Wetzlar war mir seit Beginn meiner Lehrzeit 1956 als Standort der weltbekannten Leica - Kamerawerke geläufig. Eine Stadt also, in der Präzision gefragt ist. Und genau diese Präzision war es, die Wetzlar und

Klaus Enders


zu einen weltweiten Begriff werden ließ. Klaus Enders und Wetzlar gehörten seit Beginn von Enders Rennsportkarriere ebenso zusammen, wie Leica und Wetzlar oder beispielsweise in einer anderen Region Walter Zeller und Hammerau.

Das Erstaunliche an Klaus Enders Karriere, die er 1960 begonnen hat, war, daß er zuerst "zweigleisig" gefahren war. Er startete sowohl bei Solorennen als auch in der Seitenwagenkategorie (Das Foto links oben zeigt Klaus Enders am Start zu seinem letzten Rennen 1974 beim Grand Prix in Brno). So wurde er zum Beispiel 1963 Deutscher Juniorenmeister in der 500 cc Klasse und hatte 1964 beim letzten Weltmeisterschaftsrennen auf dem legendären Solitude - Kurs sowohl in der 500 cc Klasse genannt, als auch bei den Sidecars mit Beifahrer Reinhold Mannischeff. Keine Frage, diese Zweigleisigkeit konnte auf Dauer nicht den erhofften Erfolg bringen. So entschied sich schließlich der Wetzlarer in Richtung Dreiräder und heute läßt sich konstatieren, diese Entscheidung war goldrichtig.
Zur gleichen Zeit machte Klaus Enders auch die Bekanntschaft von Dieter Busch, welcher fortan für die exzellente technische Betreuung im Team Enders zuständig war. 1966 gelang dann dem Duo Enders - Mannischeff im belgischen Spa / Francorchamps der erste WM-Punkt, besser gesagt, es wurden gleich 3 Punkte, die sie für ihren ausgezeichneten vierten Platz erhielten. Gleiches gelang dann im darauffolgenden Rennen auf der Isle of Man, die wegen eines Hafenarbeiterstreiks von ihren angestammten Termin im Juni für einmal in die letzte Augustwoche verlegt worden war.
Als dann 1967 als Passagier Ralf Engelhardt hinzu kam, ging es stetig bergauf in der Karriere von Klaus Enders. Am 7. Mai gelang ihm sein erster Grand Prix Sieg in Hockenheim, dem im gleichen Jahr noch vier weitere folgten. Keine Frage, das bedeutete dann auch gleichzeitig seinen ersten WM-Titel am Saisonende.
Eine Seuchensaison 1968 mit "nur" zwei zweiten Plätzen konnte aber Klaus Enders nicht von seinem eingeschlagenen Erfolgsweg abhalten. Im darauffolgenden Jahr 1969 wurde erneut der Weltmeistertitel errungen. Allerdings gab es einen kleinen Wermutstropfen im Freudenbecher: Ralf Engelhardt, der bewährte Passagier, mußte sich vermehrt um seine bürgerliche Existenz kümmern und stand für 1970 nicht zur Verfügung. Im Motorradrennsport konnte man seinerzeit als Privatfahrer in den Soloklassen kaum Geld verdienen und noch weniger in der Seitenwagenklasse bei aber höheren Ausgaben gegenüber den "Solisten". Trotzdem, Klaus Enders ließ sich von dem einmal eingeschlagenen Erfolgsweg nicht abbringen. Zufällig hatte sich 1970 der WM-Titel (1968 mit Helmut Fath) erprobte Wolfgang Kalauch "arbeitslos" gemeldet, da Fath seine aktive Laufbahn beendet hatte und sich dem Tuning widmete. Wolfgang Kalauch war also der richtige Mann (Bild oben) zur richtigen Zeit für die Saison 1970.
Mit zwei Siegen im Gepäck ging es zum Grand Prix nach Brno. Allerdings hatte 1970 auch Georg Auerbacher bis dato zwei Siege erreicht und noch einen zweiten Platz dazu. Der Titelkampf war also noch offen. Dann geschah im Training das nahezu Unfassbare. Klaus Enders hatte einen seiner ganz selten Unfälle, als dessen Folge Wolfgang Kalauch aus dem Beiwagen geschleudert wurde und ins Krankenhaus mußte. An einen Renneinsatz war natürlich nicht zu denken. Doch welch ein Glück. Zufällig war als Besucher auch Ralf Engelhardt in Brno, um moralischen Beistand im Titelkampf zu leisten. Aus dem moralischen Beistand wurde nun ein aktiver Beistand, denn der Titelkampf wäre wohl sonst zugunsten von Auerbacher entschieden gewesen. Kurz und gut, Enders - Engelhardt (Foto oben drei Jahre später) gewannen vor Auerbacher - Hahn in Brno und auch noch die beiden folgenden Läufe in Imatra und beim Ulster Grand Prix und wurden somit zum dritten mal Weltmeister. Allerdings hatte 1970 bei zwei Siegen auch Wolfgang Kalauch seinen Anteil am Titelgewinn.
Weil der Sport auf diesem hohen Niveau ja auch einmal etwas einbringen sollte, erhoffte sich Klaus Enders von einen Wechsel zu den "Vierrädrigen" endlich einen Gewinn. Diese Hoffnung war allerdings trügerisch, das Jahr 1971 damit ein verlorenes Jahr. Ein zurück in die Sidecarszene 1972 bis 1974 erwies sich erneut erfolgreich und natürlich wieder mit Erfolgspassagier Ralf Engelhardt und Dieter Busch als zuständiger Techniker.



WM-Titelgewinn Nummer vier, fünf und sechs in den drei Saisons zwischen 1972 und 1974 hoben den Wetzlarer endgültig zum erfolgreichsten deutschen Motorrad - Straßenrennsportler empor. Dabei darf man nicht übersehen, daß eine Titelverteidigung von Jahr zu Jahr immer schwieriger geworden war. Insbesondere in Form der Zweitakt-König-Motoren war den erfolgsverwöhnten Münchener BMW - Maschinen ein immer stärker werdender Konkurrent entstanden. Beide Fotos oben zeigen Enders - Engelhardt beim letzten Grand Prix ihrer Karriere in Aktion. Im linken Foto geht es dabei "durch die Schluchten des mährischen Berglands" und im rechten Foto oben werden sie von Schwärzel - Kleis verfolgt, welche am Ende das Duell mit einer Zehntel-Sekunde Vorsprung für sich entschieden. Am sechsten WM - Titelgewinn von Klaus Enders mit Beifahrer Ralf Engelhardt änderte das allerdings nichts mehr. Klaus Enders mit Ralf Engelhardt Wer etwas mehr als 46% aller zwischen 1966 und 1974 (ausgenommen das Jahr 1971) stattgefundenen Rennen in der Seitenwagen - Weltmeisterschaft gewonnen hat, darf sich voller Stolz an seinem 78. Geburtstag am 2. Mai 2015 zurücklehnen und die sicher zahlreichen Glückwünsche entgegen nehmen. Auch der Betreiber dieser Webseite und Autor dieses Berichtes möchte sich in die Schar der Gratulanten einreihen. Ich darf sicher auch im Namen der vielen Rennsportfreunde sagen: alles erdenklich Gute weiterhin, vor allem beste Gesundheit

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