Wenn man es sich zur Aufgabe gemacht hat, mittels kurzer Biografien, die Aufmerksamkeit der Seitenbesucher auf exzellente Motorradrennfahrer vergangener Zeiten zu lenken. Wenn dann dazu nicht nur die sportlichen Erfolge bemerkenswert waren, sondern von mehreren seiner Konkurrenten auch noch seine menschlichen Qualitäten hervorgehoben worden sind, dann muß es sich wohl um eine außergewöhnliche Persönlichkeit gehandelt haben. Sein Name lautet

Freddie Frith

* 30.05.1909 - † 24.05.1988



Der Geburtsjahrgang 1909 des in Grimsby in der Grafschaft Lincolnshire geborenen Engländers war vielversprechend, denn im gleichen Jahr wurden auch die späteren Weltmeister Fergus Anderson und auch HP Müller geboren. Allerdings konnte damals keiner ahnen, wie erfolgversprechend sich dieser Geburtsjahrgang für mögliche Rennfahrer erweisen sollte. Der erlernte Beruf von Freddie als Steinmetz ließ wirklich nicht auf eine zu erwartende erfolgreiche Karriere schließen.

Wie viele Jugendliche hatte er auch ein Faible für Zweiräder und wie viele seiner Altersgruppe wollte er sich auch gerne mit ihnen vergleichen wer der Schnellste ist. Dazu boten die zahlreichen "Short-Circuits" Veranstaltungen in den East Midlands eine gute Gelegenheit. Die Short Circuits sind Strecken oft in Parkanlagen gelegen und meist nur wenig länger als eine Meile. Durch seine Erfolge in dem Genre fand Freddie Gefallen am Rennsport und einige Aufmerksamkeit bei mit dem Rennsport Verantwortlichen. So meldete Freddie sich 1935 für den Manx Grand Prix an, die Amateurrennen auf der legendären Isle of Man - mit durchschlagenden Erfolgen: er gewann das 350cc Rennen und wurde beim Rennen der Halbliterklasse Zweiter.

Nachdem er so eindrucksvoll seine Visitenkarte in der Zweiradszene abgegeben hatte, veranlaßte das die Führungsriege von Norton, dem Mann aus Grimsby für 1936 einen Werksvertrag für 1936 anzubieten. Sie sollten es nicht bereuen. Gleich im ersten Jahr seiner Zugehörigkeit zum Werksteam gewann er den Großen Preis von Europa auf dem Sachsenring und durfte sich Europameister nennen. Das war der in jener Zeit der höchstmögliche Titel für einen Rennfahrer. Erst ab 1938 wurde dieser Titel nach einer Punktewertung mit mehreren Rennen ausgetragen. Bis dato galt, daß vor jeder Saison eine Veranstaltung als Großer Preis von Europa ausgetragen wird und die Sieger der einzelnen Klassen durften sich Europameister nennen. Eine Weltmeisterschaft gab es noch nicht. Die wurde erst ab 1949 ausgetragen.

Beim Rennen am Sachsenring war Fleischmann vom Start weg auf seiner NSU in Führung gegangen vor Frith. Dann wurde er allerdings vom Norton-Mann überholt. Bei der Verfolgungsjagd übertrieb es der Amberger wohl etwas, praktizierte einen Rutscher in der Queckenbergkurve, schob seine NSU an die Boxen um noch eine Kerze zu wechseln. Dann ging es erneut auf Verfolgungsjagd von Frith. Inzwischen war allerdings ein großer Teil des Starterfeldes am Heiner vorbeigegangen. Von der Spitze kontollierte der Norton Star nun seine Kontrahenten und gewann mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 117,8 Km/h. Heiner Fleischmann hatte sich bei seiner Verfolgungshatz noch auf einen dritten Platz vorgearbeitet, knapp hinter Teamkollege Oskar Steinbach. Hinter Fleischmann überquerten als nächste die Velocette Fahrer Ted Mellors und Ernie Thomas die Ziellinie vor dem Schwede Bagenholm auf einer Husqvarna.

So ganz überraschend kam Freddie's Erfolg nicht. So hatte er vorher im Jahr bereits die 350cc Klasse auf der Isle of Man gewonnen und war Dritter geworden in der Halbliterkategorie, hinter James Guthrie und Stan Woods.

Seine Affinität zur Inselstrecke in der irischen See zeigte Frith 1937. Er gewann nicht nur die 500cc Klasse in dem Jahr, sondern umrundete den über 60 Kilometer langen Inselkurs als erster Fahrer der Inselgeschichte mit mehr als 90 Meilen/h, exakt 90,27.

Leider unterbrach der Krieg die Karriere des Mannes aus Grimsby. Seinen Armeedienst versah er als Fahrlehrer, zusammen mit einem Fahrerkollegen, "Crasher" White. Nach den Kriegswirren ging es natürlich weiter mit dem Rennsport. Er hatte nur das Fabrikat gewechselt. Statt einer Norton fuhr er nun eine Velocette, von der er glaubte, dies sei die erfolgversprechendere Marke. Wie recht er doch haben sollte. Im Jahr 1948 gab es erneut die Regelung mit dem einen Grand Prix von Europa. Dieser fand das Jahr auf dem Kurs in der Provinz Ulster statt, unweit von Dundrod. Er wurde als Sieger der 350er Klasse erneut Europameister. Das folgende Jahr brachte dann den endgültigen Durchbruch. Es wurden mehrere Rennen pro Klasse für eine Serie gewertet und diese Serie nannte sich erstmals Weltmeisterschaft. Für den Sieger gab es 10 Punkte, der Zweite wurde mit 8 Punkte belohnt. Für den dritten Platz gab es noch 7 Punkte. Die als Vierter und Fünfter einkommenden Fahrer erhielten noch 6 respektive 5 Punkte. Ein Novum: für den Pilot mit der schnellsten Runde gab es einen Bonuspunkt, vorausgesetzt er beendete das Rennen. Am Saisonende wurden die Punkte addiert und Weltmeister wurde der Fahrer mit den meisten Punkten. Eigentlich müßig zu fragen wer denn der erste Weltmeister der 350 cc Klasse war: natürlich Freddie Frith. Er gewann alle 5 zur Wertung gehörenden Rennen. Zusätzlich fuhr er noch in (fast) allen Rennen die schnellste Runde. Fast deswegen, weil er sich in Spa den Punkt für die schnellste Runde mit seinem Landsmann Dave Whitworth teilen musste, Zeitgleichheit. Eigentlich nur ein kleiner Schönheitsfehler. In Assen war der Schönheitsfehler ein wenig größer. Freddie hatte nur die zweitschnellste Rennrunde gefahren. In der letzten Runde unterbot nähmlich der AJS-Werksfahrer Ted Frend die bis dato schnellste Zeit von Freddie Frith. Frend war durch einen Rutscher zurückgefallen und schaffte es bei seiner Aufholjagd nur bis zum 6. Platz. Auf der IOM war in der Halbliterklasse ähnliches geschehen. Les Graham war zurück gefallen, erhielt aber für einen zehnten Platz noch den einen Punkt für die beste Rundenzeit. Als ich Ted 50 Jahre später in seinem Heim besuchte, konnte er nur herzhaft lachen über den Fauxpas der Veranstalter. "Es war ja nur eine unbedeutende Kleinigkeit", so sein Kommentar, "und außerdem hat es der Freddie verdient, denn er war der Beste und zusätzlich noch ein wirklicher Gentleman".

Für seine Erfolge und seine menschlichen Qualitäten wurde Freddie Frith noch mit dem Orden OBE geehrt, eine Auszeichnung für verdiensvolle Menschen im Königreich.

Er beendete mit dem Titelgewinn seine Karriere und eröffnete in seiner Heimatstadt Grimsby ein Motorradgeschäft. Außerdem übernahm er für einige Zeit ehrenhalber den Vorsitz der TTRA, einer Vereinigung aller ehemaligen TT-Fahrer. Ehrenhalber führte dieses Präsidentenamt auch der auf dem einen Bild zu sehende Ire Ernie Lyons aus.

Kurz vor seinem 79. Geburtstag schied Freddie aus dieser Welt. Good bye Gentleman...

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