mit freundlicher Genehmigung des "Lahrer Anzeiger" in 77933 Lahr

dort erschienen am 12.12.2007, Autor: Hans Spengler

Werner Schwärzel

Seitenwagenweltmeister für Deutschland 1982


1982 hat der Rennfahrer Werner Schwärzel aus Meißenheim mit seinem damaligen Beifahrer Andreas Huber aus Tiergarten bei Oberkirch die Weltmeisterschaft im Beiwagenfahren für Straßenrennmaschinen gewonnen. Am Start waren zu dieser Zeit bei jedem Rennen immer zwischen 25 und 30 Teilnehmer. Das Beiwagenfahren war damals eine überaus beliebte Sportart. Werner Schwärzel und seine Beifahrer Karl-Heinz Kleis und Andreas Huber sowie zuletzt für ein Jahr auch Fritz Buck haben den Ortenaukreis und insbesondere Meißenheim bekannt gemacht. Vom Frühjahr bis in den Herbst war Werner Schwärzel mit seinem Team immer im vierzehntägigen Rhythmus unterwegs, um auf allen internationalen Rennstrecken seiner Leidenschaft Motorradsport nachzugehen.

Werner Schwärzel wurde am 6. September 1948 in Lahr als Sohn der Eheleute Wilhelm und Elsa Schwärzel aus Kürzell geboren. Zusammen mit zwei Schwestern wuchs er in Kürzell auf und besuchte dort die Volksschule. Von 1963 bis 1965 erlernte er im Landmaschinenbetrieb Böttler in Kürzell den Beruf des Landmaschinenmechanikers und arbeitete danach bis 1972 als Geselle in diesem Betrieb. In dieser Zeit reifte auch die Liebe zum Motorradsport. In seiner Freizeit fuhr Schwärzel mit seinem Herkules-Moped zum Schrecken seiner Eltern meist mit acht Kumpels Rennen. Die Jungs trafen sich insbesondere an Wochenenden zum Austausch ihrer Kenntnisse und bastelten an ihren kleinen Rennmaschinen, um mehr Leistung herauszuholen. »Wir hatten jedoch keinerlei Unterstützung, sondern mussten uns mit dem, was wir mit unserer Arbeit verdienten, zufrieden geben«, so Schwärzel heute. Mit dabei war damals auch sein erster Beifahrer und guter Kollege Karl-Heinz Kleis (auf dem Bild rechts als Sieger des GP in Brno 1974. Links von ihnen das Weltmeisterpaar Enders / Engelhardt und rechts Schauzu / Kalauch). 1970 beschlossen die zwei jungen Männer, in den aktiven Rennsport einzutreten und bauten sich eine Beiwagen - Rennmaschine. Mit einem Bergrennen im bayerischen Zozenbach ging es los. Das Gespann Schwärzel / Kleis errang damals unter 30 Startern einen achten Platz. Von dieser Stunde an hatten die beiden Freunde endgültig Rennbenzin geschnuppert, nahmen im 14-tägigen Rhythmus an Rennen teil. »Es war eine sehr harte Zeit, denn wir mussten voll arbeiten und am Abend und an den freien Wochenenden die Maschinen wieder startklar machen«, erinnert sich Werner Schwärzel. Die Rennmaschinen wurden vom Rennteam selbst hergestellt. Nur bei den Motoren waren sie auf fremde Hilfe angewiesen. Insgesamt hat Werner Schwärzel sieben Rennmaschinen mit seinem Team gebaut. Zu den guten Geistern im Team gehörten Reinhard Roll aus Wittenweier, der Kunststoffexperte, sowie Heinrich Rennwald aus Marlen. »Ohne diese beiden Motorsportfreunde hätten ich und meine Beifahrer das knallharte Programm nicht bewältigen können«, so Werner Schwärzel im Gespräch mit dem Lahrer Anzeiger. Tag für Tag standen die beiden Freunde mit Schwärzel abends nach 19 Uhr in der Werkstatt und schraubten nicht selten bis nach Mitternacht. »Ich bin bis heute mit beiden Bordmechanikern befreundet und wir treffen uns alle zwei Wochen, um von alten Zeiten zu reden«, erzählt Schwärzel weiter. Auf sein kleines Team konnte er sich blind verlassen. Mit Karl-Heinz Kleis, dessen Tod ihn vor wenigen Wochen schwer getroffen hat, holte Schwärzel in den Jahren 1973 und 1974 die Vizeweltmeisterschaft sowie die Deutsche Meisterschaft.
Mit Andreas Huber (Foto links und Farbfoto unten) war Schwärzel jeweils 1975, 1976 und 1984 Vizeweltmeister. Hinzu kamen bei den Weltmeisterschaften ein dritter Platz 1977, 1978 Platz vier, 1979 Platz sechs und 1980 und 1981 jeweils ein fünfter Platz. Krönung für das Gespann Schwärzel/Huber war 1982 der Weltmeistertitel. In dieser Zeit wurden die beiden Freunde auch achtmal Deutscher Meister. In der Rennsaison 1985 wurde Schwärzel mit Beifahrer Fritz Buck noch einmal Vizeweltmeister und holte abermals den Titel eines Deutschen Meisters. Der Nürburgring und die Strecke im holländischen Assen waren übrigens seine Lieblingsstrecken. Es war eine einmalige Karriere für den Mann aus dem Ried, zumal sein Rennteam auch lange Zeit ohne Sponsoren auskommen musste. »Die Firma Uhl aus Schutterwald hat uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten stark unterstützt, ebenso die Firma Krauser aus Bayern. Und da war auch noch Gerhard Schulz aus Meißenheim, der abends plötzlich in der Werkstatt erschien und etwas zu trinken mitbrachte, da wir manchmal vor lauter Arbeit nicht ans Trinken dachten«, lacht Schwärzel. Werner Schwärzel hat nach seiner aktiven Zeit als Gespannfahrer bis heute an Rennmotoren gebastelt und gearbeitet und wird immer noch von Motorradfreunden aufgesucht. Er überholt ihre Rennmotoren oder bastelt Oldtimermotoren zusammen. Sein Name birgt für Qualität in der Szene – auch heute noch. In seiner Werkstatt tummelten sich auch nach der Rennkarriere viele namhafte Motorradsportler. Unter anderem betreute der Meißenheimer lange Zeit den Vizeweltmeister im Motocross Pit Beirer. Trotz der großen Erfolge ist der Meißenheimer immer bescheiden und sympathisch geblieben. »Ich weiß, wo ich herkomme, und bei uns wurde das Familiäre eben immer groß geschrieben«, so der ehemalige Gespannfahrer. Seine Familie habe immer hinter ihm gestanden. Ebenso konnte er sich der moralischen Unterstützung seiner vielen Fans aus der Region bei den Rennen sicher sein. »Ich würde heute alles wieder so machen, auch wenn ich auf vieles verzichten musste«, bilanzierte Schwärzel zum Schluss des Gesprächs.

Werner Schwärzel´s WM-Resultate

Rang Jahr BeifahrernameBeifahrervorname Land Marke Resultate
2 1973 KleisKarl-Heinz D KÖNIG F 3 - A 5 - D 2 - NL 3 - CS 3
2 1974 KleisKarl-Heinz D KÖNIG F 2 - D 1 - A 2 - NL 5 - B 3 - CS 1
2 1975 HuberAndreas D KÖNIG F 2 - D 2 - NL 1 - CS 1
2 1976 HuberAndreas D KÖNIG A 2 - NL 4 - B 2 - CS 2 - D 1
3 1977 HuberAndreas D ARO A 5 - NL 3 - B 1 - GB 1
4 1978 HuberAndreas D ARO F 6 - I 2 - NL 1 - D 1
6 1979 HuberAndreas D YAMAHA A 6 - D 7 - S 2 - GB 4 - CS 3
5 1980 HuberAndreas D YAMAHA F 3 - YU 5 - NL 5 - B 5 - SF 2 - CS 5 - D 9
5 1981 HuberAndreas D SEYMAZ A 4 - D 3 - B 6 - GB 7 - SF 3 - S 5 - CS 4
1 1982 HuberAndreas D SEYMAZ A 3 - NL 3 - B 4 - GB 2 - S 2 - SF 3 - CS 2 - SM 2 - D 6
3 1983 HuberAndreas D SEYMAZ F 3 - A 2 - NL 2 - B 4 - GB 6 - S 3 - SM 3
2 1984 HuberAndreas D LCR A 2 - D 4 - F 4 - NL 3 - B 2 - GB 3 - S 2
2 1985 BuckFritz D LCR D 1 - A 2 - NL 2 - B 3 - F 2 - S 2

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