©: Johan Kuipers
Fergus Anderson als Sieger Als am 6.Mai 1956 vom belgischen Floreffe aus die Nachricht um die Welt ging, daß der Brite (excuse me, natürlich der gebürtige Schotte)

Fergus Anderson


mit seiner BMW tödlich verunglückt sei, konnte dies so recht kein Rennsportanhänger glauben. Ausgerechnet dem erfahrenen Anderson, der bereits vor dem Krieg als einer der besten Privatfahrer unterwegs war (auch auf dem Sachsenring), ausgerechnet ihm mit seiner eminenten Sicherheit und Erfahrung sollte das Rennfahrerschicksal ereilt haben...? Unfassbar, aber leider die traurige Wahrheit.

Fergus Anderson entstammt dem gleichen Jahrgang 1909 wie der Deutsche HP Müller. Er wurde am 9.Februar 1909 in Wellingford/Schottland geboren. Im Gegensatz zu HP Müller, der bereits vor dem Krieg auf zwei und vier Rädern als Werksfahrer unterwegs war, blieb Fergus Anderson immer den Motorrädern treu. Allerdings war er in der Vorkriegszeit reiner Privatfahrer, mit beachtlichen Resultaten. So belegte er zum Beispiel beim Großen Preis von Deutschland 1935 auf dem Sachsenring in der 350 cc Klasse Rang vier. Als er sich in den Folgejahren durch beständig gute Leistungen auch bei den Werken ins Gespräch gebracht hatte, unterbrach der 2.Weltkrieg seine auf dem Weg nach oben befindliche Karriere.

Nach Kriegsende war er einer der ersten, die den Rennsport wieder in Gang brachten. Praktisch als "Wiederaufbauprogramm" wurden in ganz Europa Motorradrennen durchgeführt und einer der eifrigsten Starter war Fergus Anderson. Da er sich als Privatfahrer eine profunde Kenntnis der Technik angeeignet hatte, war es nicht verwunderlich, dass er praktisch von Sieg zu Sieg eilte. Es schien, als wäre der damals bereits 37-jährige noch lange nicht auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angelangt, was sich letztlich als Tatsache erweisen sollte. Keine Frage, bei so vielen Erfolgen wurden auch die wieder im Entstehen befindlichen Werksrennställe auf den Schotten aufmerksam. So sicherte sich Moto-Guzzi die technischen Kenntnisse und das immer noch vorhandene fahrerische Können von Fergus Anderson. Ihm zur Seite stellte man den zwei Jahre jüngeren Enrico Lorenzetti und den elf Jahre jüngeren Bruno Ruffo.

Bilder von Fergus Anderson im Siegerkranz und beim "Händeschütteln", wie im Foto oben, waren in den Nachkriegsjahren praktisch der bildnerische Alltag geworden. Das die Guzzi-Leute aus Mandello del Lario in den ersten vier WM-Jahren mit Bruno Ruffo und Enrico Lorenzetti dreimal den WM-Titel in der 250 cc Klasse gewannen, war mit Sicherheit auch mit das Verdienst von Fergus Anderson. Während 1953 und 1954 diese Titelserie durch das Großaufgebot von NSU unterbrochen wurde, wechselte Fergus Anderson in den NSU-Jahren in die 350 cc Klasse und wurde in beiden Jahren Weltmeister dieser Klasse - er hatte den Höhepunkt seiner Karriere erreicht, mit fast 45 Jahren. Danach holten mit dem Engländer Bill Lomas (2) und dem Australier Keith Campbell (1) jüngere Fahrer in der 350 cc Klasse mit drei Titelgewinnen für Moto-Guzzi die Kastanien aus dem Feuer. Ende 1957 war dann Schluß bei Moto-Guzzi, nachdem auch in der Viertelliterklasse durch die aufstrebende Konkurrenz aus dem eigenen Land (Mondial, MV-Agusta) Erfolge ausgeblieben waren.
Das größte Problem bei Moto-Guzzi war aber wohl die Tatsache, dass man es in der werbewirksamsten Halbliterklasse, im Gegensatz zu Gilera und MV-Agusta, nie zu WM-Titelehren gebracht hat. Da half leider auch der ganze Einsatz eines Fergus Anderson auch nicht weiter. In der Zeit der Moto-Guzzi WM-Beteiligung zwischen 1949 und 1957 gab es gerade einmal 3 GP-Siege in der "Königsklasse" für Guzzi, von denen zwei Fergus Anderson erreicht hat und ein Sieg fuhr Bill Lomas ein. Auch wenn sich Fergus Anderson nach der Saison 1954 von Moto-Guzzi zurückgezogen hatte, der Rennbazillus blieb weiter in ihm. So trug er sich mit dem Gedanke, noch ein Jahr mit der damals durchaus fast konkurrenzfähigen BMW weiter zu fahren. Das schreckliche Resultat... siehe Beginn des Berichtes. Dabei bleibt natürlich auch die Frage offen, ob es Anderson geschafft hätte, BMW wirklich in absolute Spitzenbereiche zu führen? Selbst ein John Surtees stellte nach Testfahrten mit der BMW diese zur Seite. Auch Geoff Duke wechselte alsbald von einer BMW wieder zurück auf eine Norton. Auf internationaler Ebene, sprich WM, gab es tatsächlich nur einen, der die schwierig zu fahrende BMW meisterhaft in Szene setzte, Walter Zeller. Der aber litt immer unter dem nur halbherzig durchgeführten Renneinsätzen der Münchner. Vielleicht hätte aber Fergus Anderson mehr erreichen können. Da er neben seiner Rennfahrerei auch noch ein sehr populärer Journalist war, hätte er vielleicht die Möglichkeiten gehabt, die Bayern unter Druck zu setzen. Nichts scheut bekanntlich die Industrie mehr als eine schlechte Presse. Die fragwürdige Rennsportpolitik von BMW wird übrigens auch von der Sidecarszene teilweise bestätigt, aber diese hatten ja trotzdem ihre Erfolge. Also war kein Grund vorhanden etwas zu tun. Natürlich sind alle von mir zuletzt geäußerten Gedanken Spekulationen und werden es möglicherweise auch bleiben... Ganz sicher aber ist, dass mit Fergus Anderson die Rennsportwelt einen ihrer Besten verloren hatte!

2-facher Motorradweltmeister
12-facher Grand Prix Sieger
9.WM-Rang 1949 GUZZI 250 cc CH 3+SR
3.WM-Rang 1950 GUZZI 250 cc I 2
7.WM-Rang 1951 GUZZI 500 cc CH 1
8.WM-Rang 1951 GUZZI 250 cc F 4
2.WM-Rang 1952 GUZZI 250 cc CH 1 - TT 1 - NL 3 - I 3
1.WM-Rang 1953 GUZZI 350 cc TT 3 - B 1 - F 1 - CH 1 - I 2
3.WM-Rang 1953 GUZZI 250 cc TT 1 - NL 2 - UL 3 - CH 3 - E 3
9.WM-Rang 1953 GUZZI 500 cc E 1
1.WM-Rang 1954 GUZZI 350 cc B 2 - NL 1 - CH 1 - I 1 - E 1
7.WM-Rang 1954 GUZZI 500 cc NL 2 - D 5
15.WM-Rang 1954 GUZZI 250 cc TT 5


...Fergus in Aktion...


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