Wenn man im Rennsport Vizeweltmeister geworden war und noch dazu Europameister, da sollte man meinen, ein Platz in den Geschichtsbüchern wäre sicher. Dem ist bedauerlicherweise leider nicht so. Dabei ist die Zeit von der ich hier rede, in historischen Dimensionen gesprochen, noch garnicht sooo lange her. Es geht hier um einen Zeitraum von vor etwa 25 bis 30 Jahren und viele der ein wenig älteren Besucher dieser Seite dürften sich sogar noch recht gut an diese Zeit erinnern. Und um wen es hier geht? Ich spreche von dem Dillinger

Hubert Abold

, dessen größte Erfolge ich eingangs bereits genannt habe - Vizeweltmeister und Europameister.

Angefangen hatte Hubert im Geländesport 1974, jenem Jahr also, in dem die meisten Grand-Prix Fahrer wegen ungenügender Sicherheitsvorkehrungen beim deutschen Grand Prix auf dem Nürburgring streikten. In dem Jahr konnte Hubert in seiner Rennbilanz auch gleich den ersten Podestplatz im niederbayrischen Straubing verzeichnen - er wurde Dritter. Im darauf folgenden Jahr kam noch ein erster Platz hinzu, aber auch die Erkenntnis, dass das alles doch ein wenig zu langsam vonstatten geht. Konsequenz daraus: er wechselte zum Straßenrennsport.

Mit seiner Erfahrung aus dem Gelände und der damit verbundenen Maschinenbeherrschung kamen auch gleich die ersten guten Platzierungen auf der Straße. Er bewegte dabei eine 50 cc Kreidler. Dies geschah in den Jahren 1976 und 1977. Jetzt mit einer internationalen Lizenz ausgestattet, fuhr er zwischen 1978 und 1982 in der Achtelliterklasse, wobei er mit einer "Bender" 1982 Deutscher Meister wurde.

Nicht zuletzt wegen seiner gezeigten Leistungen in der Deutschen Meisterschaft erhielt er von Zündapp das Angebot, für sie 1983 in der neu geschaffenen 80 cc Klasse die Europameisterschaft zu fahren. Wer kann ein solches Angebot schon ausschlagen? Allerdings sollte auch nicht vergessen werden, daß eine Verpflichtung als Werksfahrer immer einen innerlichen Druck erzeugt - man kann und will es ja auch nicht, die Erwartungen der "Chefetage" zu enttäuschen. Kurz und gut, Hubert konnte die Erwartung erfüllen, wie beispielsweise das Siegerfoto von Brno 1983 zeigt. Links von ihm sehen wir den kleinen Italiener Massimo Fargeri, während der Bärtige an seiner Seite der Belgier Chris Baert ist. Es ist übrigens jener Chris Baert, der noch im vergangenen Jahr in der Seitenwagen - Weltmeisterschaft unterwegs war.

Kurz und gut, die Aussichten für 1984 waren gut, erstmals eine komplette WM - Saison fahren zu dürfen. An der Seite von Hubert verpflichtete man mit dem Schweizer Stefan Dörflinger immerhin den 2-fachen Weltmeister der letzten beiden Jahre in der 50 cc Klasse.

Der Auftakt der Saison begann recht vielversprechend. Für den Dillinger sprang bei seinem ersten WM - Einsatz im italienischen Misano gleich ein Podestplatz heraus: er wurde Dritter. Sein Stallgefährte Dörflinger Zweiter und den Sieg konnte der nicht ganz unbekannte Pier-Paolo Bianchi auf seine Fahnen heften. An dieser Stelle sei auch gleich vermerkt, daß Hubert der einzige Fahrer von den 23, mit WM - Punkten bedachten, Kollegen war, der ohne Ausfälle durch die WM - Saison gekommen ist. Das nennt man wohl Zuverlässigkeit. Mit zwei Doppelsiegen in Salzburg und Rijeka, sowie in der Gesamtwertung der WM, jeweils in der Reihenfolge Dörflinger, Abold, endete der Werkseinsatz für Hubert bei Zündapp. Aber auch für Zündapp war der Renneinsatz nach 1984 beendet.

Weltmeister Dörflinger wurde für 1985 von Krauser, Hersteller von Motorradzubehör, verpflichtet und für Hubert blieb in der Zukunft nur wieder die Privatfahrerrolle übrig. Um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben schaffte er sich privat eine der frei verkäuflichen 80er von Krauser an und mit zwei exzellenten vierten Plätzen bei den GP´s in Italien und Portugal sprang 1987 sogar noch ein siebenter WM - Schlußrang in der zu ende gehenden 80 cc Klasse heraus. Danach blieb sinnvollerweise nur, um den Rennsport weiter zu betreiben, ein Umstieg in die Achtelliterklasse. Auch dort bahnten sich aber einschneidende Veränderungen an. Statt der bislang erlaubten Zweizylindermotoren sollten künftig nur noch solche mit einem Zylinder erlaubt sein. Motorsport in dieser Phase war nur mit viel Risiko für entsprechende Investitionen möglich. Zwischen 1988 und 1992 versuchte sich Hubert als Privatier in der Achtelliterklasse, mit einigen guten Resultaten.

Wegen seiner technischen Fertigkeiten wechselte er nach seiner aktiven Zeit in das Team von Dirk Raudies und wurde mit dem Team 1993.....Weltmeister. 1994 dann auch noch WM - Vierter. Nach der Gründung des Dirk Raudies Junior - Teams und Markus Ober als Fahrer wurde er Teammanager. Auch seinen Sohn Steve half er beim Einstieg in den Kartsport. Mit Markus Ober wurden zwei Vizetitel in der Deutschen Meisterschaft erreicht und in der Viertelliterklasse sogar der Meistertitel. Mit Sohn Steve wechselte er sogar über in den Tourenwagensport, getreu dem Motto: "einmal Motorsport, immer Motorsport".

Autor: Rolf Eggersdorfer

Quelle-Text: www.classic-motorrad.de

Quelle-Bilder: Autor, Zündapp-Werksfoto


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