Da hat man sich vorgenommen, über einen "Ehemaligen" etwas zu schreiben, seine Karriere in Erinnerung zurück rufen. Und was passiert.... es will einem einfach nichts Passendes einfallen. So geht es mir schon seit Wochen, ja Monaten, mit dem Fahrer, über den ich hier berichten möchte,

Rolf Minhoff, Deutschland

Mit fast 26 Jahren entschied sich der "Jüngling", eine AJS Boy Racer zu erwerben und mit den Burschen mal etwas um die Wette zu fahren. Auf ein bestimmtes Ziel oder eine bestimmte Klasse aber wollte er sich nicht gleich festlegen. So etwas wie heute, wo Väter die Karriere ihres 15-jährigen Sprößling versuchen exakt zu planen, sowas gab es in jener Zeit sehr selten. Der bekannte Ausspruch von Franz Beckenbauer: "schaun mir mal..." hätte in der gleichen Form auch von Rolf Minhoff stammen können.
Auf Peter Frohnmeyer´s Webseite "Classic-Racer" werden auch ehemalige Fahrer vorgestellt. Bei Rolf Rott fand ich unter einem Siegerehrungsfoto vom Rennen in Niedermendig 1969 folgende Erläuterung von Rolf Rott dazu:"dort schaue ich blöd, dass der Rolf Minhoff mit seiner Aermacchi 350 mich mit der 500 Kawasaki abgeledert hat".

Keine Frage, bei so viel Talent musste der nächste Schritt einfach "raus in die weite Welt" gehen. Aber, und jetzt kam dieses berühmte "aber" ins Spiel. Wenn man mit den "Großen" mitmischen will, braucht es auch das entsprechende Material und das ist teuer. Da kam ihm entgegen, dass zu Beginn der siebziger Jahre Maico eine ganz brauchbare Achtellitermaschine herstellte. Das war von den Kosten her die günstigste Lösung. Mit der Maico gelang ihm dann beim GP in Assen 1973 seine beste Platzierung - er wurde Zweiter hinter Lazzarini und vor Mortimer, zwei nicht ganz unbekannte Größen in der GP-Szene. Jetzt war "der Jüngling" selber einer geworden, den man im Kampf um WM-Punkte sehr ernst nahm. Offenbar machte ihm die Szene auch Spaß, wie man auf dem rechten Foto im Gespräch mit Bruno Kneubühler sehen kann.
Dann kam der "große Hammer". Der deutsche Ingenieur Jörg Möller hatte von Morbidelli den Auftrag erhalten, eine konkurrenzfähige Achtellitermaschine für die WM zu konstruieren und suchte einen Fahrer für dieses Projekt. Die Wahl Möllers fiel auf Rolf Minhoff und der zeigte sich anfänglich auch recht angetan von dem Gedanke, nunmehr Werksfahrer zu sein - der Traum eines jeden Rennfahrers (Foto unten auf der Morbidelli).



Wer denkt schon daran, dass die "Morbidelli-Geschichte" ja auch einen Haken haben könnte? Dieser bestand darin, dass das ja eine Neuentwicklung war, die noch mit einigen Kinderkrankheiten behaftet war. Dies führte zu einigen beinahe-Stürzen. Wer die Streckenbeschaffenheit in jenen Tagen kennt, weis, jeder Sturz konnte der letzte sein, der wirklich allerletzte. 110% zu fahren, wie man in der heutigen Zeit gerne kund tut, wäre Harakiri gewesen. Eine ähnliche Wirkung haben auch plötzlich auftretende Schäden gehabt.

Dieses "Versuchskaninchen sein" hat Rolf Minhoff sehr bald nicht mehr zugesagt und er sagte Tschüss zu seiner Werksfahrerkarriere. Dazu kam auch, dass im Hintergrund immer zu spüren war, dass die Italiener lieber einen Landsmann auf der Morbidelli gesehen hätten. Dieser Landmann und Nachfolger von Rolf Minhoff war Paolo Pileri. Der profitierte natürlich von Minhoffs anfänglicher Pionierarbeit und wurde 1975 Weltmeister.
Der "Jüngling" beendete die Saison 1974 noch mit achtbaren Resultaten, sowohl auf "seiner" Maico, als auch mit einer 250 cc Yamaha, die er sich zwischenzeitlich zugelegt hatte. 1975 fuhr er dann mit der Viertelliter-Yamaha eine komplette Saison. Ohne entsprechende Unterstützung von Sponsoren liess sich Rennsport auch vor 30 Jahren nicht besonders erfolgreich betreiben. Zwar konnte er in Spanien 1975 mit der 250er Yamaha noch einen großartigen fünften Platz belegen - dabei landeten Michel Rougerie und Tom Herron auf den Plätzen nach ihm - und auch im letzten Lauf des Jahres in Rijeka langte es noch zu 2 WM-Punkten, aber das waren dann auch seine letzten WM-Zähler. Zwar fuhr er noch Motorradrennen bis zu Beginn der achtziger Jahre, aber als reiner Privatier war er praktisch chancenlos. Übrigens, auch mit einer 750er Ducati (von Spaggiari) war er erfolgreich unterwegs gewesen. Das spricht für sein fahrerisches Talent und seine Vielseitigkeit.

Heute ist der 71-jährige natürlich auch noch gelegentlich mit einem Motorrad auf den Straßen unterwegs. Dabei kann es schon vorkommen, dass auch einmal eine etwas weitere Strecke dabei ist, wie zum Beispiel 2006 von Oldenburg bis ins südspanische Jerez und zurück. Was er in seiner sportlichen Karriere nie gemacht hat, nämlich vom Boden abgehoben, das kann jetzt schon mal passieren. So nebenher ist er (inzwischen:war er) nämlich auch noch ein passionierter UL-Flieger geworden.

Irgendwie war und ist noch immer Rolf Minhoffs Lebenslauf etwas Besonderes - alles Gute Rolf

Rolf Minhoff´s WM-Resultate

Rang Jahr Marke Klasse Resultate
36 1972 Maico 50 cc D 10
31 1972 Maico 125 cc YU 8 - NL 10
8 1973 Maico 125 cc F 7 - YU 6 - NL 2 - B 4 - CS 4 - S 6
21 1974 Maico 125 cc S 6 - YU 8
17 1974 Yamaha 250 cc YU 5 - E 6
21 1975 Yamaha 250 cc E 5 - YU 9


26.11.2010 zurück