Gregg Hansford

10-facher Grand Prix Sieger von "Down Under"

Wenn ein Fahrer innerhalb von nur zwei Jahren in der Weltmeisterschaft 10 Grand Prix Rennen gewinnt und man erinnert sich so wenig daran wie es bei dem Australier Gregg Hansford geschieht, ist das schon ein wenig seltsam. Dabei erreichte der "große Blonde" diese außergewöhnliche Bilanz innerhalb von nur zwei Jahren und auf für ihn oftmals fremden Strecken. Kenny Roberts sen. schätzte das Talent des Australiers nicht geringer ein als jenes von Freddie Spencer und der war immerhin dreifacher Weltmeister geworden.

Sein erstes Rennen in Europa war für Gregg im südfranzösischen Paul Ricard. Man schrieb das Jahr 1975. Doch zu jener Zeit hatte der blonde Australier in seiner Heimat bereits einen guten Ruf erlangt. Bereits 1973 hatte er die unlimitierte Klasse der Meisterschaft in Australien gewonnen und auch das damals wichtige Rennen der Halbliterklasse in Bathurst. Dies alles als Privatfahrer. Dann, 1974 startete der in Brisbane geborene Australier als einer der ersten Fahrer seines Kontinents im amerikanischen Daytona. Als Mechaniker reiste sein Landsmann Warren Willing mit ihm.

Jener Warren Willing, den Martin Wimmer letztes Jahr für das MZ-Team in der moto2 Klasse der Weltmeisterschaft verpflichtete und von da an es deutlich bergauf ging.

Der australische Kawasakihändler Neville Doyle verpflichtete ihn für das darauffolgende Jahr, zusammen mit dem auch in Europa bekannten Murray Sayle und Landsmann Ron Toombs. Das Team Kawasaki Australia war geboren. Wieder ging es zu ausgewählten Rennen nach Kanada, den USA (Daytona), Venezuela, Italien und Indonesien. Alles mit der superleichten H2R Kawasaki, der wohl leichtesten Maschine in der Formel 750 in diesen Tagen. Im gleichen Jahr gewannen Hansford und Murray Sayle auch noch das Castrol-sechs-Stunden Rennen auf einer Z1-B. Dann ging es nach Neuseeland um an der Marlboro-Serie mit einer H2R teilzunehmen. Sayle Zweiter und Hansford Dritter war am Ende der Punktestand, hinter dem Gewinner, Pat Hennen aus den USA.


Nachdem 1976 kein so erfolgreiches Jahr war und 1977 Gregg die Meisterschaft der Viertelliterklasse gewann, forcierte man einen Auftritt in der Weltmeisterschaft 1978. Einige Fachleute zählten Hansford zu den sechs besten Fahrern der Welt, Zeit also, sich mit diesen zu messen. Wie richtig Kenny Roberts mit seiner Einschätzung von Hansford´s Können lag, zeigte sich gleich bei den ersten beiden Läufen der Weltmeisterschaft 1978. Er gewann alle drei Rennen, sowohl im spanischen Jarama als auch im französischen Nogaro. Zu vier Siegen reichte es nicht, da in Jarama die 350er Klasse nicht am Start war.

Wenn das kein Einstand nach Maß war. Dabei war vermutlich jedermann klar, so würde es natürlich nicht weitergehen. Es sollte nicht vergessen werden, Gregg fuhr auf ihm unbekannten Strecken, Rückschläge mußten dabei einkalkuliert werden. Besonders in der 350 cc Klasse gab es da einige Probleme. In Salzburg langte es daher nur zu einem siebenten Platz und in Assen wurde es sogar nur Rang acht.

Bei allen anderen Läufen, bei denen er die Zielflagge sah, fand er sich aber auf einem Podestplatz wieder. Das bedeutete für den blonden Mann immerhin Vizeweltmeister in der Viertelliterklasse und ein dritter WM-Rang in der 350er Kategorie. Nicht schlecht für einen WM - Newcomer. Man durfte also nach dem ersten WM - Jahr durchaus zufrieden die Heimreise in das ferne Australien antreten. Der Vollständigkeit wegen - in beiden Klassen wurde der Südafrikaner Kork Ballington Weltmeister des Jahres 1978.
Für 1979 erhoffte man sich bei den Hansford-Anhängern eine Steigerung der Saison von 1978, in der Viertelliterklasse. Das würde aber bedeuten, den Weltmeistertitel. Diese Erwartung war aber schwer, wenn nicht unmöglich zu erfüllen. Zum einen präsentierte sich der letztjährige Doppelweltmeister Kork Ballington in überragender Form und zum anderen zeigte sich da noch ein weiterer, nicht zu unterschätzender Konkurrent in Form von Graziano Rossi, Vater von Valentino Rossi. Die Morbidelli von Rossi war zum ernst zu nehmenden Gefährt für die Kawas geworden. Wenngleich nicht für den WM-Titel, so doch zumindest für einzelne Siege. Übers Jahr gerechnet waren das für Rossi immerhin drei. Der großartige Ballington fuhr insgesamt sieben Gewinne ein. Bei zwölf Rennen im Terminkalender blieb da nicht mehr viel für die Konkurrenz übrig. Beim ersten Saisonrennen hatte noch Walter Villa seine Yamaha zum Sieg gefahren und da war da noch das Rennen im belgischen Spa-Francorchamps, welches von den Spitzenleuten wegen gravierender Sicherheitsmängel bestreikt wurde. Sieger wurde aber trotzdem eine Kawa, gefahren von dem Österreicher Edi Stöllinger.

Kurios aus Sicht von Hansford war aber, daß bei den vier Rennen, bei denen die drei genannten Fahrer - also Ballington, Rossi und Hansford - das Ziel erreichten, der Australier immer Platz 2 belegte. Dreimal mußte er Rossi den Vortritt lassen, kam aber vor Ballington ein und einmal zog Ballington davon, da schlug er aber Rossi. So sieht wohl Beständigkeit aus. Am Jahresende war es dann erneut der zweite WM-Rang für Hansford.

Erstaunlicherweise belegte er auch in der 350 cc Klasse, wie schon im Vorjahr, den dritten Schlußrang. Allerdings erzielte er dabei sogar drei Siege, auch wie im Jahr vorher.

Im Gegensatz zur Konkurrenz hatte Hansford einen großen Nachteil - er war zu groß und daher auch zu schwer für diese mittleren Klassen. Das war möglicherweise auch ein Grund dafür, daß es nie für ihn zum Weltmeistertitel reichte. Von Kawa war zu hören, man möchte eine Kawa in der Halbliterklasse einsetzten, aber vorerst mit Ballington als Fahrer. Diese zeigte sich als nicht konkurrenzfähig, wie sich bald herausstellen sollte.

Für 1980 war Hansford nun wieder nach Australien gegangen. Aus Loyalität zu Kawasaki hatte er darauf verzichtet, für 1980 eine schlagkräftige Yamaha zu pilotieren. Und wie er eingestand, war auch ein wenig Heimweh dabei. In Australien bauten sein väterlicher Freund Neville Doyle und er an einer Z1000SR für einen Endurance Einsatz. Inzwischen hatte man auch aus Japan signalisiert, daß für 1981 eine komplett neu überarbeitete Halblitermaschine geplant ist und er davon eine habe könnte. Nicht als Werksfahrer, sondern unter der Regentschaft von Team Kawasaki Australia. Als Chefmechaniker fungierte Tony Hutton und das Hauptquartier, von dem aus die Einsätze koordiniert werden sollten war in Frankfurt. Bevor es nach Europa ging, testete er zwei solcher neuer KRs. Dann ging es nach Imola, zum warm-up Rennen für die Grand Prix Saison 1981. Dort qualifizierte er sich als Schnellster, stürzte allerdings beim überholen zweier langsamerer Fahrer. Seine Verletzungen setzten ihn 8 Wochen außer Gefecht. Nach dadurch verpassten fünf Grand Prix Veranstaltungen stieg er erstmals wieder in Assen in die WM - Runde ein. Ein 14. Platz war das Ergebnis. Es sollte sein letztes Rennfinish auf einem Motorrad werden. Das nächste Rennen in Spa / Francorchamps wurde ihm dann zum Verhängnis. Ein Bremsfehler führte dazu, daß er nach einer langen Geraden einen Ausweg suchte und dabei auf ein Auto der Streckenposten fuhr. Es sollte fünf Jahre dauern, bis alle erlittenen Verletzungen ausgeheilt waren.

Zwischenzeitlich hatte er sich eine "bürgerliche Existenz" aufgebaut, eine Fahrschule. In den späten Achtzigern versuchte er sich mit Erfolg im Tourenwagenrennsport. In einem solchen Rennen, am 5. März 1995 mit einem Ford Mondeo V6 crashte er in Phillip Island in der schnellen Südschleife. Er rutschte in einen Reifenstapel und wurde zurück auf die Strecke geschleutert, wo er mit einem anderen Fahrzeug kollidierte und sein Leben beendet wurde. Der Ford-Mondeo hatte eine normale Linkslenkung. Ironisch, hätte das Fahrzeug eine in Australien übliche Rechtslenkung gehabt, so einige Experten, er hätte den Unfall vermutlich überlebt.


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