Dieter Falk

Deutschland


Es war Assen anno 1998. Einige Freunde und ich schlenderten durch das Fahrerlager, überwältigt von den vielen Rennsportgrößen aus der "guten alten Zeit" klopfte mir ein Freund plötzlich auf die Schulter und meinte nur:"dort sitzt doch der Dieter Falk aus Freudenberg". Eine Rückfrage bei dem Mann mit dem grauen Haupthaar ergab, ja er war es tatsächlich und sofort wurden wieder alte Erinnerungen wach an das Jahr 1957 am Sachsenring, als dem Mann aus Freudenberg mit seiner Adler die Verkleidungsscheibe kaputt gegangen war und er die Fahrt im Regen trotzdem fortsetzte. Wo sollte er auch jenseits des "Eisernen Vorhangs" so schnell eine neue Scheibe herbekommen?
Aus einem KFZ-Betrieb stammend war es ihm fast schon in die Wiege gelegt worden, daß er sich für alles mit Motoren interessierte. So begann er 1953 seine kurze, aber wie wir noch sehen werden, sehr erfolgreiche Rennsport - Karriere. Das war zu einer Zeit, als ganz Deutschland sich über die Weltstars von NSU freute und nur wenige eingefleischte Enthusiasten auch zu den Rennen der "Ausweisklassen" gingen. 1956 dann hatte er es geschafft, er wurde in der Viertelliterklasse DEUSCHER MEISTER bei den Junioren. Nach dem Aufstieg in die Lizenzklasse konnte er sich jetzt nicht nur national, sondern auch international mit den Besten der Welt messen. Von vornherein war klar, daß das erste Jahr wohl ein Lehrjahr werden würde. Und er merkte auch, daß die Kosten ungleich höher waren als bei den "Amateuren", sprich in der Ausweisklasse.
Offenbar war er in seinem ersten "Lehrjahr" bei den Großen sehr aufmerksam gewesen, denn im folgenden Jahr 1958 avancierte der Lehrling plötzlich zum Meister und der Begriff "Falk aus Freudenberg auf Adler" wurde zum Synonym für Erfolg. Wie 1956 wurde er 1958 erneut DEUTSCHER MEISTER, diesmal aber in der Lizenzklasse. Bei zahlreichen, international gut besetzten Rennen landete er zumindest auf dem "Treppchen". So gewann er zum Beispiel beim Schleizer Dreieckrennen und ließ dabei die Spitzenleute Helmut Hallmeier und Eric Hinton aus Australien, beide auf NSU-Sportmax, hinter sich. Beim Rennen im Leipziger Scheibenholz gewann er nicht nur, sondern er fuhr auch noch mit seiner Adler die schnellste Runde des Renntages.
Die Höhepunkte der Saison setzte er aber bei seinen Auftritten an den Weltmeisterschaftsrennen. Als Neuling bei der TT auf der Isle of Man und gleich ein fünfter Platz unter den TT-Sezialisten, das verwunderte sogar die Enthusiasten aus "Old England". Man sprach jetzt auch in der WM von dem Siegerländer. Bei den WM-Läfen in Assen und auf dem Nürburgring landete er sogar jeweils auf dem dritten Rang. Zum Saisonabschluß im italienischen Monza langte es für den Mann aus Freudenberg nochmals für WM-Punkte.
Die Bilanz für 1958 konnte sich wirklich sehen lassen: Deutscher Meister in der Viertelliterklasse, ein fünfter WM - Gesamtrang und zahlreiche Siege und Podestplätze bei weiteren internationalen Rennen.
Wo jeder andere Fahrer sich auf dem richtigen Weg in die Zukunft gewähnt hätte, verblüffte Dieter Falk erneut - er beendete nach seinem erfolgreichsten Jahr seine Rennsportkarriere. Die Arbeit im elterlichen Betrieb ging vor. Er verabschiedete sich also von der Rennsportbühne ebenso schnell wie er gekommen war. Was soll man dazu sagen: es war einfach schade ein solches Talent nie mehr an den Rennpisten bewundern zu können.
Heute ist der 1930 geborene Freudenberger noch viel mit seinem Wohnmobil unterwegs und wenn das Wetter nicht so mitspielt beschäftigt er sich mit Restaurationsarbeiten - na was wohl - an Motorrädern.


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