Am 29. Dezember 2010 jährt sich sein Todestag zum 28. mal und leider werden sich nur wenige eingefleischte Kenner der Szene an ihn erinnern.

Jack Brett


Motorrad Grand Prix Sieger

England



Wenn ein Rennfahrer eine so ungewöhnliche und erfolgreiche Karriere wie der am 17.6.1918 in Leeds/GB geborene Jack Brett hinter sich gebracht hat, dann war ich der Meinung, es würde kein Problem werden, über den gelernten Schneider genügend Material für einen kurzen Bericht zu finden. Leider mußte ich aber bei meinen Recherchen feststellen, daß dem nicht so ist. Um so mehr reizt es mich, eine doch recht ungewöhnliche Rennfahrerlaufbahn zu "beleuchten".
Jack An den Rennsport heran geführt wurde Jack Brett durch seinen um sechs Jahre älteren Bruder Charlie. Er fuhr mit ihm zur TT auf die Isle of Man und es gefiel ihm - nur selber fahren, das war nicht sein Ding.
Bis 1939 arbeitete er in seinem angestammten Beruf als Schneider. Dann wurde er in die Armee als Artillerist verpflichtet, wo ihn der Weg nach Frankreich und zur Britischen Rheinarmee nach Deutschland führte.Im Range eines Feldwebels beendete er seine Armeezeit. Außer ein paar unterstützende Tätigkeiten für seinen rennfahrenden Bruder Charlie war seine Verbindung zur Rennszene bis dato gleich null. Jack erhielt dann eine Anstellung bei einem Motorradhändler in Leeds, womit nun auch eine engere Verbindung zur Rennszene geknüpft worden war.
Mit nunmehr 28 Jahren fuhr er 1946 beim Manx Grand Prix - die Amateurvariante auf der Isle of Man - sein erstes Rennen, mit beachtlichen Erfolgen. Ein sechster Platz in der Lightweight - Klasse (bis 250 cc) und ein siebenter Platz bei den Seniors (Klasse bis 500 cc) konnte sich sehen lassen. Dabei erreichte er den siebenten Platz mit einer 350 cc Velocette und war damit bester 350 cc Fahrer. Jetzt konnte man sagen, Jack Brett war im Rennsport "angekommen".
JackVerständlich, 1947 folgte auf der Isle of Man nun der Start bei den "Profis" und auch der erste Auslandsstart im belgischen Spa. Inzwischen war er maschinell zur Marke Norton gewechselt. Ab 1949 hatte sich in der Szene auch eine Weltmeisterschaft etabliert und die Isle of Man TT war die zweite Veranstaltung in dieser WM - Serie 1949. Platz 42 und Platz 30 in beiden von ihm bestrittenen Rennen entsprachen weder seinen inzwischen bekannt gewordenen Fähigkeiten noch seinen Wünschen. Alan Hallen, ein britischer Motorradhändler, erkannte trotz der schlechten Platzierungen die wirklichen Fähigkeiten von Jack Brett und besorgte ihm für 1950 ein paar neue Nortons. Platz 15 und Platz 9 in beiden Klassen im Feld der Weltelite zeigte das wirkliche Leistungsvermögen von Jack Brett.
Als der Norton - Werksfahrer Dickie Dale vor der TT erkrankte, erhielt Jack Brett vom renomierten Norton Rennleiter Joe Craig die Werksmaschinen von Dale zu fahren. Ein dritter Platz in der 350 cc Klasse bescherte dem Mann aus Leeds seinen ersten Podestplatz bei der TT und in der WM. Auch folgte jetzt seine erste komplette WM - Saison und das im Alter von 33 Jahren. Zum Saisonende sprang für Jack ein fünfter WM - Endrang in der 350 cc Klasse heraus - welch ein Aufstieg !!!
Im Herbst dieses Jahres erhielt dann Jack das famose Angebot, 1952 die neuen AJS Boy-Racer im Werksteam zusammen mit Bill Doran und Rod Coleman zu fahren. Ein solches Angebot konnte er sich natürlich nicht entgehen lassen. Und dann kam als weiterer Karrierehöhepunkt für Jack der 18. Mai 1952 und das 500 cc - Rennen im Berner Bremgarten. Am Tag vorher war er bereits in der 350 cc Klasse exzellenter Vierter geworden und nun kam als weitere Steigerung dieses Rennen in der Halbliterklasse im Kampf gegen die Besten der Welt. Fast drei Viertel der Renndistanz führte Norton - Star Duke, aber der schied dann wegen eines technischen Defektes aus. Also ging es für die Duke verfolgenden Fahrer plötzlich um den Sieg. Dabei wurde Jack Brett immer schneller und konnte sich aus einer Dreiergruppe, bestehend aus ihm, Teamkollege Doran und Dave Bennett auf der Werksnorton, noch absetzen. Jack Brett holte seinen ersten Grand Prix Sieg. Bei der Verfolgungsjagd hatte sich leider Dave Bennett übernommen und verunglückte tödlich. An der gleichen Stelle übrigens, an der auch im vorherigen Sidecarrennen der Italiener Ercole Frigerio bereits zu Tode gekommen war. Ein Schatten lag also leider über dieser Veranstaltung.
Jack Jack Brett, der sich in seinem Innersten immer mit der Marke Norton verbunden fühlte, fragte trotz erfolgreicher AJS Auftritte zum Saisonende bei Norton an, ob er für 1953 wieder zu ihnen kommen könnte. Dem legendären Norton Rennleiter Joe Craig kam diese Anfrage zur richtigen Zeit, hatten doch nahezu alle Spitzenfahrer jener Tage für 1953 lukrative Verträge bei den italienischen Firmen mit ihren Mehrzylinder - Maschinen unterzeichnet. Eine Bedingung stellte Craig allerdings an Jack Brett, nämlich, daß er künftig seine relativ lockere Einstellung zum Rennsport ändern müsse. Im Klartext bedeutete das: no smoking, no drinking und mehr Fitness. Es gelang schließlich Craig, seinen (alten) neuen Fahrer von der Notwendigkeit dieser Bedingungen zu überzeugen. Als einen ersten Schritt dazu beteiligte er sich im Winter am Konditionstraining eines Fußballteams in seiner Heimatstadt Leeds. Die Saison konnte also beginnen. Mit dem Rhodesier Ray Amm und Ken Kavanagh aus Australien hatte Craig letztlich doch noch ein hochkarätiges Werksteam zusammengestellt. Jack fieberte besonders seinem Heim-Grand-Prix auf der Isle of Man entgegen. Ein vierter Platz in der Klasse bis 350 cc und ein zweiter Platz in der Halbliterklasse waren dann letztlich auch kein schlechtes Ergebnis für einen nunmehr 35-jährigen. Auf dem Foto oben wird Jack zu seinem großartigen zweiten Platz vom Gilera - Werksfahrer Reg Armstrong beglückwünscht, der selber Dritter geworden war. Sieger des Rennens war Brett´s Teamgefährte Ray Amm geworden.
Jack Trotz einiger sehr respektabler Resultate der Norton - Fahrer 1953 und 1954 war abzusehen, die große Zeit der Einzylindrigen neigte sich dem Ende zu. Als dann nach Saisonende 1953 auch noch Ken Kavanagh via Italien ging durfte man mit Recht formulieren: das war es dann wohl für Norton... Auf dem Foto ganz oben links sehen wir Jack Brett 1954 auf der Solitude, als er es mit seinem Fahrkönnen noch zu zwei glanzvollen Resultaten schaffte: dritter Platz in der 350 cc Klasse und sechster Platz in der Halbliterkategorie. Die Zuschauer waren begeistert. Joe Craig und die Norton - Leute mußten allerdings einsehen, echte Chancen in der Weltmeisterschaft bestanden nicht mehr, trotz des Supertalent´s Ray Amm und auch nicht trotz der Erfahrung eines Jack Brett. Als dann nach der Saison 1954 auch noch Ray Amm bekannt gab, ab 1955 für MV - Agusta zu fahren, kam auch von Norton die Mitteilung, sich ab 1955 nicht mehr werksseitig am Rennsport zu beteiligen. Man wollte nur noch einigen ausgesuchten Fahrern Material zur Verfügung stellen. Jack Brett gehörte dazu. Übrigens erwies sich der Wechsel von Ray Amm zu MV - Agusta als absolute Tragik - bei einem seiner ersten Einsätze für die Italiener stürzte er zu Tode.
Nun noch ein kleiner Sprung in das Jahr 1957. Das Foto oben zeigt von links Jack Brett, Keith Bryen und John Hartle in Assen. Das Ereignis, um das es aber geht, fand dann eine Woche später im belgischen Spa - Francorchamps statt. Der Italiener Libero Liberati hatte gerade das Rennen der Halbliterklasse vor Jack Brett und dem Australier Keith Bryen gewonnen und wollte zur Siegerehrung schreiten. Die Rennleitung gab ihm aber zu verstehen, daß er kurz vor dem Rennen einen Regelverstoß begangen habe, indem er seine nicht "rund" laufende Werks - Gilera einfach mit jener von Bob Brown, der auch eine Werks - Gilera fuhr, tauschte und dies nicht der Rennleitung mitgeteilt hat. Am gleichen Abend dann das Jury - Urteil: Liberati disqualifiziert und Sieger der als Zweiter eingekommene Jack Brett. Warum und wann das Urteil dann nach einer Berufung wieder umgekehrt wurde, war und ist nirgendwo heraus zu finden. Es hat praktisch auch nicht interessiert, denn auch ohne die Umkehr des ersten Urteils wäre Liberati auf Grund seiner "regulär" erreichten Punkte der Weltmeister 1957 geblieben. Für Jack Brett allerdings bedeutete dies, nur einen statt zwei Grand Prix Siege in seiner Laufbahn erreicht zu haben.
Schon seit einiger Zeit hatte sich der inzwischen 39-jährige Gedanken über sein Leben gemacht und das der Rennsport ja nicht alles sein kann. Er begann, sich mehr seiner Familie, sprich Ehefrau, Junge und Mädchen, zu widmen und suchte nach freier Zeit für sein geliebtes Golfspiel. Nach den Plätzen 17 und 23 in der 350er und 500er Klasse bei der TT 1960 gab er dann den Rücktritt vom Rennsport bekannt.
Was für eine Tragik für den Mann aus Leeds: ausgerechnet bei seinem geliebten Golfspiel, am 29.12.1982, schlug das Schicksal grausam zu. Eine Herzattacke beendete sein Leben im Alter von nur reichlich 64 Jahren. Bleibt mir nur die Hoffnung, daß es mir mit diesen wenigen Zeilen gelungen sein möge, die Erinnerung an eine ungewöhnliche Rennfahrerkarriere und einen netten Menschen wach zu halten.
Die Fotos, respektive die Zeichnung, stammen aus den Archiven von Ted Frend, Cromie McCandless, Keith Bryen und Günter Geyler, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.
19.Dezember 2010




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