Losgelöst vom Rennstreß im linken Porträt und rechts am Start voll konzentriert - dazwischen liegen 30 Jahre. Eine Zeit, die der Fahrer zum Aufbau einer bürgerlichen Existenz nutzte. Ein Ford-Autohaus entstand, welches heute vom Sohn des inzwischen 65-jährigen geführt wird. Die Experten werden schon gesehen haben von wem hier die Rede ist.

Hans Müller


ist sein Name und weil der Name relativ häufig ist wird er gerne auch der "Hirzel-Müller" genannt, nach seiner Heimatstadt Hirzel.

Wie so mancher rennsportbesessene jener Tage fuhr er sich, mit viel Fleiß und Können, über die Debütantenklasse bis zu den Internationalen hoch.

In den Jahren zwischen 1971 und 1974 erreichte er bereits drei nationale Titel (zwei in der Achtelliterklasse und einer in der Viertelliterklasse) und war damit in guter Gesellschaft. Unter "guter Gesellschaft" sind Fahrer wie z.B. Bruno Kneubühler oder auch Philippe Coulon, Ulli Graf, Rolf Blatter, Walter Rungg und weitere zu verstehen, welche in jenen Tagen ebenfalls für internationale Aufmerksamkeit der Schweizer sorgten.

Zu dieser Zeit mussten sich die Fahrer noch bei den Veranstaltern um einen Start bewerben. Dabei konnte es schon passieren, dass zwar allgemein die Ergebnisse stimmten, aber die Nennung eines Fahrers für einen Grand Prix abgelehnt wurde. So erklärt es sich auch, dass viele Fahrer lieber bei so genannten Interrennen starteten, mit sogar Siegchancen und auch besserer Bezahlung, als bei WM-Rennen. Mit guten Resultaten bei diesen Rennen war es dann auch einfacher, einen Start bei den GPs zu erhalten.






Obwohl die erfolgreichste Klasse für den Schweizer die 125er war, startete er auch öfter bei den 250ern. Zwar waren, auf Grund schlechteren Materials, die Chancen für eine gute Platzierung geringer, aber es gab zumindest das doppelte Startgeld und das war ja auch nicht so schlecht. So errang der Hirzeler seine ersten WM-Punkte in eben der Viertelliterklasse im Jahr 1973 im spanischen Jarama.

Der Grundstein für eine erfolgreiche WM-Karriere war damit gelegt. Übrigens waren bei diesem Grand Prix und in dieser Klasse 4 (vier) Schweizer innerhalb der "top ten" wie man modernerweise wohl sagt - Bruno Kneubühler, Werner Pfirter, Werner Giger und eben Hans Müller. Leider kamen von diesen Quartett nur drei davon zu hause an. Der Prattelner Werner Pfirter wurde auf der Rückfahrt in einen Verkehrsunfall verwickelt und kam dabei ums Leben.

Trotz sehr guter Rennen in den folgenden Jahren musste Hans Müller bis 1978 warten, um auch ein Siegerpodest besteigen zu dürfen - gemeint ist natürlich bei GP - Rennen. Es war beim vorletzten WM - Rennen auf dem Nürburgring, als er seine Morbidelli auf den 3. Platz ins Ziel brachte. Offenbar hatten Hans und seine Morbidelli Freude daran gefunden, denn zum letzten Lauf in Rijeka sah er sogar als Zweiter die Zielflagge. Es waren nicht seine letzten Podestplätze, denn bis 1984 folgten noch weitere elf.

Wie sagt man so schön - die Karriere war nun so richtig "ins Laufen gekommen". Jetzt konnte man auch mal einen Blick auf die Gesamtwertung eines WM - Jahres werfen. In den Jahren 79, 80 und 81 war das dann ganz schön erfreulich, denn in genannten Jahren landete der "Hirzel - Müller" auf den Plätzen drei, fünf und vier der Jahres - Endwertung. Keine schlechte Bilanz für einen Privatfahrer !


Hans Müller setzte dann bis 1984 seine WM - Karriere fort. Bekanntlich holte er seine ersten WM - Punkte 1973 in Jarama und wo holte er wohl seinen letzten Podestplatz? Im Mekka des Rennsports, 1984 in Assen. So schließt sich der Kreis einer überaus erfolgreichen Rennkarriere. Fortan widmete er sich seiner Arbeit und seiner Familie.

Wenn der vor wenigen Tagen 65 Jahre "jung" gewordene Hans Müller Rückschau hält, kann er stolz auf seine "Lebensleistung" sein - alles Gute weiterhin.

© Fotos: Frohnmeyer, Autor
21.11.2014seine WM-Resultate zurück