Wenn es denn so ist das jede Zeit ihre Helden braucht, dann trifft dies in punkto Motorradrennsport in den frühen fünfziger Jahren besonders auf einen Mann zu. Dieser war nicht nur ein exzellenter Fahrer sondern auch extrem populär. Ich spreche hier von

William Raymond Amm

, besser bekannt bei den zahlreichen Rennbesuchern jener Tage nur unter Ray Amm. Amm war wohl, vom Sonnyboy Geoff Duke einmal abgesehen, der Liebling des Publikums jener Tage.

Ray Amm wurde am 10. 12. 1927 in Salisbury (heute Harare) in Südrhodesien (heute Zimbabwe) geboren. Für seinen Lebensunterhalt betrieb er ein Motorradgeschäft.

Beruflich mit Motorrädern zu tun, da war es fast selbstverständlich, daß er auch sportlich aktiv sein wollte. Er erwarb eine Vorkriegs-AJS und meldete sich bei einem der damals sehr populären Grasbahnrennen nahe seiner Heimatstadt an, mit dem Erfolg: er wurde in seinem ersten Rennen Letzter. Er tauschte nun die AJS gegen eine Triumph, aber die totale Zufriedenheit blieb trotzdem aus.

Aber Amm wäre nicht Amm gewesen, wenn er sich hätte kleinkriegen lassen. Er erwarb eine neue Norton und auf ging es 1949 zu dem sehr populären und prestigeträchtigen Port - Elizabeth 200 Rennen nach Südafrika. Es endete mit der schnellsten Rennrunde und ...Platz 17 - die Technik in Form der Kupplung begann zu rutschen. Ein Jahr darauf folgte der Sieg in neuer Rekordzeit - die Basis für erste feste Ziele in seiner Karriere. Diese Ziele konnten nur lauten: Teilnahme an der Motorrad-WM und ab nach Europa. Die WM hatte sich dort seit 1949 fest etabliert als erfolgreiche Serie und weitere zahlreiche Rennen boten viele Möglichkeiten, den Rennsport aktiver zu betreiben.
Sein Motorclub in Salysbury half ihm, seinen Start in Europa zu realisieren. Er bestellte zwei Manx-Nortons, um 1951 sich an der legendären Tourist Trophy auf der Isle of Man zu beteiligen. Da die Nortons allerdings erst kurz vor Trainingsbeginn auf der Insel eintrafen, hatte er, um Rennpraxis zu bekommen, sich noch eine AJS 7R zugelegt, mit der er das sogenannte "Andreas Racing Meeting" auf Club-Ebene gewann.

Die guten Ergebnisse und seine Kämpfernatur waren wohl ausschlaggebend, daß der legendäre Norton - Rennchef Joe Craig den Rhodesier fragte, ob er im Norton - Werksteam ab 1952 fahren wollte? Natürlich wollte Ray. Bei der Dutch - TT in Assen wurde er in der 350 cc Klasse Zweiter hinter Norton´s Nummer 1 Geoff Duke. In der Halbliterklasse fiel er aus. Später auf der Solitude hatte er einen Unfall, wobei er sich ein Bein brach.

Erst zum letzten Rennen in Monza kehrte er auf die Rennpiste zurück und gewann gleich das Rennen der 350 cc Klasse. Er war eben eine Kämpfernatur.

Amm, 1953 wieder im Norton - Team, hatte den "ehrenhaften" Auftrag, zu Saisonbegin einen Norton - Kneeler in der Soloklasse zu testen. Die "Spielwiese" dafür war das North - West 200 Rennen und die Klasse bis 350 cc. Der erhoffte große Erfolg blieb aus - Fahrwerksprobleme. Er wurde nur Neunter. Auch im Training zur TT auf der Isle of Man versuchte er es nochmals. Letztlich griff er aber zu den Rennen auf die herkömmlichen Nortons zurück. Wie richtig seine Entscheidung war zeigt sein Doppelsieg bei der Veranstaltung. Selbst der große Geoff Duke, welcher eine zeitlang im Schlepptau von Amm fuhr, war begeistert von Amm´s Fahrstil. Beim französichen GP in Rouen mußte er seinen tollkühnen Fahrstil mit einem Sturz und gebrochenem Schlüsselbein bezahlen. Damit mußte er für 1953 seine WM - Hoffnungen begraben. Auf der Monthlery - Strecke in Frankreich sollte er, zusammen mit Eric Oliver, erneut den Kneeler ausprobieren. Beiden gelangen einige Geschwindigkeitsrekorde. Es ging ja praktisch nur geradeaus, wo das Handling nicht die Rolle spielte wie bei kurvenreichen Straßenkursen.

Im Jahr darauf war er wieder Mitglied im Norton Team. Bei der TT, die als Maßstab für englische Teams galt, fiel er in der Junior - Klasse aus, weshalb der Neuseeländer Rod Coleman der erste Fahrer seines Landes mit einem TT - Sieg wurde. In der Senior Klasse bei schwierigen Witterungsbedingungen und einer taktischen Meisterleistung gewann er vor seinem großen Konkurrenten Geoff Duke, der zu Saisonbeginn zu Gilera gewechselt war, was man in England natürlich nicht gerne gesehen hatte. Es war aber klar ersichtlich, daß die Zeit der Norton - Einzylinder vorbei war. So verwundert es nicht, daß Ray Amm ein großzügiges Angebot annahm, für MV - Agusta eine Mehrzylindrige für 1955 in der WM zu fahren, um Gilera Paroli zu bieten.

Dann geschah das Tragische. Gleich bei seinem ersten Start mit der MV in Imola am 11. April 1955 verunglückte der Kämpfer aus Rhodesien tödlich. Eine tolle Karriere hatte ein trauriges Ende gefunden.
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