Reinhard Hiller



* 05.05.1948

Schönes, warmes Frühlingswetter hatte die Spargel- und Rennstadt Hockenheim am 13. Mai 1973 fest im Griff. 35 Starter hatten zum Lauf des zur Motorradweltmeisterschaft zählenden Halbliterrennens Aufstellung genommen, als der Starter das Feld auf die 21-Rundenhatz losschickte. Alle Piloten kamen mehr oder weniger gut vom Start (damals noch Schiebestart). Nur ein Fahrer schob und schob und schob sein Motorrad, bis seine König endlich die ersten Töne von sich gab. Als Letzter fuhr die Startnummer 25 der Meute hinterher.

Schon nach wenigen Runden hatte sich die 25 durch das Feld "gepflügt" und setzte seine rasante Aufholjagd fort. Doch welch ein Pech hatte denn die 25 an diesem 13. Tag des Monats Mai. Nur einige Meter nach der Boxenausfahrt konnte man sehen und hören, dass da etwas mit der Schaltung nicht stimmen konnte. Der Fahrer, der ja nicht umkehren konnte, schleppte sich praktisch eine Runde ohne Schaltvorgang um die Strecke und in die Box. Der Schaden, ein verbogener und offenbar verklemmter Schalthebel wurde notdürftig repariert. Als er die Boxenausfahrt passierte, fuhr gerade der letzte Mann des Feldes vorbei.

Wie sich die Dinge doch gleichen. Wieder startete er seine Aufholjagd. Bereits an 6. Stelle liegend und den Fünften, den Engländer Billie Nelson nur noch 1,4 Sekunden vor ihm, senkte sich die karrierte Flagge, die das Rennende signalisierte. Ein sechster Platz war zwar unter den genannten Umständen ein exzellentes Resultat, aber noch eine Runde, und er hätte sicher auch noch den Engländer gepackt und wäre in den - wie heißt es doch heute so schön - "top five" eingekommen.

Doch wie jedes Ding immer "zwei Seiten" hat, so war auch dieses Rennen auf der Habenseite der Familie Hiller kein garnicht so schlechtes Wochenende. Vater Ernst Hiller konnte sich als Dritter immerhin auf dem Podium platzieren und der sechste Platz von Sohn Reinhard Hiller - er war es nämlich, von dem hier im Rennbericht die Rede war - "war auch nicht von schlechten Eltern".

Immerhin stellt es bis zum heutigen Tag eine Einmaligkeit dar, dass Vater und Sohn, beide, im gleichen WM - Rennen innerhalb der ersten sechs Positionen ins Ziel kamen. Bedenkt man dann noch die Umstände, lässt sich vielleicht sogar die Frage stellen: "was wäre gewesen, wenn...?".

Bei einer kurzen Biografie über Reinhard Hiller erübrigt sich natürlich die Frage, wie er zum Rennsport gekommen ist? Selbstverständlich lautet in dem Fall die Antwort: "durch meinen Vater".

Begonnen hatte es in Hockenheim, als er bei seinem ersten Rennen im Juniorenpokal gleich den sechsten Rang, mit einer Kawasaki, belegen konnte. Zwischen 1970 und 1972 diente er sich also im Juniorenpokal (früher Ausweisklasse genannt) hoch und es war 1972, als er nach vier ersten und zwei zweiten Plätzen sich als Juniorenpokalsieger feiern lassen konnte, was gleichzeitig den Aufstieg in die Lizenzklasse bedeutete.

Natürlich war es für Reinhard jetzt ungleich schwieriger zu erfolgversprechenden Resultaten zu kommen. Die Strecken in der WM waren neu und sicher auch die Kontrahenten stärker als jene von den Jupo-Rennen. Doch auch unbekannte Strecken und stärkere Konkurrenz schreckten den WM - Newcomer nicht ab. Ein siebenter Platz beim WM - Rennen im belgischen Spa/Francorchamps und ein sechster Rang im finnischen Grand Prix in Imatra zeigten, zusammen mit dem sechsten Platz von Hockenheim, er hatte sich "im Konzert der Großen" etabliert, wie der 13. WM - Endrang 1973 aufzeigte. Eigentlich konnte Reinhard hoffnungsvoll in die Zukunft und das Jahr 1974 blicken. Leider blieb es für alle die auf die König gesetzt hatten bei "hoffnungsvoll", denn die treibende Kraft hinter den Königrenneinsätzen, der Neuseeländer Kim Newcombe, verunglückte im August 1973 tödlich. Selbst mit Newcombe´s Entwicklungspotenzial wäre man vermutlich 1974 gegen die 4-Zylinder von Yamaha chancenlos gewesen. Für Reinhard Hiller bedeutete das, dass es 1974 bei einem dritten Platz beim Maipokalrennen in Hockenheim geblieben ist. Auch 1975 startete er nur sporadisch mit seiner König bei GP - Veranstaltungen. Ein zwölfter Platz in Salzburg und ein 14. Rang in Hockenheim, mehr war mit dem "Auslaufmodell" König nicht mehr zu erreichen. Nur bei den Sidecars wurden mit den König - Motoren noch Erfolge erreicht. Aber auch da konnte man bereits erkennen, die kurze Königzeit würde bald vorbei sein.

Ende Jahr 1975 verkaufte Reinhard Hiller seine König und entschloß sich, mit einer Viertelliter Harley-Davidson 1976 die Rennen um die Deutsche Meisterschaft zu bestreiten. In der Jahresendabrechnung langte es dabei für einen vierten Platz in der Deutschen Meisterschaft. Nach einem schweren Sturz beim Ruselberg - Rennen beendete er dann seine Karriere.

Sein Interesse an Motorradrennen kann er allerdings bis zum heutigen Tag nicht verleugnen. Immerhin bringt er es noch immer jährlich auf rund 8 Renneinsätze in der Veteranenszene. Als Rentner mangelt es ihm auch nicht an der nötigen Zeit.

Fotos: Archiv Reinhard Hiller zurück