In vielen Foren und anderen Diskussionsrunden wird oft über den allzeit besten Motorradrennfahrer diskutiert. Abgesehen davon das solche Vergleiche praktisch unmöglich sind taucht aber ein Name nahezu immer auf:

Mike Hailwood

Der am 2. April 1940 geborene Engländer tat vor mehr als 50 Jahren bereits das, was in der heutigen Zeit Standard ist - im jugendlichen Alter 17 Jahren beteiligte er sich auf der Insel bereits an motorsportlichen Veranstaltungen. Im Winter 1957 buchte Vater Stan einen Trip nach Südafrika, wo er glänzende Trainings- und Rennmöglichkeiten vorfand. Bei seinem Talent natürlich eine tolle Sache. Dadurch konnte er sich bereits mit 18 Jahren sehr erfolgreich der Konkurrenz stellen. Neben viel Talent verfügte er allerdings auch über sehr günstige materielle Voraussetzungen - sein Vater war einer der größten Motorradhändler auf der Insel und bemühte sich, seinem Sprößling das jeweils bestmögliche verfügbare Material zur Verfügung zu stellen. So erwarb Vater Stan vom legendären John Surtees eine der damals gefragten Sportmäxe und als "Zweitfahrzeug" kam noch eine Norton für die 350er Klasse hinzu. Die zahlreichen Kurzstreckenrennen im Frühjahr brachten Mike in die nötige Form. Auf der Insel Man hatte Mike gleich in 4 Klassen genannt. Auf den kürzeren Clypse-Kurs, der damals für die kleinen Klassen und die Sidecars benutzt wurde, errang er seinen ersten Podestplatz. Er chauffierte die Sportmax als Dritter über die Ziellinie. Im schwedischen Hedemora wechselte er auf die andere Seite des Podestes, er wurde Zweiter hinter MZ-Werksfahrer Horst Fügner, der zum Saisonende Vizeweltmeister wurde, während Hailwood in seiner ersten GP-Saison die Gesamtwertung als Vierter beendete.

1959, beim Ulster-GP konnte Mike dann die ihm noch fehlende Stufe des Siegerpodestes besteigen. Er gewann die Achtelliterklasse auf seiner Ducati. Man konnte sagen, "Mike the Bike" hatte sich in der WM etabliert und seine Vielseitigkeit für alle Klassen setzte ihm keine Limits. 1960 gelang es ihm mit einer Einzylinder von Norton den Mountain-Kurs auf der Isle of Man mit mehr als 100 Meilen/h zu umrunden und nebenher probierte er auch noch einen Lotus-Rennwagen aus. Nachdem er 1961 den WM-Titel für Honda in der Viertelliterklasse erreicht hat, bugsierte er seine private Norton am Sachsenring 1961 hinter MV-Werksfahrer Hocking auf Platz 2 (Bild), vor dem Österreicher Bert Schneider, dem späteren Suzuki-Werksfahrer. Mit der Norton wurde er im gleichen Jahr Vizeweltmeister und im darauffolgenden Jahr 1962 auf eben dieser Werks-MV Weltmeister. Hocking war 1962, nach dem tödlichen Unfall seines Freundes Tom Phillis auf der Insel Man vom Motorradrennsport zurückgetreten. Doch welche Tragik, Hocking verunglückt im Winter in Südafrika in einem Formel-Auto, vermutlich wegen einer plötzlich auftretenden Nierenkolik während der Fahrt.

Alle Erfolge Mike´s aufzuzählen hieße die berühmten "Eulen nach Athen zu tragen". Vier WM-Titel in 4 aufeinanderfolgenden Jahren ist aber schon eine besondere Leistung, vor allem wenn dies in der 500cc Klasse geschieht, der gerne als Königsklasse titulierten. Als "Mike the Bike" 1961 innerhalb der TT-Woche drei GP-Rennen (125cc, 250cc und 500cc) gewann schien das nicht zu wiederholen. Doch genau das geschah 1963 auf dem Sachsenring. Für dieses Kunststück benötigte er nicht eine Woche, wie bei der erwähnten TT, sondern nur ein Wochenende. Und ob dies nicht schon schwierig genug gewesen ist, wechselte er auch noch zwischen vier- und zweitaktenden Motorrädern. Im modernen Sprachgebrauch würde man jetzt sagen:"Mehr Talent und Können geht nicht...". Auf Bitte von Mike hatte MZ-Rennleiter Kaaden ihm eine dieser Zweitakter zur Verfügung gestellt. Leider funktionierte dieses aber nicht so recht und es reichte für den Start nur für einen Platz im Mittelfeld. Da die Machine von Werner Musiol tadellos funktionierte, änderte man sie in Kleinigkeiten entsprechend Mike´s Wünschen. Kurz und gut, Mike befand sich bald nach einer furiosen Jagd an der Spitze des Feldes und gab diese nicht wieder ab.

So ganz nebenbei hatte er sich 1964 und 1965 in ein Formel Auto "verirrt" und ein paar Pünktchen damit eingefahren. Als Honda den Rückzug vom Rennsport 1968 bekannt gab, erklärte auch Mike seinen Rücktritt. Für seine Erfolge bekam er von der Königin die "British Empire Medal" und damit war er "Member of the British Empire", eine ehrenhafte Auszeichnung.

Natürlich darf in einer solchen Kurzbiografie kein Bild von Mike und der legendären Honda-Sechszylinder fehlen.

Nach Honda´s Rückzug vom Motorradrennsport und dem Rücktritt von Mike konnte sich keiner so recht vorstellen, wie Motorsport ohne Mike Hailwood überhaupt funktionieren soll. Als "schwacher Ersatz" für die Zweirädrigen blieb nur ein Wechsel auf vier Räder. Dies tat Mike auch. Er fuhr dann auch so ziemlich alles, was entsprechende Geräusche erzeugte, halbwegs flott war und eben vier statt der früher zwei Räder hatte. Er fuhr Formel 5000, Formel 2, startete bei den 200 Meilen von Daytona, wird in Monza Vierter mit einem Formel-1 Auto von John Surtees, fährt auch die bekannten 24h von Le Mans. Es schien aber, als würde ihm was fehlen. Doch eine Rückkehr zu seinen geliebten zwei Rädern war ihm unmöglich. Ein bestehender Vertrag mit Surtees untersagte ihm das.

Höhen und Tiefen wechselten sich in jenen Tagen bei Mike ab. Erst, 1971, die Geburt seiner Tochter, dann 3 Jahre später, die Geburt seines Sohnes David und 1975 die Hochzeit mit seiner Freundin Pauline. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder bittere Augenblicke. So war ein Unfall am Nürburgring 1974 ein solcher bitterer Moment, als er in seinem McLaren eine schwere Beinverletzung erlitt und das (scheinbar) das Ende seiner rennsportlichen Aktivitäten bedeutete. Im Jahr vorher hatte er eher noch einen freudigen Moment erlebt, der einen Aussage über seinen Charakter trifft. Beim GP von Südafrika zögerte er keinen Moment, als Clay Regazzoni in seinem brennenden Auto eingeklemmt war und Mike ihn, unter Einsatz seines eigenen Lebens, daraus befreite. Für den Schreiber wohl eine seiner größten Leistungen.

1975 zog die junge und glückliche Familie nach Neuseeland und es wurde ruhig um sie - trügerische Ruhe? Ein paar Monate hielt die Ruhe schon an, dann flatterten die ersten Einladungen zu Classic-Veranstaltungen ins Haus. Auf dem Bild links am Start einer solchen Veranstaltung im australischen Amaroo Park. Die Erkenntnis daraus: ich kann´s ja noch und bin erst 38. "Was wäre eine weitere Herausforderung?", so sein nächster Gedankengang. Da kam ja nur die TT auf der Isle of Man in Frage. Für Vielfahrer Hailwood zählte nur ein Start in vier Klassen. Sein Hauptaugenmerk legte er aber auf die Formula 1. Da der Name Hailwood noch immer einen guten Klang auf der Insel hatte, war eine konkurrenzfähige Maschine in Form einer Königswellen-Ducati schnell gefunden. Sogenannte Fachleute waren sich einig, ein Platz im Mittelfeld wäre für ihn ein Erfolg. Sie hatten aber nicht daran gedacht, dass ein Hailwood nicht nur mitfahren wollte. Er wollte gewinnen und er gewann! Im Jahr darauf, also 1979, gleiche Strecke, gleiches Ergebnis. Er fuhr eine Suzuki RG 500 zum Sieg.Es war sein letzter Start bei einer TT, er mußte nichts mehr beweisen! Es war ein zufriedener Mike der die Insel verließ. Zu dem Zeitpunkt konnte weder seine Familie noch seine er sein grausames Ende ahnen. Bei einem Verkehrsunfall am 21. März 1981 kamen er und seine Tochter Michelle ums Leben. Er konnte die Gewissheit mit ins Grab nehmen, er hatte in seinem allzu kurzen Leben alles richtig gemacht. Sohn David und Pauline, seine Witwe können stolz auf ihren Mike sein.

©-Fotos: FBi, Günter Geyler, Wolfgang Müller, Steve Watson, Mr. Page und der Autor.

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