gezeichnet von seinem Sohn Richard

Ernest "Ernie" Lyons

Irland


am 5.März 2012, zum 98. Geburtstag



Ist es Ihnen auch schon so gegangen, Sie möchten einen Bericht über eine Persönlichkeit verfassen, kennen diese nicht persönlich, aber bewundern und verehren ihn?

Zwei mal habe ich mit Ernie in meinem miserablen Englisch telefoniert. Dann bekam ich noch vor langer Zeit in mehreren Briefen einige Informationen über seine Karriere und last but not least diente mir noch ein Bericht in "CLASSIC Motorcycling LEGENDS" von Gordon Cadzow als ergiebige Quelle für diese Story. Der Anlaß für diesen Bericht war sein 98. Geburtstag. Jawohl, Sie haben richtig gelesen, es war sein Achtundneunzigster, bei entsprechend seinem Alter guter Gesundheit. Okay, das Gehör hat etwas nachgelassen und es strengt ihn an wenn ein Anrufer wie ich seine Sprache nur in Fragmenten spricht, aber seine Freude über meine Geburtstagswünsche war unverkennbar.

Begonnen hatte alles mit einer TT Triumph, die sein Bruder Alan für ihn gekauft hatte und mit der er, noch Schuljunge, an ersten Rennen localen Charakters teilnahm. Aber nicht nur Straßenrennen waren sein Betätigungsfeld. Auch bei Grasbahnrennen, bei Trials und Crossrennen war er zu sehen. 1938 endete dann die erste Teilnahme beim Manx Grand Prix mit einem Ausfall. Zwischenzeitlich hatte er schon viele Bekanntschaften gemacht mit später sehr erfolgreichen Fahrern seiner irischen Heimat. Zu diesen gehörten die McCandless Brüder, Artie Bell und viele mehr. Man versuchte ihn zu überreden und sein Landleben aufzugeben und eine Rennkarriere in Angriff zu nehmen. Vergeblich. Das Familiengeschäft, Kies- und Sandgrube, sowie seine Farmarbeit waren sein Lebensunterhalt und der Rennsport seine Freude.


Seine großen Erfolge stellten sich nach dem Krieg ein. Er gewann den Manx Grand Prix und wurde 1947 Mitglied im Norton Werksteam, was damals aus dem Vorkriegsstar Harold Daniell, Johnny Lockett, Artie Bell und zeitweise Ken Bills bestand. Chef war Joey Craig. Ein Ereignis beim Belgien-GP blieb ihm dabei in unangenehmer Erinnerung. In der 350 cc Klasse, die von Ken Bills gewonnen wurde, war er ausgefallen. Man gab ihm dann diese 350er Siegermaschine um damit im Rennen der Halbliterklasse zu starten. Natürlich war er damit auf dem schnellen Ardennenkurs motorisch hoffnungslos unterlegen, belegte am Ende trotzdem Platz acht. Die Preisgelder gingen damals in einem Topf und wurden dann an die Fahrer im Team verteilt. Welch ein Erstaunen als Ernie nichts an Preisgeld bekam. Auf Betreiben von Joey Craig und Harold Daniell wurde ihm mitgeteilt, daß er ja eine 350er gefahren sei und ihm deshalb nichts zustehen würde. Das war der Anfang vom Ende seiner Norton-Liaison.

Beruflich war er inzwischen zum Managing-Direktor einer Firma mit 700 Beschäftigten avanciert, die Betriebe konstruierte und aufbaute. Er ist dabei noch heute stolz, daß er jeden einzelnen Beschäftigten kannte.

Dann kam das Jahr 1949 und sein wahrscheinlich größter sportlicher Erfolg. Die Rennen auf der Isle of Man waren damals noch in die Motorradweltmeisterschaft eingebunden. Dabei wurde Ernie im Rennen der 350 cc Klasse hervorragender Zweiter hinter dem alles überragenden Freddie Frith, beide auf einer Velocette. Auch im Rennen der Halbliterklasse sprang ein Podestplatz heraus, er wurde Dritter. Auf dem linken Bild gratuliert er Freddie Frith zum Sieg und im rechten Bild oben ist Ernie in voller Fahrt in Richtung Podestplatz.

Interessant ist Ernies Meinung zu seinen besten Kontrahenten. Während der Name Freddie Frith keine Überraschung darstellte, erstaunte die Namensnennung des Italieners Omobono Tennni doch etwas. "Beide waren, neben ihren exzellenten fahrerischen Können, auch absolute Gentlemens", so Ernies Aussage. Als beste Maschinen die er gefahren hat nennt er - kein Wunder bei den TT-Resultaten - die Veloctte und die Moto-Guzzi. Zu einigen Fahrten auf einer Werks-Guzzi hatte ihn sein irischer Landsmann Stanley Woods verholfen.

1950 heiratete er Dorrie, welche traurigerweise später schwer an Multiple Sklerose erkrankte und verstarb. Ernie heirate dann 1964 Bessie, die Dorrie bis zu deren Tod gepflegt hatte. Leider verstarb vor wenigen Jahren auch Bessie. Ernies ganzer Stolz sind seine drei Kinder, zwei Jungen (Sohn Trevor noch aus erster Ehe mit Dorrie und Sohn Richard) und ein Mädchen (Melinda, promoviert gerade), die allesamt studiert haben. Man müsste noch viel mehr über diesen exzellenten Rennfahrer und außergewöhnlichen Menschen schreiben, doch das würde den Rahmen dieses kleinen Berichts sprengen. So sagt Ernie von sich selbst, er hätte nie in einer Mannschaftssportart aktiv sein können, "er sei kein Teamplayer" gewesen. Eines ist aber ganz sicher: er liebt seine Familie, fühlt sich mit Leib und Seele seiner irischen Heimat verbunden und ist wohl auch keiner, den man landläufig als Stadtmensch betitulieren würde - ein echter Ernie Lyons eben. Eine letzte Auffälligkeit bei diesem außergewöhnlichen Mensch: kennen sie ein Bild von Ernie auf dem er nicht lacht oder zumindest freundlich schaut? Ich nicht.





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