Der Motorsport ist sein Leben – Max Deubel

Text: Frank Bischoff

Fotos: Frank Bischoff, Rolf Eggersdorfer, Claude Lambert, Archiv Geyler


Die Motorrad-Gespann-Weltmeisterschaft 1961 hatte mit dem Sieg der Titelverteidiger Fath / Wohlgemuth im Montjuich-Park von Barcelona erwartungsgemäß begonnen. Was aber dann innerhalb von zwei Wochen passierte, machte alle Prognosen für den Saisonverlauf zunichte. Zuerst verunglückten die Barcelona-Sieger am 30. April während des Eifelrennens auf dem Nürburgring so schwer, dass Alfred Wohlgemuth sein Leben verlor und Helmut Fath erst Jahre später wieder an Rennen teilnehmen konnte. Und die Tragik setzte sich fort. Dem WM-Mitfavoriten Florian Camathias aus der Schweiz, der seinen Stammbeifahrer, den Deutschen Hilmar Cecco, wieder im „Boot“ hatte, wurde ein Rennen in Modena zum Verhängnis. Auch in diesem Fall verstarb der Beifahrer an den Sturzfolgen, und Camathias´ Verletzungen ließen eine Einflussnahme auf das WM-Geschehen in besagtem Jahr nicht mehr zu.

Die Meinung der „Fachleute“ war einhellig – Weltmeister konnte in Folge dieses Geschehens wohl nur Fritz Scheidegger aus der Schweiz werden. Seit 1957 fuhr er mit seinem deutschen Beifahrer Horst Burkhardt, und nach dem 3. Platz von 1959 sowie dem Vizeweltmeistertitel im Folgejahr schienen die beiden nun für den Titelgewinn geradezu prädestiniert zu sein. Aber wie so oft, wenn alles eindeutig erscheint, kommt es anders.

Der am 5. Februar 1935 in Mühlenau, einem Ortsteil von Wiehl im Bergischen Land, geborene Max Deubel hatte sich – ohne dass man ihn schon zu den Weltmeisterschafts-Favoriten zählte – stetig nach vorn gearbeitet. Sein Renn-Debüt gab er 1955 auf einem Ex-Walter-Schneider-Gespann mit „Passagier“ Horst Höhler, einem Arbeitskollegen. Typisch für das erste Jahr waren ständige Ausfälle. Technische Probleme und Stürze wechselten sich dabei in „schöner“ Regelmäßigkeit ab. Der erste Sieg als Ausweisfahrer gelang den Beiden am 7.Juli 1957 im Neunkirchner Dreieckrennen.

Mit einem anderen, dem „Schleizer Dreieck“, machte Max Deubel dann erstmalig 1958 Bekanntschaft, nachdem er kurzzeitig aus dem eigenen „Cockpit“ in den Seitenwagen von Rolf Amfaldern gewechselt war. Dieser hatte zwangsläufig die umgekehrte Richtung eingeschlagen, denn das hoffnungsvolle Gespann Knebel/Amfaldern war im Assen-Training 1957 schwer verunglückt. Josef Knebel hatte dabei sein Leben verloren. 1958 absolvierte Deubel auch als einziges Solorennen seiner Karriere das Eifelrennen auf dem Nürburgring. Mit einer 125-ccm-Mondial wurde er Zweiter der Ausweisklasse. Ein Jahr darauf kam er erneut nach Schleiz, nun aber als Fahrer und mit Horst Höhler im Seitenwagen. Scheidegger/Burkhardt beendeten damals die lange Serie rein deutscher Siege, Deubel/Höhler wurden Zweite. An Schleiz hat er grundsätzlich sehr gute Erinnerungen. Konkret auf das 1959er Rennen trifft das trotz des 2. Platzes aber logischerweise nicht zu, denn nach nur 4 Runden erforderte eine Unfallserie mit tragischen Folgen den Abbruch. 33 Jahre sollte die Gespann-Abstinenz auf dem Dreieck dauern. Und so war es zwangsläufig auch Max Deubels letzter Kontakt als Aktiver mit dem Kurs. Im Osten Deutschlands – auf der Autobahnspinne in Dresden-Hellerau - siegten die bundesdeutschen Vizemeister von 1959 dann im Juli erstmals auch als Lizenzfahrer.

Als Nachwuchs-Lizenzfahrer war ihm die Teilnahme an der kompletten WM-Saison noch versagt. Aber beim deutschen Grand Prix in Hockenheim, wo sie laut Reglement starten durften, weckten Deubel und Höhler bereits Zukunftshoffnungen. Camathias/Cecco, die Sieger, und Schneider/Strauß als Zweite fuhren noch in einer eigenen Liga. Aber auf der dritten Stufe des Podiums standen der Mühlenauer und sein „Schmiermaxe“. Scheidegger/Burkhardt wurden Fünfte. Die erste volle WM-Saison wurde 1960 absolviert. Platz 6 in der Gesamtwertung war das Spiegelbild einer guten Leistung, deren Höhepunkt der 4. Platz im Großen Preis von Deutschland auf der Solitude war. National reichte es wieder zur Vizemeisterschaft.

Zurück zum Geschehen von 1961. In einer nicht vorhersehbaren Art und Weise bestimmte Max Deubel nun das Geschehen. Mit dem frechen Zeichen „Max und Moritz“ auf der Verkleidung, wobei der Moritz eigentlich ein Emil - sein neuer Copilot Emil Hörner – war, wurde das deutsche Gespann nach Siegen in Hockenheim, auf der Isle of Man und in Assen sowie zweiten Plätzen im französischen Clermont-Ferrand und in Spa-Francorchamps Weltmeister. Hauptkontrahent Fritz Scheidegger – den er selbst als den neben Florian Camathias stärksten, dabei sportlich sehr fairen Gegner bewertete musste dann noch drei weitere Jahre auf den Weltmeisterschaftsgewinn warten.

Den letzten WM-Lauf seiner Karriere absolvierte das Gespann, dem es bis heute als einzigem Team gelungen ist, viermal in Folge Weltmeister in dieser Klasse zu werden, auf der Isle of Man 1966. Fritz Scheidegger, seit 1962 mit dem Engländer John Robinson als Beifahrer, hatte 1965 die Deubel´sche Dominanz brechen können. Und auch 1966 war der Titel bereits „in der Tasche“ der schweizerisch-englischen Crew, als die T.T. aufgrund eines Hafenarbeiterstreikes im Juni erst Ende August ausgetragen wurde. Max Deubels und Emil Hörners Vorhaben, das wohl schwerste Rennen der Welt zum vierten Mal zu gewinnen, scheiterte damals an 8/10 Sekunden. Genau diesen Vorsprung attestierten die Zeitnehmer Scheidegger/Robinson nach mehr als 180 Kilometern „Fernduell“. Manchmal liegen Glück und Pech sehr eng zusammen. Auf jeden Fall hinterließ das deutsche Gespann auf der Insel einen bleibenden Eindruck – ihnen zu Ehren wurde dort sogar eine Briefmarke herausgegeben.

Von 1961 bis 66 gewannen „Max und Moritz“ 4 WM-Titel sowie 2 Vizeweltmeisterschaften. Zusammen mit dem ersten „Podium“ von 1959 sind 12 Siege, 12 zweite und weitere 3 dritte Plätze in Weltmeisterschaftsläufen eine sehr gute Bilanz.. Dass sie dabei auf acht verschiedenen Kursen siegten zeugt von ihrer Universalität. Sechs deutsche Meisterschaften runden das Bild ab. Max Deubel hatte 1961 an das elterliche Haus in seinem Heimatort ein Restaurant angebaut und es unter dem Namen „Zum schnellen Max“ im November des gleichen Jahres eröffnet. Nach seiner Heirat 1966 wurde es vergrößert sowie durch Fremdenzimmer, Gesellschaftsräume und eine Kegelbahn ergänzt. Das „Sporthotel Deubel“ besteht noch heute, ist aber seit 1972 verpachtet. Von jenem Jahr bis 1998 war Max Deubel auch Repräsentant der Erzquell-Brauerei Bielstein.

Dem Motorsport blieb er als ehrenamtlicher Funktionär erhalten. So seit 1968 als Sportkommissar in der DMSB-Vorgängerorganisation OMK (Oberste Motorradsport-Kommission), wobei er auch als Organisator von Motorradsport-Veranstaltungen hervortrat. Für den ADAC Nordrhein übte er die Funktion des Rennleiters bei zahlreichen Grand Prix und Langstrecken-WM-Veranstaltungen aus. 1986 wurde er Mitglied der Straßenrennsportkommission der FIM und bekleidet seit 1990 das Amt als deren Vizepräsident. Nicht unerwähnt bleiben darf die Auszeichnung mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“, die ihm 1962 gemeinsam mit Emil Hörner (der leider am 26.Mai 2003 verstarb) zuteil wurde. Über die Vergabe dieser höchsten Ehrung im deutschen Sport entscheidet einzig und allein der Bundespräsident. Der ADAC würdigte seine Tätigkeit durch das „Sportabzeichen in Gold mit Brillanten“, und auch die „Ewald-Kroth-Medaille in Gold mit goldenem Kranz“ – 1986 verliehen - zählt zu den hochrangigen Ehrungen. Aktuell ist Max Deubel nach wie vor im Auftrag der FIM tätig. Und er nutzt jede Gelegenheit, an die Orte seiner Erfolge zurückzukehren und dort Freunde und Rivalen aus der Vergangenheit zu treffen. So geschehen zum WM-Treffen in Schleiz, den "The Bikers Classics" in Spa-Francorchamps und zur Neuauflage der Centennial Classic TT in Assen 2010.

Max Deubel´s Weltmeisterschaftsergebnisse
WM
Rang
Jahr Fahrer
Name
Fahrer
Vorname
Beifahrer
Name
Beifahrer
Vorname
Land Marke Resultate
8 1959 DeubelMax HöhlerHorst D BMW D 3
6 1960 DeubelMax HöhlerHorst D BMW F 4 - NL 6 - D 4
1 1961 DeubelMax HörnerEmil D BMW D 1 - F 2 - TT 1 - NL 1 - B 2
1 1962 DeubelMax HörnerEmil D BMW E 1 - F 1 - NL 2 - B 3 - D 1
1 1963 DeubelMax HörnerEmil D BMW E 1 - D 2 - NL 1 - B 2
1 1964 DeubelMax HörnerEmil D BMW E 4 - F 2 - TT 1 - NL 4 - B 1 - D 2
2 1965 DeubelMax HörnerEmil D BMW E 1 - F 3 - TT 1 - B 2
2 1966 DeubelMax HörnerEmil D BMW D 2 - F 3 - TT 2 - NL 2 - B 2
  


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