Wenn ein Rennfahrer bei einem Rennen zur Weltmeisterschaft einen sechsten Platz belegt, so ist das an sich schon ein bemerkenswertes Ergebnis. Wenn aber im erwähnten Rennen Größen wie der Franzose Baldé, die Venezuelaner Palazzese und Carlos Lavado, sowie der Engländer Alan Carter sich erst hinter ihm platzieren können, so wird dieses Resultat noch einmal um eine Stufe höher gehoben. Die Rede ist vom WM - Rennen auf dem Roy Hesketh - Circuit im südafrikanischen Kyalami im Jahr 1984 und beim genannten Fahrer handelt es sich um den Deutschen

"Ali" Karl-Thomas Grässel

aus dem oberfränkischen Hof.

Auffällig für mich war zuerst einmal der Spitzname "Ali". Natürlich möchte man da gerne wissen, woher dieser Name kommt, respektive wie er entstanden ist. Als Außenstehender denkt man da zuerst an den berühmten Boxer Muhammad Ali oder besser bekannt als Cassius Clay. Der Spitzname "Ali" hat aber so garnichts mit dem Boxer zu tun. Vielmehr war es die kleine Schwester von Karl-Thomas, welche quasi das "Urheberecht" auf Ali besitzt. Weil sie bei Karl (Karli) das K schlecht aussprechen konnte, blieb ein mehr oder weniger deutliches "Ali" übrig. Mit dieser Erläuterung war damit auch die Neugier des Autors zufrieden gestellt. Wie bei vielen Sportlerkarrieren war es auch bei Karl-Thomas der Fall. Er nahm den Sohnemann mit zu den Rennen in der Umgebung. Die Saat war damit gelegt, es den vorbeibrausenden Zweiradpiloten gleichtun zu wollen. Es dauerte dann bis 1975, bis "Ali" mit einer RD 350 von Yamaha die Kurven des Zotzenbergrennens erstürmte.
Zwischen 1976 und 1978 ging es dann den üblichen Weg weiter. Zuerst die Rennen beim OMK-Pokal, ein Jahr später, nun ausgestattet mit einer internationalen Lizenz, folgten Rennen um die Deutsche Meisterschaft, die Bergeuropameisterschaft und auch der erste WM - Lauf beim Grand Prix in Brno 1978. Die Arbeitsgeräte waren damals zwei Yamahas vom Typ TZ 250 und 350. Bereits 1977 hatte er sogar einen Start bei den 100 Meilen von Daytona in den USA. 1979 fuhr Karl-Thomas natürlich wieder die Deutsche Meisterschaft und auch einige Rennen in der Weltmeisterschaft. Dazu benutzte er eine MBA in der Achtelliterklasse und in der Viertelliterklasse die TZ 250 von Yamaha. Dabei sollte man wissen, daß es zu dieser Zeit im Ermessen der Veranstalter gelegen hat, einen Fahrer als Starter anzunehmen oder nicht. Ein Vorteil war es natürlich, wenn ein Team mit bekannten Name die Nennungen abgab. Dieses Team war zwischen 1977 und 1983 und dann noch einmal zwischen 1985 und 1986 das Team des deutschen Exweltmeisters Dieter Braun. Und auch das Römer Racing Team 1984, für das "Ali" 1984 fuhr und seine besten Ergebnisse hatte, gehörte zu den bekannten Teams (siehe auch Textanfang).

An dieser Stelle muß unbedingt noch erwähnt werden, daß die Erfolge von 1984 auf einer von Helmut Fath getunten Maschine erreicht wurden und daß, bei aller Treue zu Yamaha, Karl-Thomas seine beiden letzten Rennjahre 1985 und 1986 mit einer Honda 250 bestritten hat.

Als Kaufmann war es für "Ali" Grässel natürlich wichtig zu wissen, daß es auch noch ein Leben nach dem Rennsport gibt. Und - wie links zu sehen - so sieht das dann aus.
 
1976 beim OMK-Pokal auf dem Nürburgring
1978 auf dem Straßenkurs in Horice, damals CSSR

1981 beim GP in Brno

1982 mit der TZ 350 unterwegs in Brno...

...und noch an einer anderen Stelle

Quelle Text: Grässel,classic-motorrad.de - Quelle Bilder : Archiv Grässel, Günter Geyler, der Autor




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