Abschluss seiner Rennfahrerlaufbahn - ein GP Sieg in der Halbliterklasse und dazu praktisch vor seiner Haustüre. Rennfahrerherz was willst du mehr.

In der Folgezeit hatte er sich um sein Geschäft für Landmaschinen zu kümmern, welches er, zusammen mit seinem Freund und Norton-Werksfahrer Artie Bell in Belfast gegründet hatte. Leider hatte ja Artie Bell beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps 1951 einen unverschuldeten Unfall erlitten, in dessen Folge Bell halbseitig gelähmt war und so die Anwesenheit von Cromie McCandless im Geschäft absolut notwendig wurde.

Als seine Lieblingsstrecke bezeichnete aber der "Ulster-Man" die Tourist Trophy auf der Isle of Man. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass er nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben seinen Wohnsitz auf die Insel Man verlegte, zuerst nach Colby und später direkt nach Douglas, nahe Start und Ziel. Leider hatte ich nicht das Vergnügen, Cromie persönlich kennen zu lernen. Sein überraschend früher Tod verhinderte das. Dafür war mir aber die Freude vergönnt, Cromie´s sehr sympathische Frau Phoebe, eine echte Manx, auf der Insel zu treffen. Leider ist auch Phoebe inzwischen verstorben. So bleibt vom McCandless-Clan nur noch Sohn John, der inzwischen das elterliche Haus bewohnt.


Cromie´s letzter Rennstart auf einer Werks-Gilera endete mit einen Sieg

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