im Porträt

1968 mit der 4-Zylinder 125er Yamaha

1964 mit der Zweizylinder von Yamaha

auf der Yamaha - Vierzylinder

...selbst ist der Mann

MV-Kollegen: Bonera, READ, Toracca

Unterhaltung mit Teuvo Länsivuori

nur 1er unterwegs: Read und Agostini

Vergesst die alten Meister nicht

Phil Read

Text: Günter Geyler - Fotos: Geyler, FBi, Eggersdorfer, Archiv


Obwohl in Ostdeutschland die Motorsportfreunde mit aktuellen Daten leider nur ganz erbärmlich informiert wurden, erfuhren dennoch die Fans im Jahr 1961, dass ein gewisser Phil Read es war, der mit seiner Norton auf der Englischen Tourist Trophy den Lauf der 350er Klasse gewann, während sein britischer Landmann Mike Hailwood in den Klassen bis 125, 250 und 500 ccm siegte. Im Jahr 1963 erschien der Name Read in Verbindung mit der Scuderia Duke: Der sechsmalige Motorrad-Weltmeister Geoffrey Duke setzte den Briten zusammen mit seinen Landleuten John Hartle und Derek Minter auf die ehemaligen Gilera Werks-Rennmaschinen von 1957, um damit bei den WM-Läufen die Klassen bis 350 und 500 ccm zu bereichern. Auf der Gilera erzielte Phil Read in Westdeutschland, England, Holland und Belgien einige vordere Platzierungen, musste aber nach einem schweren Sturz beim Ulster Grand Prix in Nordirland für den Rest der Saison 1963 seine Rückenverletzungen auskurieren.

Erst beim WM-Endlauf in Japan saß er wieder auf einem Rennmotorrad: Es war eine japanische 250er Yamaha. Mit diesem luftgekühlten Zweizylinder-Zweitakter, der bei 11000 U/min 48 PS leistete, gewann der Brite im Jahr 1964 fünf von elf WM-Läufen. Das waren wahrlich keine leichten Siege, denn er kämpfte gegen Hondas Nummer eins, Jim Redman aus Rhodesien. Ein zweiter und ein dritter Platz kam noch hinzu, und somit hieß der Weltmeister der 250er Klasse Phil Read.

Auch 1965 glänzte der Yamaha-Mann mit sieben Siegen auf den WM-Pisten. Sein stärkster Rivale war wiederum Redman auf dem Sechszylinder Honda –Kraftpaket, der allerdings nur drei Erfolge auf schnellen Strecken feiern konnte. Der WM-Titel ging wieder an Read. In den folgenden zwei Jahren dominierte Mike Hailwood auf der Sechszylinder Honda und holte sich jeweils vor Phil Read die Weltmeisterschaft, obwohl Yamaha als Waffe gegen Honda die neuen Vierzylinder-Maschinen einsetzte. Auch in der 125er Klasse musste sich Read 1967 mit dem zweiten WM-Platz hinter seinem britischen Stallgefährten Bill Ivy begnügen.

Ende des Jahres 1967 stieg Honda aus dem Grand-Prix-Sport aus, und die beiden Yamaha-Werksfahrer waren danach nahezu ohne ernsthafte Konkurrenz. Nichts gegen Heinz Rosner, aber die 250er Vierzylinder Yamaha waren schneller als die MZ-Twin. Nach dem ersten WM-Lauf 1968 auf der Südschleife des Nürburgrings – hier siegte Phil Read in der 125er Klasse und Bill Ivy bei den 250ern – traf die Yamaha-Rennleitung ein fragwürdige Entscheidung: Read sollte Weltmeister der 125er werden, und Ivy sollte den Titel in der Viertelliterklasse holen, obwohl ihm das 125er Motorrad besser lag. Bis zum sechsten WM-Lauf in Hohenstein-Ernstthal erfüllten beide brav die ihnen zugedachten Aufgaben: Read siegte in der 125er Klasse, und Ivy gewann die 250er Läufe. Sehr viele Rennbesucher am Sachsenring wussten damals noch nicht, dass in den Klassen bis 125 und 250 ccm ein von Yamaha ferngesteuertes Schauspiel abrollte! Eine Woche später, als in Brünn die 125er Weltmeisterschaft für Phil Read entschieden war, kümmerte er sich nicht mehr um die Anweisung aus Japan und fuhr auch bei den 250ern auf Sieg. Der „Bruderkrieg“ zwischen ihm und Bill Ivy begann. Den 250er WM-Endlauf in Monza gewann Read vor Ivy und damit auch die Weltmeisterschaft in dieser Klasse.

Nach diesem Rennen zog Yamaha die Werksbeteiligung zurück, und dem Weltmeister stand für 1969 vorerst kein Werks-Motorrad zur Verfügung. Erst bei der Englischen Tourist Trophy setzte ihn der Benelli-Rennleiter auf die 250er Vierzylinder-Maschine des verletzten italienischen Werksfahrers Renzo Pasolini. Bei diesem Benelli-Gastspiel musste Read mit Maschinenschaden aufgeben. Einen Werksvertrag erhielt er nicht. Mit seinen Zweizylinder Production racer-Yamahas startete er vorwiegend auf kontinentalen Rennstrecken und beteiligte sich 1969 nur noch am italienischen WM-Lauf in Imola. Dort gewann er die 250er und 350er Klasse. Auch in der nächsten Saison startete der Brite nur sporadisch auf WM-Pisten. Ganz anders 1971: Zum Tunen seiner Yamaha-Rennmotorräder gewann Phil Read den hervorragenden Techniker und Eigenbauer Helmut Fath, den Gespann-Weltmeister von 1960 und 1968. In der so genannten Yamaha-Klasse (bis 250 ccm) gingen über 30 Privatfahrer mit dem luftgekühlten Zweizylinder-Motorrad an den Start. Mit drei Siegen und weiteren vorderen Platzierungen erkämpfte Read vor seinem Landsmann Rodney Gould und dem Finnen Jarno Saarinen die Weltmeisterschaft 1971.

Mit seiner 250er Yamaha bestritt der Weltmeister auch ein Jahr später wieder die WM-Läufe: Er siegte in Frankreich und bei der Englischen Tourist Trophy. Hinzu kam für ihn noch ein Werksvertrag von MV Agusta für die Klasse bis 350 ccm. Nach dem Ausfall des Werksfahrers Nummer eins, Giacomo Agostini (Italien), gewann der MV-Neuling den Lauf auf dem alten Sachsenring. Gegen die neue, starke Vierzylinder-Halbliter-Yamaha mit Jarno Saarinen schickte MV Agusta ab 1973 Agostini und Read auf die WM-Pisten. Nach dem tragischen Todessturz des hochtalentierten Finnen in Monza kämpfte der Brite nun gegen seinen italienischen Markenkollegen um die Weltmeisterschaft, und erstaunlicherweise lief Agos Dreizylinder-MV erst in der zweiten Saisonhälfte zuverlässig. Am Ende des Jahres reichten Phil Read vier Siege und vier zweite Plätze zum 500er WM-Titel vor dem Neuseeländer Kim Newcombe und Giacomo Agostini. Nach der enttäuschenden Saison 1973 verließ der Serienweltmeister Agostini seine bisherige Marke MV Agusta und ging zur japanischen Konkurrenz Yamaha. Trotzdem holte Phil Read vor seinem italienischen „Wasserträger“ Gianfranco Bonera auf der Vierzylinder MV auch 1974 wieder die Halbliter-Weltmeisterschaft. Obwohl der Brite die WM-Läufe in Belgien und Tschechien 1975 gewann, war seine MV Agusta inzwischen nicht mehr so dominant: Read musste sich in der Weltmeisterschaft von seinem ehemaligen Stallgefährten Agostini auf Yamaha geschlagen geben. Danach folgte eine weniger erfolgreiche Saison auf der 500er Suzuki. Für eine hohe Gage startete der einstige TT-Gegner Phil Read 1977 wieder einmal auf der Insel Man. Dort siegte er auf Suzuki in der „Senior TT“ und gewann auf Honda die „TT Formel 1 und somit noch einen weiteren WM-Titel. Nach sporadischen Renneinsätzen beendete er im Herbst 1978 seine erfolgreiche Rennfahrer-Karriere.

Der am 1. Januar 1939 geborene Brite Phil Read hatte das große Glück, dass seine Mutter mit Begeisterung selbst Motorrad fuhr. Als in ihm der Wunsch zum Rennfahren erwachte, war es die Frau Mama, die ihm erst eine BSA, dann eine Norton kaufte. Bald stellten sich bei den verschiedensten Rennen in England Erfolge, aber auch böse Stürze ein. Nach seinem 1961er TT-Sieg in der 350er Klasse gehörte der 22-jährige Phil endlich zu den europäischen Spitzen-Piloten… Als die Sonne noch über den Sachsenring schien – diesen Ausspruch nahm mir ein Hohensteiner Stasi-Mann einmal sehr übel – also zur Zeit der WM-Läufe in Hohenstein-Ernstthal, erschien Phil Read sieben Mal an dieser Rennstrecke, die er „Sexy-Ring“ nannte. Warum wohl?

Noch heute ist der Brite dort zu finden - in Goodwood, Assen, Spa-Franchorchamps, aber auch in Zschorlau - wo sich ehemalige Motorrad-Rennfahrer an ihren Sport der vergangenen Jahre gern erinnern.






mit einigen seiner Konkurrenten:
Sheene, Bonera, READ, Länsivuori, Braun

in Aktion auf der Insel Man

auf zum Start in Salzburg

TT-Atmosphäre im mährischen Brünn

1971 auf dem 250cc Yamaha-Production-Racer

1964 mit Ralph Bryans im Gespräch

Bewegung tut gut: Hartog, Read, McLeod

Lieblingsspielzeug: eine MV-Agusta




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