Bohumil Stasa, ein Publikumsliebling aus Tschechien

Text und Fotos: Günter Geyler

Vielen Dank an Herrn Frantisek Feigl für seine Infos
Es war im Jahr 1968 beim WM-Lauf auf dem alten Sachsenring: Nach dem Rennen der 350er Klasse bekamen im Start-und Zielbereich drei Fahrer mächtigen Applaus: Der Sieger Giacomo Agostini, der Zweitplatzierte Heinz Rosner, aber auch der tapfere Tscheche Bohumil Stasa.
Nach einem weniger guten Start lag Stasa bei Halbzeit des 350er Rennens auf Platz fünf und versuchte, die Konkurrenten Ginger Molloy (Neuseeland) und Kel Carruthers (Australien) - sie kämpften um den dritten Rang - zu erreichen. Dabei raste er in der Queckenbergkurve in die Strohballen, setzte aber unter dem Jubel des Publikums seine Verfolgungsfahrt fort. Kurz vor Schluss des Laufes streikte der Viertakt-Motor seiner CZ. Danach wartete der gute Bohumil vor dem Zielstrich den Zieleinlauf ab und schob sein Motorrad auf Platz 12 über die Linie. Neun Jahre später feierten die Sach- senring - Besucher noch einmal Bohumil Stasa, als er im Ost- block-Rennen 1977 den Lauf der 250er Klasse auf der Zweitakt-Jawa gewann. Natürlich war er auch in Schleiz, Frohburg, Hockenheim und auf dem Nürburgring am Start. Auf einigen WM-Pisten fuhr er ebenfalls mit seiner 350er CZ. Siege waren aufgrund der maschinell überlegenen Konkurrenz (MV Agusta, MZ, Bultaco, Aermacchi) nicht möglich, aber wiederholt vordere Platzierungen. In der WM-Endabrechnung der Klasse bis 350 ccm lag der Tscheche 1968 und 1969 jeweils auf Platz acht.

Der am 29. April 1944 geborene Bohumil war schon von frühester Jugend an vom Rennsport-Bazillus infiziert, denn er begleitete als Sohn des Motorrad-
Rennfahrers Vincenc Stasa seinen Vater zu den einzelnen Rennen. Nur drei Tage nach der Führerscheinprüfung bestritt der Jüngling im September 1961 auf der 250er und 350er Jawa seines Vaters in Jihlava erstmals eine Rennveranstaltung. In seiner aktiven Zeit von 1961 bis 1988 errang Bohumil Stasa insgesamt 20 nationale Mei- sterschaften in den unter- schiedlichsten Motorrad-Klas- sen: 125, 175, 250, 350 und 500 ccm. Er war viele Jahre CZ- und Jawa - Werksfahrer. Außerdem fuhr er auf Yamaha, Honda, Suzuki und auch auf seinen Eigenbauten MBS 125 und MBS 250. (MBS ist die Abkürzung von Motorrad von Bohumil Stasa).

Er startete insgesamt 827 Mal und erkämpfte 215 Siege. 25 Stürze mußte er hinnehmen, aber zum Glück blieben ernste Verlet-zungen aus. Sein größter Erfolg bei einem WM - Lauf: Platz zwei in Brno 1971 auf der 350er CZ hinter dem Sieger Jarno Saarinen (Finnland).
Hierbei jubelten die tschechischen Rennfans ebenso wie eine Woche zuvor die Ostdeutschen beim „Jahrhundertrennen“ auf dem Sachsenring, als Dieter Braun die Weltelite schlug.
Das letzte Rennen fuhr der schnelle Bohumil 1988
in Tierlitzko.Seine tschechischen Rennsport-Rivalen waren größtenteils auch in Deutschland bekannt: Frantisek Stastny, Gustav Havel, Frantisek Srna, Stanislav Malina, Frantisek Bocek, Peter Balaz und Pavel Dekanek. Betrachtet man die Liste der Rennstrecken, auf denen der Bohumil um die tschechische Motorrad - Straßenmeisterschaft kämpfte, so kann man nur staunen. So viele Pisten gab es im geteilten Deutschland nur in den 1950er Jahren!
Einige internationale tschechische Rennen, die wesentlich besser besetzt waren als die traurigen Ostblockrennen in der damaligen DDR ab 1973, galten gleichzeitig als Meisterschaftsläufe. Die bekanntesten Renn-Veranstaltungen liefen in Brünn, Jicin, Piestany, Karvina, Most und Horice. Eine Eigenheit in Horice: Der Renntag be- gann dort frühestens ab elf Uhr, weil die Rennfahrer am Vortag mit dem Gastwirt bei „Mineralwasser aus Pilsen“ gehörig Wiedersehen feierten! Von 1973 bis einschließlich 1978 gab es in Horice jeweils Doppelsiege. Im Jahr 1974 gewann Stasa auf Jawa die 250er Klasse, und bei den 350ern siegte er auf Yamaha. Vorher feierte er bereits acht Erfolge auf dieser idealen Fahrer-Strecke im Vorriesengebirge.
Im Straßenverkehr – die Firma CZ verfügte über keine eigene Teststrecke - hatte der Werksfahrer Stasa beim Testen eines Motorrads einen schlimmen Unfall: Der Rennfahrer prallte mit einem LKW zusammen und erlitt dabei einen Schädelbasisbruch. Ab 1989 arbeitet der 20-fache Tschechische Motorrad-Meister für seinen rennfahrenden Sohn Bohumil Stasa jun. als Mechaniker.


zurück