Es gibt im Leben Entscheidungen, die verlangen sehr viel Konsequenz. Eine solche Entscheidung traf der Schweizer Meister

Xaver Tschannen (CH)



nach dem Motorrad-GP 1977 in Rijeka. Im Training hatte er noch den 5.Rang in der Achtelliterklasse belegt und dann geschah im Rennen der 50 cc Klasse das Unfassbare: sein Landsmann Ulrich Graf verunglückte tödlich. "Schluß, aus, das war´s", so lautete seine Entscheidung über den Fortgang seiner Rennsportkarriere. Dabei war er gerade drauf und dran, sich unter den "Top-Ten" der Welt in seiner Klasse zu etablieren. Ein 11. WM-Schlußrang 1976 hatte ihm aufgezeigt, wohin der weitere sportliche Weg gehen könnte und auch sollte.

Es schien in jener Zeit aber auch wie ein Fluch über der Schweizer Rennfahrerszene zu liegen. Zu erst erwischte es Werner Pfirter bei einem Verkehrsunfall auf der Heimfahrt vom Spanien-GP. Dann traf es Werner Giger in Finnland. Allein in 1977 traf es dann innerhalb weniger Wochen Franz Kunz, Hans Stadelmann und nun Ulrich Graf. Welcher der Aktiven kam da wohl nicht ins Grübeln...

Begonnen hatte Xaver seine Laufbahn 1970 in der Debütanten-Klasse mit einer 250 cc Aermacchi. Im Jahr darauf dann der Umstieg in die 125 cc Klasse auf einer Honda. 1972 dann erste internationale Starts und die Erringung des Vizemeistertitels der Schweiz, diesmal mit einer Yamaha-Eigenbau. In 1973 erster GP-Start, mit einer Maico, aber auch regelmäßige Fahrten bei den Rennen zur Schweizer Meisterschaft, die er gewann. Auf dem rechten oberen Bild beim Bergrennen in Oberhallau, welches er als Sieger beendete.

Den GP-Start in Hockenheim, inmitten der Weltelite, durfte er als wichtigen Schritt in Richtung internationale Karriere betrachten. Schon die Atmosphäre bei den "Großen" war unvergleichlich. Dies empfand auch seine langjährige Freundin und seit 1979 Ehefrau Beatrix (im rechten Foto unten inmitten der GP-Stars Agostini und Nieto). 1974 und 1975 startete er weiterhin bei internationalen Rennen und bei GP´s. Bei nur 3 Teilnahmen bei Läufen zur Schweizer Meisterschaft 1975, errang er zwei Siege und einen zweiten Platz, was im Schlußklassement zum Vizemeister reichte. Saisonhöhepunkt war für Xaver aber der 10. Platz beim Grand Prix von Frankreich in Le Castellet. Das war sein erster WM-Punkt und gab natürlich enormen Auftrieb für die Saison 1976.

Der Auftakt in 1976 war mit einem fünften Platz in Salzburg recht vielversprechend. Gert Bender, selber recht erfolgreich im GP-Sport unterwegs, inspiziert auf dem linken Bild die Maico von Xaver. Offenbar war die Inspektion recht erfolgreich, denn am Ende erreichte Xaver im Rennen einen exzellenten fünften Platz, während der "Maestro" selber ohne Punkte blieb. Das die Bäume nicht in den Himmel wachsen, musste Xaver im italienischen Mugello verspüren. Einem vierten Trainingsplatz, der Hoffnung auf mehr machte, folgte im Rennen ein Ausfall durch Sturz.

Glücklicherweise hatte der Sturz keine schlimmen Auswirkungen, denn bereits im folgenden Rennen in Rijeka war erneut ein fünfter Platz der Lohn für seinen Einsatz. Auch bei der Dutch TT auf der schwierigen Strecke in Assen hielt die gute Stimmung im Team an. Im Bild links strahlen Mechaniker Kurt Spychiger, Xaver und Beatrix um die Wette. Mit einem neunten Platz sprang erneut ein großartiges Resultat heraus. Leider führte eine defekte Kurbelwelle im darauffolgenden Rennen in Spa erneut zum Sturz, gottlob ohne ernste Folgen. Die Fortsetzung der Saison: erneut ein technischer Defekt in Anderstorp (S) (Foto unten) und ein punkteloser 11. Platz in Finnland. Eigentlich kein schlechtes Ergebnis, aber für die inzwischen berechtigt, gestiegenen Erwartungen eben doch nicht so optimal... Allerdings, hätte man Xaver vor der Saison prophezeit, er würde Ende Saison den 11. WM-Schlußrang belegen, er wäre darüber sicher höchst zufrieden gewesen.


Für 1977 durfte man also noch einiges erwarten. Doch dann kam alles ganz anders (siehe Berichtsanfang)...

1979 heiratete Xaver seine Beatrix. Die Familie ist inzwischen um 3 Burschen vergrößert worden, welche alle Motorrad fahren, aber keine Rennen. Dafür mögen es die Jungen etwas flotter auf Skiern. Papa Xaver kommt seit seinem Karriereende gänzlich ohne Motorrad aus. Seine Metallbautechnik-Firma (Foto rechts) verlangt ohnehin seinen ganzen Einsatz und halbe Dinge sind nun mal nicht Xavers Sache. Viel Glück und Zufriedenheit also weiterhin der Familie Tschannen!

Xavers Firma Xavers WM-Resultate © Fotos: Archiv Tschannen zurück