Sagen Ihnen die Namen Xaver Heiß, Michael Schneider, Werner Haas, Andreas Klaus und Peter Eser etwas? Alle stammen aus Augsburg und Umgebung und gehörten in den fünfziger und frühen sechziger Jahren zur Elite der Motorradrennfahrer. Der erfolgreichste von ihnen, Werner Haas, hatte es als Werksfahrer für NSU zum ersten deutschen Motorradweltmeister geschafft, während die anderen Piloten als reine Privatfahrer unterwegs waren. Natürlich waren allesamt untereinander bekannt - man sprach von der "Augsburg-Konnektion". Man möge mir bitte verzeihen, sollte ich jemand vergessen haben, den man eventuell zur "Augsburg-Konnektion" hinzuzählen könnte. Leider weilt, bis auf einen, keine dieser Persönlichkeiten mehr unter uns. Und dieser eine feiert am 15. Dezember seinen 75. Geburtstag, nämlich der zweifache Deutsche Meister in der 350 ccm Klasse,

Andreas "Andi" Klaus


"Michel" Schneider  -  "Andi" Klaus  -  Heiner Butz  -  Günter Beer
Begonnen hatte alles für "Andi", oder vielleicht etwas bayrischer klingend, für "Anderl" 1954, als er mit einer Cross-Maschine die ersten Zweirad-Versuche unternahm. Durch seinen Vater, Betreiber einer Autowerkstatt im heimalichen Friedberg, war er zumindest motorsportlich vorbelastet. Ausgestattet mit dem nötigen Talent gewann er alsbald die süddeutsche Jugendmeisterschaft im Motocross. Zwar war Crossfahren eine gute Übung für Fahrzeugbeherrschung, aber etwas schneller sollte es schon gehen. Also weg vom Gelände und ab auf die Straße. Vorbilder gab es ja genug in jener Zeit, denn die Haas-Brüder hatten für Motorradbegeisterung ihre "Duftmarken" gesetzt: der Otto Haas fürs Gelände und der Werner Haas als Weltmeister für die Straße. Die notwendigen Platzierungen für eine Rennlizenz waren bald geschafft. In 1957 erang er die "kleine Deutsche Meisterschaft" soll heißen, er wurde Erster im Juniorenpokal und damit Lizenzinhaber für alle Rennen in Deutschland. 1959 wurde dann daraus die internationale Lizenz, aber auch die Konkurrenz wurde damit härter.

Im Bild oben in der Mitte sehen wir "Andi" mit der 119, zusammen mit "Michel" Schneider mit der 117, beide von der bereits angesprochenen "Augsburg-Konnektion". Daneben seine Dauerkonkurrenten Heiner Butz aus Aspisheim und Günter Beer, welcher leider dieses Jahr mit über 85 verstorben war.Im rechten Bild zu sehen ist "Andi" in seiner damaligen Vorstellung vom "feinen schwarzen Zwirn". Sogenannte Großkopferte haben dafür sicher nur ein müdes Lächeln übrig.

Der Auftakt in das Rennjahr 1960 war recht vielversprechend. Er fing mit einem zweiten Platz im saarländischen St. Wendel an. Vor ihm landete nur der Münchner Hans Pesl. Nach weiteren exzellenten Plätzen auf dem Nürburgring, beim Schauinsland Bergrennen in Freiburg und beim Großen Herbstpreis auf dem Hockenheimring belegte er in der Deutschen Meisterschaft der 350er Klasse den dritten Rang auf seiner Norton. Meister damals der bereits angesprochene Münchner Hans Pesl und Vizemeister Horst Kassner aus Schwabhausen. Geographisch versierte Leute könnten jetzt denken ich schreibe von einer süddeutschen Meisterschaft - nein, es war die "richtige" Deutsche Meisterschaft. Das beste "Nordlicht", also wohnhaft oberhalb des Mains, wurde der bekannte Karl Hoppe, der auf einer AJS den vierten Meisterschaftsrang belegt hatte.

Die Aussichten für 1961 waren also recht gut. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gab mit dem Vizetitel sogar eine Steigerung gegenüber 1960. Jetzt werden alle "Nordlichter" frohlocken, denn Deutscher Meister wurde der Karl (Hoppe) aus dem fernen Dieckholzen. Übrigens beendete "Andi" alle seine Meisterschaftsrennen auf dem Podest - wenn das keine Beständigkeit ist !!! Die Frage für 1962 konnte also nur lauten, ob bei zwei so guten Saisons wie 1960 und 1961 waren, überhaupt noch eine Steigerung möglich war. Steigerung würde dann nämlich der Titel eines Deutschen Meisters bedeuten. Leider standen nur drei Rennen im nationalen Terminkalender dieses Jahres, wovon die ersten beiden Rennen am Nürburgring und in St. Wendel jeweils der Heiner Butz vorm "Andi" gewonnen hatte. Er wurde dabei jeweils Zweiter. Das letzte Rennen am Schauinsland-Bergpreis mußte also die Entscheidung bringen. Die Aussichten für den Titel waren durchwachsen. "Andi" konnte nur durch einen Sieg den Titelkampf offenhalten, dabei durfte aber Heiner Butz sich nicht besser als auf Rang vier klassieren. "Andi´s" Bergfahrerqualitäten zahlten sich aus. Er jagte mit Bestzeit den Berg hoch. Aber was würde Heiner Butz machen. Da Karl Hoppe ebenfalls ein respektabler Bergfahrer war, standen die Chancen vielleicht doch nicht sooo schlecht. Wer aber kam noch in Frage um sich dazwischen zu schieben. Es war ein Trierer, H. Föhr, welcher Heiner Butz nur Vierter werden ließ. Spannung pur also im letzten Meisterschaftsrennen. "Andi" durfte also seinen ersten Deutschen Meistertitel feiern, den er im darauf folgenden Jahr 1963 den zweiten Titel folgen ließ.

Ende 1963 war dann die Zieflagge für die rennsportliche Karriere gefallen. Zwar schaltete die Ampel wieder auf grün, aber für den Nachwuchs welcher "im Anmarsch" war. Zusätzlich forderte die Arbeit im elterlichen Geschäft seine ganze Zeit.

Was aber macht ein älterer Herr heute, nachdem er viele spannende und erfolgreiche Jahre hinter sich gebracht hat? Natürlich schaut er gelegentlich ins Geschäft (man muß ja informiert sein), welches jetzt in dritter Generation sein jüngster Sohn führt. Sein Ältester hat ebenfalls eine vernünftige Ausbildung genossen, er ist Zahnarzt und fährt, natürlich möchte man sagen, gerne Motorrad. "Aber nur aus Spaß an der Freud" und "Andi Senior", der tut das was manche ältere Herrschaften auch tun: er spielt gelegentlich Tennis. Angst um eine Überlastung des Unterarms (den so genannten Tennisarm) braucht er wohl eher nicht zu haben. Die Gashand und der Arm hat bei den Rennen genug ausgehalten und ist deshalb gut trainiert. Und da ist ja auch noch der regelmäßige Stammtisch, nach dem Motto "weißt du noch, damals...".

Warten auf den Start - als bester Deutscher (links) auf dem Podest, mit Weltmeister Redman und Venturi - Andi heute - sein Fiat-Autohaus in Friedberg

Fotos © : Werner Rehwagen (Stuttgart), Motorsportfoto Fenzlau (Wien), Privat



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