Beruf: Müller - Leidenschaft: Motorradrennfahrer
Gaspoltshofen / Oberösterreich

Sieger am Sachsenring 1957, vor dem Traunsteiner Alois Huber und Bob Matthews aus Irland

Gerold Klinger beim Skijöring Schon öfter habe ich mir die Frage gestellt, warum ich für den Sohn eines Müllers aus dem kleinen Ort Gaspoltshofen in Oberösterreich so eine Bewunderung empfinde. Er war nie Weltmeister, hat zwar viele Rennen gewonnen, aber nie einen WM-Lauf und ich bin ihm (leider) nie persönlich begegnet und doch....meine Bewunderung für den Gaspoltshofener ist immens.
Jetzt endlich, im nun auch schon etwas höheren Alter, glaube ich eine Erklärung für meine Hochachtung gefunden zu haben. Es scheint mir das von ihm perfekt verkörperte  "Gleichgewicht" zwischen sportlicher und beruflicher Leistung zu sein, was meinen Respekt gegenüber dem Österreicher ausmacht.
In den vergangenen mehr als vier Jahrzehnten bin ich vielen Rennfahrern begegnet, welche sicherlich mehr Geld mit der Rennerei verdient haben als in den fünfziger Jahren Gerold Klinger als Privatfahrer, und was ist aus denen geworden.....? Gerold Klinger am Gaisberg Gerold Klingers Karriere begann 1952 mit Skijöring (Bild oben), eine Art Teamsport, bei dem ein flotter und möglichst geschickter Motorradfahrer einen hoffentlich ebenso flotten und geschickten Skifahrer im Schlepptau hat.
Danach ging es, im wahrsten Sinne des Wortes, steil bergauf mit Gerold Klingers Karriere, wie auf dem linken Foto zu sehen, als er sich erfolgreich am nahen Gaisberg vor den Toren von Salzburg mit einer Sportmaschine versuchte.
Als nächste Stufe der Karriereleiter beteiligte er sich erfolgreich an Rundstreckenrennen, wo ihn sein fahrerisches Können bald in die Spitzengruppe der besten Privatfahrer Gerold Klinger Solitude 1955 einreihte. Das rechte Foto zeigt ihm beim Solitude-Rennen 1955, als er hinter dem BMW - Werksfahrer Walter Zeller einen großartigen zweiten Platz belegte, vor dem Neuseeländer Peter Murphy (Foto darunter). Ein Jahr danach, 1956, erfuhr er sich auf der Solitude vor den Toren von Stuttgart seine beste WM - Platzierung, Er wurde toller Vierter und damit erneut bester Privatfahrer vor dem später leider tödlich verunfallten Südafrikaner Ernie Grant und vor dem Australier Keith Bryen, dem Moto-Guzzi ein Jahr später sogar für einige Rennen einen Werksrenner anvertraute. Besiegt wurde er beim erwähnten Solitude-Rennen nur von den Gilera Werksfahrern Reg Armstrong und Pierre Monneret, sowie MV-Werkspilot Umberto Masetti. Es ist müßig zu erwähnen, daß der auf dem Zenit seiner Karriere befindliche Gerold Klinger in Abwesenheit der Werksfahrer so manchen Siegerkranz einheimste, wie auf dem Bild unten, als er das Rennen auf der Eilenriede in Hannover gewann, Gerold Klinger Solitude 1955 oder auf dem Foto ganz oben, als er auf dem Sachsenring alle der Privatfahrer besiegte. Bei all den Erfolgen darf man ja auch nicht vergessen, daß er "so nebenbei" auch noch seiner Arbeit in der elterlichen Mühle zu erfüllen hatte.

Wie so oft in seiner Laufbahn, wo er an den Rennen strategische Überlegungen anzustellen hatte und wohl meist auch die richtigen Entscheidungen getroffen hat, wartete Ende 1958 die schwierigste Entscheidung auf ihn. Er hängte seine Lederkombi an den "berühmten Nagel" , entschied sich für seinen Beruf als Müller und übernahm die elterliche Mühle in Gaspoltshofen.

Ich kann mir vorstellen, daß 1998, als Gerold Klinger seine Mühle an seinen Sohn Karl übergeben hat, folgende Gedanken in seinem Kopf umherschwirrten: "meine Leidenschaft war die Rennerei, aber mein Lebenswerk die Klinger-Mühle" !!!


Jahrzehnte später - ehemalige Konkurrenten und langjährige Freunde
Walter Zeller und Gerold Klinger
Foto: Werner Rehwagen, Stuttgart

zurück 15.11.2009