Startphase bis zur Siegerehrung 1959 am Sachsenring 1959 - Blitzstart mit der Nummer 7 in der Halbliterklasse aus der 2. Startreihe bis auf´s Podest (Redman 2. - Hocking 1. - Hempleman 3.)

Vergesst die alten Meister nicht

Jim Redman und der Sachsenring

Text: Günter Geyler Fotos: Geyler (7), Archiv

Im Jahr 1958 lief das Sachsenringrennen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg als „Großer Preis der DDR“, war aber noch kein Weltmeisterschaftslauf. Die besten Privatfahrer aus vier Kontinenten kamen nach Hohenstein-Ernstthal. Unter ihnen war auch der in Rhodesien lebende Brite Jim Redman. Nachdem der am 8.11.1931 geborene Motorrad-Rennfahrer in seiner Wahlheimat viele Rennen gewann, kam er mit seinen zwei Norton-Rennmaschinen nach Europa, um dort bei den verschiedensten Rennveranstaltungen in den Klassen bis 350 und 500 ccm Geld zu verdienen.

Auf dem Sachsenring belegte der lange Jim bei seinem Debüt 1958 in der Halbliterklasse den 6. Platz, bei den 350ern kam er auf Platz 8. Ein Jahr später musste Redman mit der 500er Norton lediglich dem Doppelsieger Gary Hocking aus Rhodesien den Sieg überlassen. Zu dem 2. Platz kam noch ein 5.Rang in der 350er Klasse hinzu. Seinen ersten Sachsenring-Sieg feierte Jim Redman 1960 mit der 350er Norton vor weiteren hervorragenden Privatfahrern. Dazu kam noch Platz vier mit dem Halbliter Motorrad.

Sehr gern wäre er zu jener Zeit auf einer Zschopauer Werksmaschine gefahren, aber MZ Rennleiter Walter Kaaden setzte 1959 Gary Hocking und 1960 den Neuseeländer John Hempleman auf den Rennzweitakter. Wie kam Jim Redman zu Honda? Im Jahr 1959 unternahm der japanische Konzern Honda erste zaghafte Versuche mit Viertakt-Rennmotorrädern. Ein Jahr später platzierten sich bereits einige Honda-Piloten bei internationalen Veranstaltungen im Mittelfeld. Als der Honda-Werksfahrer Tom Phillis aus Australien beim Training zum WM-Lauf in Assen (Holland) stürzte und sich das Schlüsselbein brach, empfahl er den Honda-Leuten Jim Redman als Ersatz. Nachdem der hoch talentierte Werksfahrer Bob Brown (Australien) mit der Werks-Honda beim Training auf Deutschlands bester Motorrad-Rennstrecke, der Stuttgarter Solitude, tödlich verunglückte, blieb Redman weiter bei Honda, erzielte einige Achtungs-Erfolge und bekam ab 1961 für die Klassen bis 125 und 250 ccm einen Werksvertrag.

Als Honda-Werksfahrer kam Jim Redman, zusammen mit Mike Hailwood (England), Tom Phillis, Luigi Taveri (Schweiz) Bob McIntyre (Schottland) und Kunimitsu Takahashi (Japan) 1961 zum WM-Lauf nach Hohenstein-Ernstthal. Auf dem Sachsenring belegte er bei den 250ern hinter seinem Markenkollegen Hailwood den zweiten Platz. In der Achtelliterklasse lief es nicht so gut: Nur Platz sechs. Hier waren die MZ-Fahrer Ernst Degner, Laszlo Szabo (Ungarn), Walter Brehme und seine Stallgefährten Phillis und Takahashi schneller. 1962 erlebten die Rennsportfreunde beim Großen Preis der DDR ein riesiges Honda-Aufgebot: In den Klassen bis 50, 125, 250 und 350 ccm starteten die weltbesten Werksfahrer. Bei den 125ern kämpften Taveri und Redman gegen die MZ-Werksfahrer Szabo und Fischer um den Sieg. Erst in der letzten Runde entschied sich das Rennen. Der kleine Schweizer Luigi Taveri siegte vor dem langen Jim Redman, der am Queckenberg den MZ-Mann Hans Fischer auf den dritten Platz abdrängte und damit eine "offene Rechnung mit MZ" noch begleichen wollte. Unvergesslich war der Spitzenkampf in der Viertelliterklasse: Nachdem Redman mit der Honda in Führung ging, „klebte“ rundenlang Hailwood auf der Werks-MZ an seinem Hinterrad. In der letzten Runde durchfuhren beide die Queckenbergkurve auf gleicher Höhe. Am Zielstrich lag Redman nur einen Meter vor Hailwood. Den Lauf der 350er gewann der Honda-Pilot an diesem Tag ganz überlegen vor dem MV-Werksfahrer Hailwood. Am Ende der Saison hatte Redman in der 250er und 350er Klasse die Weltmeisterschaft erkämpft!

Im Jahr 1963 musste Jim Redman am Sachsenring im Rennen der 250er Klasse die Überlegenheit der MZ anerkennen. Mehr als ein dritter Platz hinter den beiden britischen MZ-Fahrern Mike Hailwood und Alan Shepherd war nicht möglich. Auch bei den 350ern musste sich der Doppelweltmeister nur mit Platz drei hinter Hailwood (MV Agusta) und seinem Honda-Stallgefährten Taveri begnügen. Trotzdem verteidigte Redman die Weltmeisterschaft in den Klassen bis 250 und 350 ccm wieder erfolgreich. Als Jim Redman 1964 am Sachsenring erschien, hatte er bereits einen Dreifachsieg an einem Tag in Assen gefeiert. Auch in Hohenstein-Ernstthal startete er wieder in den Klassen bis 125, 250 und 350 ccm. Mit der 350er Vierzylinder Honda gewann er den Lauf ganz überlegen. Anders verlief das Rennen in der 250er Klasse: Bis zum Zielstrich kämpften der Sachsenring-Neuling Phil Read auf dem Yamaha-Zweitakter gegen den langen Jim. Ständig wechselte die Führung. Im Ziel lag Read mit nur zwei Motorradlängen vor seinem Verfolger. Hinzu kam für Redman noch ein dritter Platz in der Achtelliterklasse hinter dem Suzuki-Fahrer Hugh Anderson (Neuseeland) und Luigi Taveri. Den 250er WM-Titel musste er am Ende der Saison an Read abgeben, in der 350er Klasse hieß der Weltmeister wieder Jim Redman.

Eine Sensation erlebten die Rennsportfreude 1965 am Sachsenring: Hondas Nummer eins erschien mit dem legendären 250er Sechszylinder-Motorrad, mit dem er zuvor auf der Englischen TT und auch in Francorchamps (Belgien) siegte. In Hohenstein-Ernstthal setzte Redmans WM-Konkurrent Phil Read sein ganzes Fahrkönnen ein und konnte trotz der besseren Straßenlage der Yamaha den Honda-Mann auf dieser PS-Piste nicht bezwingen. MZ mit seinen Werksfahrern Heinz Rosner und Derek Woodman (England) musste sich von den beiden japanischen Marken und deren Piloten geschlagen geben. Mit einer Runde Vorsprung gewann Jim Redman nach dem Ausfall des vorerst führenden Giacomo Agostini (MV Agusta) auch das Rennen der 350er Klasse und war somit auch 1965, wie bereits 1962, der erfolgreichste Teilnehmer auf dem Sachsenring. Trotz seines Honda-Kraftpakets – 60 PS bei 18 000 U/min – ging in der 250er Klasse der WM-Titel wieder an Phil Read. Bei den 350ern holte Jim auf der Vierzylinder Honda seinen insgesamt sechsten WM-Titel. In der Saison 1966 wollte der sechsmalige Champion „nach den Sternen greifen“: Er startete wieder mit der 250er Honda und erstmalig mit einem Vierzylinder Motorrad in der Halbliterklasse. Die 350er Klasse überließ er seinem Freund Mike Hailwood, der wieder für Honda fuhr. Bei den WM-Läufen auf dem Hockenheimring und in Assen gewann Jim Redman jeweils vor Agostini das Rennen der 500er Klasse. Wenige Wochen später musste sein Name im Sachsenring-Rennprogramm leider gestrichen werden: 14 Tage vor dem ostdeutschen WM-Lauf legte er sich in Francorchamps mit der 500er Honda beim Regenrennen auf den belgischen Asphalt und brach dabei seinen linken Arm. Nach diesem Missgeschick verabschiedete sich der großartige Stilist vom aktuellen Rennsport.

In seiner aktiven Zeit war Jim Redman keinesfalls ein „Heiliger“. Gern verbrachte er die Abende vor den Rennen mit seinen Rennkumpels in fröhlicher Gesellschaft am Lagerfeuer. Einmal watschelte ihm im Garten des Stuttgarter Rennstrecken-Hotels „Glemseck“ eine Gans über den Weg. Unter Freunden schmeckte dann der Gänsebraten besonders gut… Heute ist der sechsmalige Weltmeister ein gern gesehener Gast bei den verschiedensten Oldtimer-Veranstaltungen.

 


  
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