Foto: Monika Merstetter

Günter Schirnhofer



Europameister 1985

Klasse bis 80 ccm



Um Günter Schirnhofers Liebe zum Motorradrennsport zu beschreiben, gibt es nicht genügend Superlative. Auch 18 Jahre nach seinem Europameisterschaftstitel in der 80er Klasse sprüht er vor Begeisterung, wenn er auf das Thema angesprochen wird.
Als fünfjähriger kam er 1953 von Freiburg nach Weil in den Herbergacker, da sein Vater Bähnler war. Nach seiner Lehre als Maschinenschlosser begleitete er bereits mit siebzehn Jahren den Altweiler Hans Marx für zwei Jahre als Mechaniker von Rennen zu Rennen.
Sein erstes Rennen fuhr er dann 1967 auf der legendären Avus in Berlin, damals noch mit Steilwandkurve. Zu Beginn seiner Kariere hatte er für zwei Jahre eine Schweizer Lizenz und brachte es damit sogar zum Schweizer Vizemeister. Da die kleinen Klassen während seiner aktiven Zeit auf Europa beschränkt wurden, steuerte er mit einem komfortablen amerikanischen Wohnmobil die Rennstrecken an. Diese Reisen, besonders nach Skandinavien, waren schon ein Erlebnis für sich, schwärmt er heute noch. Besonders liebte er internationale Rennen, die im Gegensatz zu Meisterschaftsrennen mehr Atmosphäre boten. Die Fahrer wurden geladen und dementsprechend auch behandelt. Bei der Eröffnung der Rennstrecke in Estoril / Portugal war er als einzigster ausländischer Fahrer eingeladen. Alle hatten rote Rennmaschinen. Er stand als einzigster in der ersten Reihe mit einer weißen. In Madrid fand ein Rennen in einem Tierpark statt. Alles war vom Feinsten. Die betuchten Zuschauer saßen auf der Terrasse, die mit rotem Samt ausgeschlagen war.
Als ob es gestern gewesen wäre, kann sich Günter Schirnhofer noch an das Rennen 1985 in Hockenheim erinnern. Vor heimischer Kulisse wurde er mit Startnummer eins Erster und gleichzeitig Europameister. Akribisch hat er sich auf diesen Lauf vorbereitet, nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail weiß er heute noch genau.
Danach wurde ihm in Weil ein großer Empfang bereitet. Die Siegesfeier fand im Hebelhof statt, der Oberbürgermeister war da und viele Fans, sogar die Stadtmusik spielte auf. Darauf hin wurde er auch zum Sportler des Jahres in Weil gewählt. Wie hoch sein Hang zum Perfektionismus ist, zeigt allein schon, dass er in einem Jahr 27 Rennen fuhr und dabei kein einzigstes Mal wegen einem technischen Defekt ausfiel. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass er dabei nie ein Werksfahrer, sondern immer Privatfahrer war und somit alles selbst organisieren und bezahlen musste. Mit viel Wohlwollen des Arbeitgebers Schmiedle, bei dem er 17 Jahre als Karosseriebauer arbeitete, konnte der Motorradrennfahrer sein Hobby ausüben. Die beste Platzierung in den Weltmeisterschaftsläufen war der sechste Rang. In der Europa-Meisterschaftswertung, stand er 1987 auf Platz vier, einen Platz dahinter schrieb sich der damals noch ganz junge Ralf Waldmann ein. Beide kennen sich recht gut aus diesen Zeiten. Glücklich schätzt er sich auch, dass er während seiner aktiven Zeit schon ein paar Blessuren, aber nie sehr schwerwiegende Verletzungen erlitt. Sein letztes Rennen fuhr er in Assen / Holland.
Als 1989 die 80er Klasse von der FIM gestrichen wurde, hörte er mit dem aktiven Rennsport auf. Von 1993 bis 1995 begleitete er als Mechaniker den Schweizer Niggi Schmassmann, der die 500er Klasse fuhr, zu den großen Rennstrecken in der ganzen Welt. Seit zehn Jahren betreibt er mit seiner Frau die bekannte Kutscherstube im Central in Weil am Rhein.
WaR, März 2003 (Monika Merstetter, für Badische Zeitung).
Vielen Dank an Frau Merstetter, welche das Interview mit Günter Schirnhofer gemacht hat und den Text mir zur Verfügung stellte. zurück