Es war anno 1976, als ein junger Mann seine Begeisterung für den Rennsport entdeckte und dem man auch viel Talent dafür bescheinigte. Apropo Talent, dies war auch das Markenzeichen des Bayern in der weiteren Zukunft. Er nahm sich nämlich sehr viel vor, begann nach dem Abitur noch zusätzlich ein Jura - Studium. Nach drei Semestern stellte er allerdings für sich fest: die trockenen Paragraphen war doch nicht sein Ding. Er brauchte die Aktion auf der Rennpiste und genoß sichtlich die sich bald einstellenden ersten Erfolge. Sie ahnen sicher schon um welchen jungen Bursche aus München es hier geht. Sein Name ist

Martin Wimmer


Die zahlreichen Siege im Juniorenpokal waren daher nur eine Durchgangsstation zur internationalen Lizenz und Reife. 1980 auf dem Nürburgring gab es dann mit einem neunten Platz die ersten WM - Punkte. Gesamt sollte es für Martin bis zum Karriereende noch 101 mal zu Platzierungen innerhalb der Punkteränge reichen, davon 38 innerhalb der "top-five". In den "top-five" eingebettet durfte er sich 16 mal auf´s Treppchen stellen, dabei drei mal ganz zu oberst. Eine Bilanz also, die manchen Fahrer der Neuzeit zu Freudenausbrüchen verleiten würde. Nun war es ja nicht so das es keine Konkurrenz in jener Zeit gegeben hätte. Alleine aus Deutschland kamen mit Mang, Herweh, Roth etc. einige Konkurrenten für Spitzenplätze. Dazu noch zahlreiche Weltstars aus dem Ausland wie Spencer, Lavado, Ekerold und viele mehr.
Das Foto rechts zeigt Martin auf dem Podest 1982 in Brno, im Kreis zweier Weltmeister: Jean-Louis Tournadre (wurde im gleichen Jahr Champion) und Carlos Lavado. Drei Rennen vorher, im englischen Silverstone, hatte der Deutsche erstmals von ganz oben des Podestes das Glücksgefühl eines Grand Prix Siegers erleben dürfen, er gewann vor Toni Mang und dem späteren Weltmeister Tournadre.

Bis einschließlich 1982 gab es für die Fahrer noch die Startmöglichkeit in der 350cc Klasse. Diese Klasse wurde aber ab 1983 aus dem WM - Programm gestrichen. Der Grund war wohl die geringe Differenz zur unteren (250cc), respektive höheren 500cc Klasse. Auch war die Klasse für die Serienproduzenten uninteressant geworden, wegen geringer Nachfrage. Im Bild sehen wir Martin am Start zum vorletzten 350er Rennen der WM-Geschichte, welches er als 8. beendete. Das letzte Rennen dieser WM - Klasse gewann übrigens ein gewisser Manfred Herweh.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht gleich noch erwähnen, daß der Münchner, obwohl in der Weltmeisterschaft inzwischen etabliert, sich nicht zu schade war, auch Rennen zur Deutschen Meisterschaft zu bestreiten. Er gewann den Titel Deutscher Meister vier mal, darunter war eine Doppelmeisterschaft 1981, als er die 250cc und die 350cc Klassen gewann.

Im rechten Bild führt der Münchner vor dem Schweizer Bruno Kneubühler und dem Franzose Patrick Fernandez. Weil gerade von führen die Rede ist. Es war jene Zeit, in welcher immer öfter die Frage nach mehr Sicherheit auf den Rennpisten gestellt worden ist. Eine brisante weil auch kostenintensive Thematik. Auch hier führte Martin Wimmer das Feld an, in Zusammenarbeit mit der IRTA (Rennteamvereinigung) und dem Chef der Straßenrennsportkommission beim Weltverband FIM, dem Schweizer Ing. Luigi Brenni. Und es tat sich was. So darf man den völlig neuen Kurs in Brno, 1987 in Betrieb gegangen, als vorbildlich bis in die heutige Zeit einstufen. Betrachtet man die beiden Fahrbilder kann man unschwer die Gefährlichkeit des Rennsports in jenen Tagen erkennen, für deren Verbesserung sich Martin Wimmer aktiv einsetzte. Untätig sein war eben nicht sein Ding. Ungeduldig sein aber wohl. So nutzte er sein Fahrtalent nicht, um die ihm gebotene Möglichkeit im Yamaha-Team der Rennlegende Agostini in entsprechende Erfolge umzusetzen. So erreichte er zwar bis zum Karriereende 1991 die eingangs bereits erwähnten Erfolge, allein die erhoffte Krönung in Form eines WM - Titels blieb ihm versagt. Vom Talent und Intellekt her war es nach Ansicht des Schreibers für den Münchner wohl möglich das Gipfelkreuz zu setzen, aber es fehlt mir einfach die notwendige Kenntnis um ein endgültiges Urteil fällen zu können...

Ist es schon schwierig genug eine "Minibiografie" über einen exzellenten Rennfahrer zu verfassen, so wird es noch schwieriger über Martin Wimmer´s Karriere nach der Karriere ein paar Zeilen zu schreiben.

Nach einigen Auslandsaufenthalten und erfolgreichen Tätigkeiten im asiatischen und amerikanischen Raum folgte der Zeitpunkt, an dem offenbar Großes geschehen sollte. Bekannt war, daß ein einstiges Vorzeigeobjekt der DDR nach der Wende ins schlingern gekommen war. Auch haftete im Westen den Produkten der "Billigmakel" an, einst hervorgerufen durch den Vertrieb über den Neckermann-Versand. Kein Mensch fragte nach Zweitaktern, zu deren Entwicklung MZ viel beigetragen hatte. Es viertaktete auf dem Weltmarkt, den die japanische Industrie bestimte. Im Sport wurden die Regeln in diese Richtung geändert. Die einstige Vorzeigemarke des Ostens, MZ, war am Boden. Auch halbherzige Versuche, mit Unterstützung eines "Mischkonzerns aus Malaysia (Hong Leong)" zu retten, scheiterten.

In dieser Situation kam 2008 Martin Wimmer ins Spiel. Mit viel Optimismus und noch mehr Naivität ausgestattet begann er seinen Kampf um die Rettung der Marke MZ, ein Kampf gegen die berühmten Windmühlen. Es kam zu Bürgschaftszusagen einer Landesbank die selber am Tropf einer anderen Landesbank hing und so garnicht hätten gegeben werden dürfen. Als Geschäftspartner brachten sich selbst zahlungsunfähige Firmen ins Spiel. Ein Filial-Direktor einer Großbank hielt versprochene Kreditlinien nicht ein - wie auch, er war doch selbst nur ein kleines Licht und bangte um seinen Arbeitsplatz, und und und... Kurz und gut, besser gesagt weniger gut, kam dann auch noch Falschberatung durch sogenannte "Experten" hinzu.

Fakt ist: wer glaubt in einem so genannten Rechtsstaat hat das gesprochene Recht auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun, ist entweder ein Berufsoptimist oder ein grenzenloser Träumer. Aus eigenem Erleben kann ich als Autor dieser Zeilen "ein Lied davon singen".

Ohne Herrn Wimmer weh tun zu wollen und ohne Wirtschaftsfachmann zu sein: es fehlte von Beginn an an genügend Eigenkapital. Nur damit kann man im Haifischbecken Kapitalismus überleben... Deswegen kann ich Jedem die oben zu sehende Lektüre zu MZ empfehlen. Selbst wenn nur 50% aus neutraler Sicht der Dinge als korrekt zu sehen wäre, dieses Buch ist leider (!) ein Spiegelbild der Gesellschaft...



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