Eigentlich wollte ich an der Stelle an welcher ich jetzt das Porträts des Fahrers eingefügt habe eine Landesfahne oder ein Wappen einfügen. Das ist aber garnicht so einfach. In dieser Region gibt es leider bis zum heutigen Tag gelegentlich Zwischenfälle, die durchaus ernst zu nehmen sind. Um allen möglichen Eventualitäten aus dem Weg zu gehen habe ich, was ja auch nicht schlechter ist, einfach ein Bild des Fahrers gewählt. Es handelt sich um den in Belfast - jetzt wissen Sie auch gleich um welche Region es geht - geborenen

Ralph Bryans

Der Nordire, geboren am 7. März 1941, kann auf eine erfolgreiche Karriere als Motorradrennfahrer Rückschau halten.

Als ausgebildeter Automechaniker brachte er alle Voraussetzungen mit, um sich einen fahrbaren Untersatz für rennsportliche Einsätze selbst aufzubauen. Das geschah nicht nur aus Freude an der Sache, sondern einfach aus der Notwendigkeit knapper Finanzen heraus. Man sieht, auch früher spielte das Geld schon eine besondere Rolle. Aus gebrauchten Teilen baute er um einen 197 cc Villiers Spezial Motor herum ein, wie er hoffte, wettbewerbsfähiges Zweirad zusammen. Weil es bei seinem ersten Renneinsatz regnete und weil er die Straßen in seiner Umgebung natürlich bestens kannte, konnte er die meist überlegene Motorleistung seiner Konkurrenten kompensieren und brachte gleich in seinem ersten Rennen einen Sieg nach hause.

Natürlich geben solche Erlebnisse Hoffnung und für eine Fortsetzung seiner Karriere stand daher nichts mehr im Weg. Für das folgende Jahr 1960 baute sich Ralph eine 150 cc Viertakter Triumph auf und siehe da, mit dieser Maschine gewann er die 200 cc Irische Meisterschaft. Wieder ein Jahr später, 1961, "meldete sich ein Sport Enthusiast mit einer Menge von Geld", so die persönliche Aussage von Ralph, "und erwarb für ihn eine 350 cc Manx Norton", mit der er die 350 cc Irische 25 Meilen Meisterschaft gewann. Eine Rennserie auf reinen Straßenkursen.

Auch 1962 gewann er mit der Manx viele Rennen und wurde Irischer Champion. Der Enthusiast, heute Sponsor genannt, war zufrieden mit seinem Schützling. Die Qualitäten von Ralph hatten sich im "Königreich" wohl herumgesprochen, denn für 1963 erhielt er mehrere Angebote - Vollbeschäftigung war angesagt. Der bekannte englische Motorradhändler Fron Purslow, einst selbst als Fahrer aktiv, stellte ihm eine 125 cc Honda und 250 cc Benelli für die Rennen in England zur Verfügung. Sein irischer Landsmann Joe Ryan offerierte ihm jeweils eine Norton für die Klassen bis 350cc und 500 cc. Und, als ob die Aktivitäten noch immer nicht genug waren, meldete sich gegen Jahresende Bultaco aus Spanien, um für drei Rennen ihre Maschinen zu fahren. Da kann man schon von einem erfolgreichen Jahr sprechen wenn man zahlreiche Siege eingefahren hat, so nebenher in den beiden größeren Klassen Irischer Meister geworden ist und als Krönung von Bultaco ein Werksvertrag über die gesamte Saison 1964 vorgelegt und unterzeichnet wird.

Welch ein Schreck (im positiven Sinn), gleich im Januar 1964. Aus Japan von Honda kam eine Anfrage, ob Ralph die neu entwickelte 125 cc Maschine einmal testen würde? Wenn Honda ruft kann man nicht nein sagen - früher wie heute! Ralph begab sich also Richtung ferner Osten, um die neue Vierzylinder der Achtelliterklasse zu testen. Mit einer Verbesserung des bestehenden Rundenrekords auf der Suzuka - Strecke überzeugte er die Japaner von ihrer Entwicklungarbeit und von seinen fahrerischen Qualitäten. Ergebnis: ein unterschriftsreifer, lukrativer Werksvertrag wurde ihm angeboten. Einesteils war das Angebot ehrenvoll für Ralph, aber er konnte andererseits den Honda - Oberen natürlich nicht verheimlichen, dass er bereits bei Bultaco für 1964 unterzeichnet hatte. Auf die Frage der Honda - Manager, ob er denn überhaupt interessiert sei, kam natürlich ein ja, aber... Das aber stellte natürlich für Honda kein Problem dar. Ein interessantes finanzielles Angebot von Honda an Bultaco flatterte kurz danach den Spaniern ins Haus und Ralph´s Vertrag bei Bultaco wurde aufgelöst und mit Honda neu geschlossen.

Das der Vertrag mit Honda auch für die Japaner vorteilhaft war zeigte Ralph gleich im zweiten Jahr seiner Werksfahrertätigkeit. Er gewann für sie 1965 die Weltmeisterschaft in der 50 cc Klasse.

An dieser Stelle sei auch gleich auf die Vielseitigkeit des Briten hingewiesen, denn er gewann von 50 cc bis 750 cc in allen Klassen, sowohl bei WM - Rennen als auch bei "normalen" internationalen Rennen. Zwei- oder Viertakter, alles kein Problem für den gebürtigen Belfaster.

Für die Wertschätzung seitens Honda spricht auch die Tatsache, dass man ihm auch die Sechszylinder in der Viertelliterklasse anvertraute, so zum Beispiel 1967 am Sachsenring. Leider beendete Honda die motorsportlichen Aktivitäten mit Ende des Jahres 1967. Die zweitaktende Konkurrenz von Yamaha und Suzuki zerstörte Honda´s Überzeugung vom Viertakter. Damit verbunden beendete Ralph auch seine Grand Prix Karriere. Mit privaten Maschinen fuhr er noch Rennen auf der Insel, aber im May 1970 war dann endgültig Schluß für Ralph. Auf einer Vierzylinder Honda in der Viertelliterklasse fand mit einem Sieg bei den North-West 200 in Irland seine Karriere einen würdigen Abschluß.
Am 6. August 2014 hörte - nach schwerer Krankheit - sein Herz viel zu früh auf zu schlagen.
© Text: Rolf Eggersdorfer - Fotos: G.Geyler,FBi

die WM-Resultate von Ralph Bryans


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