Innovativ - Technische Kompetenz - Erfolg im Motorsport - Bescheidenheit
Als ich mich dieser Tage mit einem bekannten Rennfahrer der siebziger Jahre unterhielt machte ich eine - für mich - überraschende Erkenntnis. Den Mann, von dem hier die Rede sein wird, hält er für einen der "Top-Five", wie es so schön modern heißt, im Zweitakttuning, weltweit. Da es auf dem Gebiet ja recht viele Experten gibt, hat mich dessen Aussage schon ein wenig überrascht. Von wem ich hier spreche: Es handelt sich um

Horst+Jörg Seel

Heute betreibt Horst mit Sohn Jörg - ebenfalls ein einst guter Fahrer und jetzt ebenso prächtiger Techniker - eine Werkstatt im hessischen Dornburg, wo man sich weiterhin auch mit der Rennerei beschäftigt.

Wer sich an die fünfziger Jahre erinnert wird wissen, daß es bereits in jenen Tagen eine Art Völkerwanderung gab. Die Richtung damals wie oft auch heute noch: von Ost nach West. Horst Seel war einer der Beteiligten. Als schon damals vom Motorsport Begeisterter verließ er die Heimat in der Nähe von Stralsund, um im "Westen" seine Zukunft aufzubauen. Wie richtig er lag sollte sich leider über mehrere Jahrzehnte lang zeigen.

Horst kam als gelernter Autoschlosser aus der Nähe von Stralsund nach Plettenberg. Selbst in seiner Lehrzeit war er schon mit dem Motorsport verbunden gewesen. Ein gewisser Hans Zierk - der später selbst in den Westen ging - weihte den Mecklenburger Seel in die Motorentechnik ein. Als aktiver Grasbahnsportler, verstand sich Zierk auch auf Tuningsarbeiten. Davon profitierten später sogar bekannte Bahnrennfahrer wie Egon Müller und Karl Maier, welche entsprechende Titel einheimsen konnten. Auch der einstige Lehrling von Hans Zierk, Horst Seel, hat letztlich davon profitiert.

In Plettenberg machte Horst auch die Bekanntschaft von Hans Scharenberg, welcher zu der Zeit bereits ein bekannter Straßenrennfahrer war und technisch sehr begabt.


Ankommen und gleich sportlich loslegen ging natürlich nicht. Finanzielle Gründe verlangten erst einmal sich mit wichtigeren Dingen als mit Motorsport zu beschäftigen. 1957 packte Horst Seel in Stralsund zusammen und fing in Plettenberg neu an. Geldmangel hinderte ihn vorerst weiter Motorsport zu betreiben. Priorität hatten verst?ndlicherweise erst mal andere Dinge. 1969 wurde Sohn Jörg geboren, der Vater konstruierte und baute mit Geschick und viel Herzblut eine 125er Zweizylinder-Rennmaschine. Natürlich fuhr Horst Seel diese Rakete auch selbst. 1976 endete seine Rennfahrerkarriere abrupt im schwedischen Anderstorp. Dort stürzte er, brach sich mehrere Rippen und wurde von den ahnungslosen Ärzten auf die Heimreise geschickt. Auf der Fähre nach Deutschland wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen, denn die gebrochenen Rippen hatten die Lunge beschädigt. Auch von diesem Schock hat sich Horst erholt - einen Seel wirft so schnell nichts aus der Lebensbahn. Doch nun zu Jörg, um das Seel-Doppel zu komplettieren. Jörgs Karriere dauerte 8 Jahre. Die 2 Zylindermaschine wurde weiter erfolgreich, u.a. von Walter Koschine und Heinz Schulte eingesetzt.

Horst musste erst mal wieder Geld für seine Familie und sein Hobby Motorsport verdienen. Er heuerte bei der Firma Everts an, diese arbeitete damals an einem interessanten Projekt. Konstruiert und gebaut wurde dort ein 12 Zylinder-2 Takt-Formel1-Motor mit Drehschiebersteuerung. Auf dem Prüfstand bewies der Motor sein unglaubliches Potential. Leider kam es zu keinem Einsatz in einem F1-Boliden. Horst machte sich wieder selbstständig und baute sein bisher erfolgreichstes Renngerät, die 80er Seel. P.Paolo Bianchi - Gerhard Waibel - Hubert Abold - Ralf Waldmann usw. waren damit auf der Rennstrecke sehr erfolgreich unterwegs.

Zu dieser Zeit trat Jörg Seel in die Fußstapfen des Vaters und begann seine Rennfahrerkarriere. Horst Seel war in Fachkreisen längst als Konstrukteur und Tuner anerkannt. Er weitete seine Aktivitäten aus. Wer die Namen Hans Becker, Gustav Reiner, Egloff oder Jones noch kennt, weiß, was gemeint ist. Seit 1997 konzentriert Horst Seel sich auf die Achtelliter-Klasse und verlieh der Honda RS 125 sozusagen "Flügel". - in der der Plettenberger alle Höhen und Tiefen des Motorsports erlebte. Zu den Höhen gehören zahlreiche Siege und Podestplätze, ein Deutscher Meistertitel in der Klasse bis 80 ccm, hervorragende Plazierungen, auch in der Weltmeisterschaft, mit dem besten Schlussergebnis 1987, 6. Platz. Jörg pilotierte auch Rennmaschinen mit 125- u. 250 ccm. Zu den Tiefen gehörten Stürze, technische Probleme und manchmal auch chronischer Geldmangel. Wie der Vater, so der Sohn, könnte man sagen, aber das machte das Duo nur noch stärker. Heute wissen die Seels, wenn sie junge Rennfahrer betreuen, von was sie reden, weil sie alles selbst erlebt haben.

Jörg absolvierte die Zweirad-Meisterschule und begann 1996 mit der Betreuung des Motorrad-Nachwuchses. Philipp Hafeneger profitierte als Erster von Seels Erfahrungen und seiner Kompetenz. 1996 hieß der Mini-Bike-Meister Philipp Hafeneger! Weiter ging es mit dem Supertalent ins UGT-Team, wo Hafeneger mit einer 125er Honda in Richtung DM startete. 2 Jahre dauerte das technische Engagement im UGT-Team, Alexandra Eble u. Klaus Nöhles waren die nächsten Begünstigten. Als Ralf Schindler die Aktivitäten im UGT-3000-Team einstellte, begann eine neue Ära mit der Installation vom IVETRA-Seel-Racing-Team. Der "heimatlose" Klaus Nöhles profitierte von der neuen Konstellation, er wurde Europameister und 4. in der DM. Das Team trennte sich in Freundschaft von Nöhles, der aufgrund seiner Erfolge in die WM wechselte. Im vergangenen Jahr fuhr Achim Kariger und, bis zur Mitte der Saison, der Slowene Lake Nedok im Team. Achim Kariger wurde auf der Seel-Honda Deutscher Vizemeister hinter Jarno Müller. In diesem Jahr hat sich das IVETRA-Seel-Racing-Team wieder für einen jungen Himmelsstürmer entschieden. Tobias Kirmeier, 15 Jahre jung, der schon seit 5 Jahren Motorsport betreibt, gewann überlegen die Deutsche-Scooter-Jugendmeisterschaft. Im vergangenen Jahr beendete er den ADAC-Junior-Cup als Vizemeister und war mit 3 Siegen und einem 3. Platz der erfolgreichste Fahrer. Die Zusammenarbeit mit Tobias Kirmeier ist langfristig vorgesehen. Ziel ist die Weltmeisterschaft im Team IVETRA-Seel. Schließen wir hier die Story vom doppelten Seel erst mal ab, sie kann natürlich keine Garantie auf Vollständigkeit haben. Zwei Männer - Vater und Sohn - die sich dem Motorsport verschrieben haben. Weiter und immer weiter...
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