AJS-Werksteam 1949 - Reg Armstrong, Bill Doran, Les Graham, Ted Frend

Edward J. "Ted" Frend

03.11.1916 - 06.09.2006

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Es ist sehr schwierig, einen Bericht über einen großartigen Rennfahrer und Menschen zu schreiben, von dessen Ableben man erst vor wenigen Stunden erfahren hat (dieser Bericht datiert aus dem Jahr 2006) und mit dem einen mehr verbunden hat als nur der Respekt vor seiner sportlichen Leistung.
Begonnen hatte unsere Verbindung vor etwa 25 Jahren, als ich Ted per Post um ein Autogramm von ihm gebeten hatte. Relativ schnell erhielt ich Antwort von ihm, in der er zum Ausdruck brachte, wie sehr er sich über meinen Brief gefreut habe. Er zeigte sich erstaunt darüber, daß man sich noch über 25 Jahre nach dem Ende seiner Karriere an ihn erinnerte, noch dazu in "Übersee". In England gilt bekanntlich alles außerhalb der britischen Inseln als "Übersee". In der Folgezeit entstand ein mehr oder weniger intensiver Briefverkehr und es dauerte nicht lange, bis eine Einladung zu einem Besuch folgte. Es war für Ted und seine sehr nette Frau Kathleen nicht zu verstehen, daß ich wegen der damaligen politischen Verhältnisse im geteilten Deutschland keine Möglichkeit hatte, diese Einladung anzunehmen.

Bereits wenige Wochen, nach dem die deutsche Einheit Wirklichkeit geworden war, wiederholte er seine Einladung für einem Besuch in sein Heim in Weybridge. Diesmal musste ich leider wegen der Arbeit und fehlendem Urlaub absagen. Es sollte dann noch bis März 1996 dauern, bis es endlich mit einem persönlichen Kennenlernen geklappt hat. Als Ted erfuhr, daß mein inzwischen leider auch verstorbener Freund Ulrich Floß und ich einen Kurztrip nach London planten, stand fest, wir werden uns treffen. Am Bahnhof von Weybridge wurden wir "wie alte Freunde" von Ted und Kathleen empfangen (Foto oben Ted und Kathleen zusammen mit Freund Ulrich) und es sollte für uns ein unvergeßlicher Tag werden.
Voller Stolz präsentierte uns Ted seine noch immer vorhandene Liebe zu den Motorrädern. Er fuhr seine Honda aus der Garage und meinte nur, auf eine entsprechende Frage, ob er etwa damit auch noch fahre: "selbstverständlich, auch wenn dieses Ding schneller ist als so manche meiner früheren Rennmaschinen". Vergessen wir nicht, Ted war zu dem Zeitpunkt bereits fast 80 Jahre alt!

Nachdem uns Ted sein "Spielzeug", wie er meinte, gezeigt hatte, lud er uns zu einer Fahrt zur nahe gelegenen Brookland-Bahn ein, auf der er vor dem zweiten Weltkrieg seine ersten Rennerfolge erzielte. Auch ein Besuch des Brookland-Museums (Foto unten rechts) stand in seinem Programm für unseren Besuch. Dort erfuhren wir auch von seiner Liebe zu den Flugzeugen und das er mit über 70 Jahren noch den Flugschein gemacht hatte. Das sagt eigentlich alles aus über seine körperliche Verfassung, auch noch in relativ hohem Alter. Auch wenn so ein Tag viel zu schnell vergeht, so blieb uns doch noch einige Zeit in seinem trauten Heim, gemütlich (Foto unten links) über den Rennsport zu plaudern. Um so schwerer fiel uns, und wie ich spürte, auch Ted und Kathleen, der Abschied. Von Kathleen war es ein Abschied für immer. Nur wenige Monate danach erhielt ich von Ted einen Anruf, in dem er mir mit zitternder Stimme mitteilte. Sie war einem Krebsleiden erlegen, von dem wir nichts geahnt hatten. Noch heute bedauere ich, daß meine Kenntnisse der englischen Sprache einfach zu gering sind, um ihm mehr tröstende Worte sagen zu können, als ich es getan habe. Gibt es aber überhaupt passende Worte, wenn man einen innigst geliebten Menschen verliert?

Als ich sofort nach Ted´s Anruf Freund Ulrich anrief und ihm von Kathleens Tod erzählte, war er auch fürchterlich schockiert. Wir konnten beide allerdings nicht ahnen, daß es auch für Freund Ulrich ein Abschied für immer von Ted und Kathleen gewesen sein sollte. Er verstarb ganz überraschend kurz vor dem Weihnachtsfest 1999.
Natürlich hatte ich, trotz aller Tragik, die Verbindung zu Ted aufrecht erhalten. Natürlich war er auch konsterniert, als ich ihm vom Tod meines Freundes berichtete. Knapp zwei Monate später hat er mich dann erneut eingeladen, ihn zu besuchen, was ich im März 2000 auch getan habe. Wir fuhren zusammen zu seinem alten Freund, dem einstigen Norton-Werksfahrer Johnny Lockett, an die Kanalküste, wo es wie selbstverstänlich im Gespräch um die "alten Zeiten" im Rennsport ging. Für die alten Freunde war es ein Wiedersehen nach längerer Zeit und für mich die erste und einzige Begegnung mit dem einstigen Norton-Heroen (Foto unten).

Als wir uns von Johnny verabschiedeten, sollte es leider wieder einmal, für Ted und mich, ein Abschied für immer gewesen sein. Der reichlich ein Jahr älter als Ted Frend gewesene Johnny Lockett verstarb im August 2004.
Für alle diejenigen, denen vielleicht der Name Ted Frend nicht soviel sagt, möchte ich noch einige Höhepunkte und Geschichten aus seiner Karriere erwähnen.
Seine Karriere hatte er vor dem zweiten Weltkrieg auf seiner "Hausstrecke", der Brookland-Bahn, begonnen. Bald stellten sich auch erste Erfolge ein, doch der Krieg verhinderte dann einen schnellen Aufstieg. Doch schon in den ersten Nachkriegsjahren setzte er seine Karriere fort. 1947, schon über 30-jährig, wusste er bei der Senior-TT auf der Isle of Man mit einem hervorragenden vierten Platz auf seiner Norton zu überzeugen und erhielt ein Angebot von AJS. So "nebenher" hatte er auch noch eine kleine Metallbaufirma gegründet, um sich wirtschaftlich abzusichern. Keine Frage, durch seinen Status als AJS-Werksfahrer erhielt seine Firma, die durch Qualitätsarbeit sich ein gewisses Renomee geschaffen hatte, auch den Auftrag für die Herstellung der Tanks für die AJS-Rennmaschinen. Mit einem Lächeln im Gesicht erzählte Ted, daß es nur ein einziges mal bei der Herstellung einen Fabrikationsfehler gegeben hat und das ausgerechnet bei dem Tank von der Maschine, die er selber fuhr - Schicksal wie bist du hart. Nachdem Ted 1948 sowohl in der Junior-TT als auch in der Senior-TT durch technische Defekte an seinen Werksmaschinen nicht die Zielflagge gesehen hatte, schien 1949 ein besseres Jahr für ihn zu werden. In der 350 cc Junior-Klasse erreichte er einen exzellenten achten Rang. In der 500 cc Senior-Klasse (Fotos oben bei Quarter-Bridge und rechts am Start, zusammen mit Norton-Werksfahrer Harold Daniell) sah er allerdings erneut keine Zielflagge. Insgesamt sah er aber für sich selber die erste WM-Saison überhaupt als sehr zufriedenstellend an. Die Saison zeigte, er war ein ernst zu nehmender Konkurrent im Feld der Weltelite. So führte er zum Beispiel beim GP der Schweiz, zusammen mit dem späteren Weltmeister Les Graham, das Rennen der Halbliterklasse an. Dabei fuhr er auch die schnellste Runde. Doch dann übertrieb er etwas und stürzte. Aus war es dadurch mit den ersten WM-Punkten und auch der Punkt für die schnellste Runde konnte ihm nicht gutgeschrieben werden, da er ja das Rennen nicht beendete, wie es das Regelwerk verlangte. Eine ähnliche Situation in der 350 cc Klasse in Assen. Durch technische Probleme war er schon weit zurück gefallen. Als aber die AJS und auch Ted dann den richtigen Speed gefunden hatten, kämpfte er sich noch, auf den 1949 noch punktelosen, sechsten Rang nach vorne. Wie die Zeitmessung ergab, fuhr er noch in der letzten Runde die schnellste Rundenzeit dieser Klasse. Jetzt aber übersahen die Funktionäre das Regelwerk, welches ja besagte, daß der Fahrer mit der schnellsten Runde einen WM-Punkt erhält, falls er das Rennen beendet und als Sechster hatte Ted ja die Schlußflagge gesehen. Wieder war es nichts mit dem ersten WM-Punkt für ihn.
Ein Jahr später, 1950, hatte dann Glücksgöttin Fortuna endlich ein Einsehen mit dem Fahrkönnen und dem nimmermüden Einsatz von Ted Frend. Bei der TT auf der Isle of Man und im Berner Bremgartenwald erkämpfte er in der 350 cc Klasse jeweils fünfte Plätze. Im belgischen Spa-Francorchamps gelang ihm sogar in der Halbliterklasse der Sprung auf das Siegerpodest - er wurde hervorragender Dritter. Bei diesem Rennen mußte er leider auch mit anschauen, wie ein sehr hoffnungsvoller Fahrer, der Irländer Artie Bell, schwer zu Sturz kam. Ein gelähmter Arm und weitere Gebrechen beendeten leider die Laufbahn eines aufstrebenden Talentes. Wie ich Ted verstanden habe, war es für ihn der Grund, mit der Rennerei langsam aufzuhören und sich vermehrt um seine kleine Firma zu kümmern. Nach zwei Jahren Rennpause gelang es dann Harold Daniell, wie oben zu sehen einst selber aktiv und nun ein großer Norton-Händler in London, Ted Frend zu einem Comeback auf der Isle of Man zu überreden. In der Junior-Klasse fuhr er mit, wie Ted meinte, mit 80% Einsatz auf einen 17. Platz. Weil ihm die Rennerei immer noch Freude machte, legte er im darauffolgenden Senior - Rennen noch ein paar Prozent an Einsatz drauf, was ihm am Ende Platz sieben bescherte (im Foto links schiebt Ted die Maschine zur Abnahme, während Harold Daniell zuvorkommend im Hintergrund bleibt). Ein Jahr darauf folgte dann auf der Isle of Man noch ein weiterer Versuch in der Senior-Klasse, welcher mit einem Ausfall endete. Das war es dann endgültig für Ted Frend mit dem Rennsport, nicht mit dem Motorradfahren (siehe oben). Die Liebe für Zweiräder begleitete ihm praktisch fast bis zu seinem Lebensende.

Es erfüllte mich mit tiefer Trauer, als ich vom Ableben eines so exzellenten Rennfahrers und großartigen Menschen erfahren habe. Gleichzeitig erfüllte es mich aber mit ein wenig Stolz, daß ich das Glück hatte, Ted Frend und seine liebenswerte Frau Kathleen kennenlernen zu dürfen.

Ruhe sanft in Frieden...




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