Zu meiner Schande muß ich eingestehen, dass ich erst durch einen aufmerksamen Besucher meiner Webseite im Gästebuch daran erinnert wurde, daß ein frazösisch-deutsches Gespannpaar vor 55 Jahren, just als die aktuellen Fahrer 2013 zum Abschlußtraining beim WM-Lauf in Brno antraten, in Brno tödlich verunglückt waren. Das länderübergreifende Gespannpaar waren der Franzose

Jacques Drion mit Inge Stoll


aus Breinig bei Stolberg im "Pantoffel".

alsIn gewisser Weise war die junge Frau Ingeborg Stoll motorsportlich vorbelastet, denn ihr Vater war selbst Sidecar-Fahrer, mit der Mutter im Beiwagen. Die Mutter wurde dann aber von der Tochter abgelöst. Als der Vater später sein Lederzeug an den "berühmten Nagel hängte" und Inhaber einer Fahrschule wurde, war der Weg zu einer rennsportlichen Karriere für Tochter Inge vorgegeben. An dieser Stelle sollte ich auch gleich noch vermerken, daß man in älterer Literatur oder Programmen den Name Stoll-Laforge findet. Eine plausible Erklärung dafür konnte ich nicht finden.

Was anfänglich wie eine Sensation wirkte, eine Frau im Beiwagen eines harten Männersports, war aber keine. In der Schweiz hatte es bereits vor dem Krieg eine Gespannpaarung gegeben, bei der sich Hans Stärkle mit seiner Ehefrau erfolgreich im Gespannsport beteiligte und auch Fritz Mühlemann mit Ehefrau Marie war aktiv im Rennsport tätig. Später waren noch das Ehepaar Lambert erfolgreich auf Rennpisten unterwegs und auch die Deutsche Armgard Neumann brauchte sich im harten Gespannsport nicht zu verstecken. Man möge mir verzeihen wenn ich an dieser Stelle nur einige wenige Amazonen hier erwähne. Den Respekt haben alle verdient, die sich in der "Männerdomaine" betätigten und auch behaupteten.



Nachdem der Engländer Bob Onslow als Passagier mit dem Gespann von Cyril Smith liebäugelte und sich dort offenbar mehr Chancen versprach, kam die Zeit von Inge Stoll. Die Paarung Drion-Stoll wurde fortan ein Begriff in der Sidecarszene. Zweiter Platz auf dem Norisring, zweiter Platz auch auf dem Grenzlandring und Dritter beim Hamburger Stadtparkrennen. Auf diesen Ergebnissen konnte man eine internationale Karriere aufbauen. Nach einem großartigen WM-Auftakt im Jahr 1952 im Berner Bremgarten, als man gleich mit als Dritter auf das Treppchen durfte, folgte eine WM-Saison ohne Ausfälle und beim letzten Lauf in Monza konnte man sogar den Weltmeister des Jahres, Cyril Smith, hinter sich lassen und wurde Zweiter. Nur der Exweltmeister Eric Oliver, der während der Saison wegen Verletzung lange gefehlt hatte, hielt das französisch-deutsche "Traumpaar" auf Distanz und gewann das Rennen.

Das große Problem, respektive das Pech dieser Traumpaarung war, dass gerade in jener Zeit deutsche Gespanne sich in den Vordergrund schoben. Noll/Cron, Faust/Remmert, Hillebrand/Grunwald, Schneider/Strauß und einige mehr, sie alle hatten einen ähnlichen Ruf wie Werner Haas, HP Müller oder Walter Zeller in den Soloklassen.

Eine interessante Unterhaltung gab es möglicherweise im Bild rechts, als sich Jacques Drion und Manfred Grunwald im Gespräch befinden und Friedrich Hillebrand, sowie Inge Stoll interessierte Zaungäste zu sein scheinen. In den Fahrerlagern war es ja ein offenes Geheimnis, dass sich Manfred Grunwald und Inge Stoll kennen und lieben gelernt hatten. Aber auch Jacques empfand wohl mehr als nur Symphatie für seine Beifahrerin. Das Problem dabei, wie kann unter solchen Liebeszwist noch eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Gespann möglich sein. Es war über eine gewisse Zeit offenbar möglich, wie die erreichten Ergebnisse zeigten.

Zu Jahresbeginn 1958 gab Inge für das Saisonende ihren Rücktritt vom Rennsport bekannt. Diese Entscheidung verfestigte sich, nachdem Sie im Frühjahr Manfred Grunwald geheiratet hatte. Der hatte im Jahr vorher einen Unfall mit Fritz Hillebrand heil überstanden. Leider war aber sein Fahrer Fritz Hillebrand bei dem Crash in Spanien ums Leben gekommen, als bereits feststehende Weltmeister.

Als nunmehriger Ehemann begleitete Manfred Grunwald seine Frau zu vielen Rennen, bis zu dem tragischen Rennen Brünn. Bei dem Unfall war Inge Stoll-Grunwald sofort tod, während Jacques Drion noch am gleichen Tag im Krankenhaus verstarb. Über den Unfallhergang ranken sich viele Geschichten, aber ich möchte mich an den Spekulationen - und mehr ist es nicht - nicht beteiligen. Fakt ist nur, der Unfall passierte an einer Stelle des Kurses an welcher der Beifahrer "flat out" im Beiwagen lag und "nicht turnte". Da es keine Unfallzeugen gab, eben weil es an der Stelle normalerweise "keine Action" gab, steht alles andere in den Sternen.....

Ganz banal, aber der Vollständigkeit halber erwähnt: das Rennen gewann Florian Camathias mit Horst Kassner (ja es war der Sportmax-Fahrer) als Aushilfsbeifahrer im Boot.

Fotos: Rudolf Steber, Günter Geyler, Claude Lambert, Archiv FBi

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