Janez heute

Janez 1986...

...und schon 1984

Janez Pintar

Ein Slowene schrieb Geschichte auf dem Schleizer Dreieck

Text + Fotos: Jürgen Müller, SCZ



Janez Pintar gehört zu den erfolgreichsten Motorradrennfahrern in der 90-jährigen Geschichte des Schleizer Dreiecks. Erstmals ging der heute 56-jährige Slowene im Jahre 1980 in Schleiz an den Start. Zwischen 1984 und 1988 gewann Janez Pintar fünf Mal in Folge die Achtelliterklasse; hinzu kommen zwei weitere Siege in der Klasse bis 80 cm (1987 und 1990). Kurz vor dem Classic Grand stand uns der Slowene in einem Interview Rede und Antwort.

Schildern Sie uns einmal kurz Ihre Laufbahn!
J.P.: Ja, wie soll ich das beschreiben ... Als junger Kerl träumte ich vom Rennsport. Die materiellen Voraussetzungen waren zu Beginn sehr schlecht und ich dachte nie, dass ich einmal soweit kommen würde. Nur mit viel Enthusiasmus und Motivation konnte ich meine Träume in die Realität umsetzen. Ich dachte eigentlich nie, dass ich einmal WM fahren würde oder dass ich so bedeutende Rennen wie auf dem Schleizer Dreieck gewinnen könnte. Aus heutiger Sicht wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, aber hinterher ist man immer schlauer.

Wie kamen die jugoslawischen Motorradrennfahrer zu ihren Maschinen aus dem westlichen Ausland?
J.P.: Sehr gute Frage. Offiziell ging es eigentlich gar nicht. Es gab zwar eine Zeit, wo der Import von Speedway-Maschinen möglich war, aber fast nie für Straßen-Rennmaschinen. Wir konnten damals schon frei in den Westen fahren und dort die Motorräder kaufen. Aber sie über die Grenze zu bekommen, war sehr schwierig. Da gab es dann verschiedene Varianten, nicht immer legale. Wie bereits gesagt, gab es zahlreiche internationale Rennen bei uns. Manche West-Fahrer ließen ihr Motorrad dann hier und nahmen dafür ein Schrott-Motorrad mit nach Hause. Natürlich war Geld immer mein Problem, egal ob es um jugoslawischen Dinar oder um D-Mark ging. Ja, noch eine wichtige Sache: Uns fehlten einfach die Informationen, es gab ja noch kein Internet. Nur gelegentlich hatten wir die Chance, uns in ausländischen Motorradzeitschriften anhand von Anzeigen einen Überblick über den Markt zu verschaffen.

Welche WM-Läufe haben Sie bestritten?  
J.P.: In meiner Karriere habe ich ungefähr 30 WM-Läufe bestritten. Ich war in Spanien (Jerez), Italien (alle Rennstrecken), Österreich (Salzburg), BRD (Hockenheim), ČSSR (Brno, alte und neue Strecke), Niederland (Assen), Belgien (Zolder und Francorchamps), England (Donington und Silverstone), Finnland (Imatra). Leider war es mir nicht vergönnt auf der Insel of Man zu fahren, da es zu meiner Zeit keinen WM-Lauf für die Klasse 125 cm gab. Auch in Frankreich war ich komischerweise bei keinem Rennen am Start.

Was machen Sie heute?
J.P.: Ich war Unternehmer, meine Firma hat Motorradzubehör von Weltmarken wie Arai-Helme, Dunlop-Rennreifen, Held-Bekleidung usw. importiert. Leider habe ich Pech gehabt und bin seit 2011 schwer krank, ich habe Knochenmarkkrebs. Durch diese Krankheit ging meine Wirbelsäule kaputt und deshalb bin ich seit einigen Monaten Invalidenrentner. Alles in allem habe ich noch so viel Glück, dass ich noch gehen kann und nicht auf Andere angewiesen bin. Ich kann auch noch ein wenig arbeiten. Momentan schraube ich an meinem Oldtimer, einer Honda 400SS. Später möchte ich noch meine 80er Eberhardt in Ordnung bringen, die Maschine lief ja seit 1991 nicht mehr! Ansonsten stehe ich meinem Sohn, der die Firma übernommen hat, mit Rat und Tat beiseite. Sehr gerne lese ich auch über die Geschichte des Motorradrennens.

Wann waren Sie erstmals in Schleiz, wie kam es zum Kontakt?
J.P.: Das erste Mal war ich im August 1980 in Schleiz. Alois Pavlič und ich haben ins FIM-Jahrbuch geschaut und er sagte mir: „Du, warum sollen wir hier nicht einmal hinfahren?“ Wir konnten nicht ahnen, wie kompliziert es werden sollte, bis wir alle notwendigen Papiere zusammenhatten. Hinzu kamen noch die strengen Kontrollen am Grenzübergang in Hirschberg. Schleiz war dann wie eine neue Welt für uns: Tolle Rennen, gute Leute, viele Zuschauer – einzigartig!

Bitte gehen Sie etwas näher noch auf die Freundschaft zu Hermann Kiss ein. Wie kam es dazu?
J.P.: Ja, der Herr Kiss war der Erste, mit dem ich Kontakt aufgenommen hatte. Er war der damalige Rennsekretär auf dem Schleizer Dreieck. Als ich ihn das erste Mal in August 1980 traf, wusste ich, dass er ein außergewöhnlicher Mensch ist. Unter den damaligen Bedingungen durfte er eigentlich mit uns nicht offiziell privat reden, aber man konnte immer seine menschlichen Eigenschaften spüren. Später wurden wir gute Freunde, zwischen uns entstand eine außergewöhnliche Beziehung. Ich bin froh, dass ich bei meinem letzten Besuch in Schleiz auch an seinem Grab war. Leider weiß nicht, ob ich noch einmal nach Schleiz zurückkommen kann.

Janez Pintar´s Platzierungen
auf dem Schleizer Dreieck:


1980: 4. Platz 125 ccm
1981: 4. Platz 125 ccm
1982: 3. Platz 125 ccm
1983: 3. Platz 125 ccm
1984: 1. Platz 125 ccm
1985: 1. Platz 125 ccm
1986: 1. Platz 125 ccm
1987: 1. Platz 80 ccm und 125ccm
1988: 3. Platz 80 ccm und 1. Platz 125ccm
1989: 4. Platz 80 ccm und 2. Platz 125 ccm
1990: 1. Platz 80 ccm und 4. Platz 125 ccm
1991: 2.Platz 125 ccm
Janez Pintar´s Platzierungen
in der Weltmeisterschaft:


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